Drei Arten, drei Kämme
Die drei Parasaurolophus-Arten unterschieden sich erheblich in ihrer Kammform. P. walkeri (Dinosaur Park Formation, Alberta, ~76,5–74,4 Ma) trug einen langen, leicht gebogenen Kamm mit relativ einfacher interner Struktur. P. tubicen (Kirtland Formation, New Mexico, ~75,0–73,4 Ma) besaß den längsten und intern komplexesten Kamm – der Gesamtschädel maß über 2 Meter. P. cyrtocristatus (Fruitland/Kirtland-Grenzschicht und Kaiparowits Formation, ~76,3–74,0 Ma) war die kleinste Art mit dem kürzesten und am stärksten gebogenen Kamm.
Lange war unklar, ob P. cyrtocristatus wirklich eine eigene Art war oder lediglich ein juveniles P. tubicen. Gates, Evans und Sertich (2021, PeerJ 9: e10669) lösten dieses Problem mit der Beschreibung des juvenilen Schädels DMNH EPV.132300 aus der Fruitland Formation – des ersten neuen P. cyrtocristatus-Schädels seit der Erstbeschreibung durch Ostrom 1961. Die Rediagnose identifizierte erstmals artdiagnostische Merkmale jenseits der Kammform und bestätigte P. cyrtocristatus als eigenständige Art.
Überraschenderweise zeigte die revidierte Phylogenie, dass nicht P. walkeri und P. tubicen Schwesterarten sind (wie zuvor angenommen), sondern P. cyrtocristatus und P. tubicen eine eigene Klade bilden. Die südlichen Arten aus New Mexico und Utah sind also enger miteinander verwandt als mit dem nördlichen P. walkeri aus Alberta – ein Befund, der die biogeographische Trennung zwischen nördlichem und südlichem Laramidien widerspiegelt.