Jagdverhalten und Biomechanik
Die Jagdstrategie des Allosaurus ist Gegenstand einer lebhaften Forschungsdebatte. Das einflussreiche Modell von Bakker (1998) beschrieb einen „Hatchet Attack"-Mechanismus: Der Allosaurus habe seinen Schädel wie ein Beil von oben in die Beute geschlagen, wobei der Oberkiefer die Hauptwaffe gewesen sei. Snively et al. (2013) verfeinerten diese Hypothese zum „Strike-and-Tear"-Modell und verglichen die Biomechanik mit der eines Falken – hohe Aufschlaggeschwindigkeit bei moderater Beißkraft.
Rayfield et al. (2001) zeigten mittels Finite-Elemente-Analyse, dass der Schädel des Allosaurus besser für Zugbelastungen (wie beim Reißen) als für Kompression (wie beim Zubeißen) optimiert war. Dies steht im direkten Gegensatz zum Schädel des T. rex, der auf maximale Beißkraft ausgelegt war. Ob der Allosaurus bevorzugt Sauropoden, Stegosaurier oder andere Beute jagte, ist nicht abschließend geklärt. Es existieren fossile Hinweise auf Interaktionen mit Stegosaurus (Carpenter et al., 2005), darunter eine möglicherweise von einem Thagomizer-Stachel verursachte Verletzung an einem Allosaurus-Schwanzwirbel.
Ob Allosaurier in Gruppen jagten, ist umstritten. Die Cleveland-Lloyd-Fundstelle mit mindestens 46 Individuen (Minimum Number of Individuals; Peterson et al., 2017) wird manchmal als Beleg für Sozialverhalten herangezogen, doch die Taphonomie – vermutlich eine dürrebedingte hypereutrophe Wasserstelle, an der Tiere über einen längeren Zeitraum verendeten – macht eine direkte Interpretation als „Rudeljagd" problematisch (Gates, 2005; Peterson et al., 2017).