Der Vergleich Giganotosaurus vs. Tyrannosaurus ist einer der populärsten in der Paläontologie – und einer der am häufigsten verzerrten. Die pauschale Behauptung „Giganotosaurus war größer als T. rex" ist stark vereinfacht. Die Daten: Giganotosaurus war möglicherweise etwas länger (12,5 m vs. 12,3 m), aber Tyrannosaurus war schwerer (8–9 t vs. 6,5–8,5 t) und robuster gebaut. Die Schädellängen sind vergleichbar (Giganotosaurus ca. 1,63 m vs. T. rex ca. 1,53 m). Die Beißkraft von T. rex (ca. 57.000 N) übertraf die von Giganotosaurus (geschätzt ca. 17.000 N) um das Dreifache. Die Stichprobe von nur 2 Giganotosaurus-Exemplaren vs. über 50 T.-rex-Exemplaren macht statistisch belastbare Vergleiche unmöglich.
Die biomechanische Realität (Rowe & Rayfield 2025) zeigt zwei divergente Strategien: Giganotosaurus war ein Fleischreißer mit schnellen, scharfen Bissen bei geringer Schädelbelastung – die Beute starb vermutlich an Blutverlust. Tyrannosaurus war ein Knochenbrecher mit enormer Kraft bei hoher Schädelbelastung. Beide Strategien waren offensichtlich erfolgreich, evolvierten aber in völlig verschiedenen Ökosystemen: Giganotosaurus im frühcenomanen Südamerika (~97 Ma), Tyrannosaurus im spät- maastrichtischen Nordamerika (~68–66 Ma) – getrennt durch über 30 Millionen Jahre und einen Ozean.
Die filmische Darstellung in Jurassic World Dominion (2022) übertreibt die Größe massiv und stellt Giganotosaurus als dem T. rex physisch überlegenen Antagonisten dar. Die populäre „Rudeljagd"-Vorstellung stammt nicht von Giganotosaurus, sondern von Mapusaurus-Funden (Bonebed mit mehreren Individuen, Coria & Currie 2006) und wird in den Medien routinemäßig fehlattribuiert. Selbst für Mapusaurus ist unklar, ob es koordinierte Jagd oder opportunistisches Kadaver-Sammeln war (vgl. Komodo-Modell bei Deinonychus, Roach & Brinkman 2007).