Ernährungsökologie und Nischenpartitionierung
Brachiosaurus war ein hochspezialisierter Hochweider (High Browser), der sich von Vegetation in Kronenhöhe ernährte – einem ökologischen Nischenbereich, den im Oberen Jura kein anderer Herbivor erreichen konnte. Die Morrison-Formation zeigt ein bemerkenswertes Muster der Nischenpartitionierung: Diplodocus fraß vermutlich bodennah, Camarasaurus bediente mittlere Höhen, und Brachiosaurus nutzte die höchsten Vegetationsschichten (Stevens & Parrish 1999).
Die tägliche Nahrungsaufnahme wird auf 200-400 kg geschätzt (Hummel et al. 2008) – bemerkenswert angesichts des fermentierenden Verdauungssystems und des Fehlens eines Kauapparats. Die spatulaten Zähne dienten dem Abstreifen von Blättern, nicht dem Zerkauen.
Brachiosaurus war in der Morrison-Formation auffallend selten: Foster (2003) dokumentierte nur 12 Exemplare in über 200 Fundorten, verglichen mit 179 Camarasaurus, 112 Apatosaurus und 98 Diplodocus. Ob dies eine niedrigere Populationsdichte, andere Habitatpräferenzen oder taphonomische Faktoren reflektiert, ist unklar.