
Brachiosaurus altithorax
Ein ikonischer Sauropode, dessen Bekanntheit in umgekehrtem Verhältnis zu unserem tatsächlichen Wissen über ihn steht – und dessen Geschichte untrennbar mit Giraffatitan verwoben ist.
Am 4. Juli 1900 – dem amerikanischen Unabhängigkeitstag – stieß Harold William Menke, Feldassistent von Elmer S. Riggs, nahe Fruita bei Grand Junction, Colorado, auf einen massiven Humerus, der aus dem Sediment ragte. Was Riggs 1903 als Brachiosaurus altithorax beschrieb, war ein Tier von außergewöhnlichen Proportionen: Vorderbeine, die länger waren als die Hinterbeine, massiv pneumatisierte Wirbel und ein Brustkorb von beeindruckender Tiefe. Doch trotz seiner Berühmtheit – befeuert durch einen ikonischen Filmauftritt in Jurassic Park – bleibt Brachiosaurus eines der schlechter belegten Sauropoden-Taxa: Der Holotyp (FMNH P 25107) umfasst nur etwa 25 % des Skeletts, stammt von einem subadulten Tier (unfusiertes Coracoid/Scapula), und ein Schädel ist erst seit D'Emic & Carrano (2020) mit einiger Sicherheit zugeordnet. Kein einziger Halswirbel ist von B. altithorax bekannt.
Die Architektur eines Jägers
Die Anatomie von Brachiosaurus altithorax ist geprägt von extremer Körpergröße, ausgeprägter Pneumatisierung und einer für Sauropoden ungewöhnlichen Körperproportionierung. Viele der populär mit „Brachiosaurus" assoziierten Merkmale – insbesondere die Schädelrekonstruktion mit dem markanten Nasenhöcker – stammen tatsächlich von Giraffatitan brancai aus Tansania, der seit Paul (1988) und definitiv seit Taylor (2009) als eigenständige Gattung geführt wird. Diese Unterscheidung ist fundamental für jede seriöse Diskussion der Gattung.
Postcraniales Skelett und Proportionen
Das diagnostische Merkmal von Brachiosaurus ist die ungewöhnliche Proportionierung der Extremitäten: Der Humerus misst 2,04 m (erhalten; Originallänge ~2,16 m, da das distale Ende erodiert war) und ist damit nahezu so lang wie das Femur (2,03 m) – ein Humerus/Femur-Verhältnis von ≥0,9, das in der Familie Brachiosauridae diagnostisch ist (Riggs 1903; Taylor 2009). Dies führt zu einer nach anterior ansteigenden Rückenlinie, die Brachiosaurus von den meisten anderen Sauropoden unterscheidet. Die Dorsalwirbel zeigen eine extreme Pneumatisierung mit komplexen internen Kammersystemen, die auf ein ausgedehntes Luftsacksystem hindeuten, analog zu dem heutiger Vögel (Wedel 2003, 2005). Taylor & Wedel (2023) dokumentierten neuartige pneumatische Foramina in den Rippen des Holotyps – an unterschiedlichen anatomischen Positionen (Schaft vs. Tuberculum), was den „opportunistischen" Charakter der Sauropoden-Pneumatisierung unterstreicht. Der Artname „altithorax" bezieht sich auf den tiefen, breiten Thorax. Die Gesamtlänge wird auf 18-22 m geschätzt, wobei die Unsicherheit aus der Unvollständigkeit des Holotyps resultiert. Die maximale Höhe mit aufgerichtetem Hals wird auf bis zu 13 m geschätzt, wobei die habituelle Browsing-Höhe bei etwa 9 m gelegen haben dürfte. Entscheidend: Der Holotyp enthält keine Halswirbel. Die Annahme von 13 Cervicalwirbeln und die daraus abgeleitete Halslänge von ca. 8-9 m basieren auf Giraffatitan-Extrapolation und sind mit erheblicher Unsicherheit behaftet. Zudem war der Holotyp subadult – adulte Tiere waren größer.
Schädel und Dentition
Erst seit D'Emic & Carrano (2020, The Anatomical Record) ist ein Schädel (USNM 5730, Felch Quarry 1, 1883) B. altithorax zugeordnet – formuliert als „most parsimonious referral", da keine direkte anatomische Überlappung mit dem Holotyp besteht. Die in Museen und Medien gezeigte Schädelrekonstruktion mit dem charakteristischen Nasenhöcker basiert auf Giraffatitan brancai (Janensch 1935-1936). Ob B. altithorax einen ähnlichen Nasenkamm besaß, ist plausibel, aber nicht belegt. Witmer (2001, Science) zeigte, dass die fleischigen Nasenlöcher bei Sauropoden nahe der Schnauze positioniert waren, nicht dorsal. Die Dentition umfasst ca. 14 Zähne pro Dentale (D'Emic & Carrano 2020); die oft zitierte Gesamtzahl von ~52 ist eine populärwissenschaftliche Hochrechnung. Die Zähne sind spatulat (meißelförmig), optimiert für das Abstreifen von Vegetation. Die Zahnersatzrate beträgt ~83 Tage pro Position – langsamer als Camarasaurus (62 d) und Diplodocus (34 d), aber schneller als Giraffatitan (92 d). D'Emic, Finch, Britt & Wilson Mantilla (2024, Journal of Anatomy) bestätigten diese Rate und zeigten, dass die Evolution der Zahnersatzraten bei Sauropoden komplexer ist als bisher angenommen.
Körpermasse und die Problematik der Masserekonstruktion
Die Körpermasse von Brachiosaurus ist eine der am kontroversesten diskutierten Größen in der Sauropoden-Paläontologie. Die Literaturspanne reicht von ca. 28 Tonnen (volumetrische Methoden) bis ~56 Tonnen (Benson et al. 2014, PLoS Biology) und sogar 67+ Tonnen in älteren Schätzungen (Colbert 1962). Ein häufig zitierter Mittelwert liegt bei ca. 35 Tonnen, doch diese Zahl suggeriert eine Präzision, die der Datenlage nicht entspricht. Die Unsicherheit hat mehrere Ursachen: Die Unvollständigkeit des Holotyps (kein Schädel, kein Hals, nur Teilskelett), der subadulte Status des Typusexemplars, und die fundamentale Schwierigkeit, von Knochen auf Weichteilvolumen zu schließen. Die Pneumatisierung und das Luftsacksystem reduzieren die effektive Körperdichte. Jede Masseangabe sollte als Schätzung mit erheblicher Unsicherheitsmarge verstanden werden – und als Untergrenze, da der Holotyp nicht ausgewachsen war.
Pneumatisierung und Thermoregulation
Wedel (2003, 2005) dokumentierte ein komplexes System von Pleurocoelen und internen Kammern in den präsakralen Wirbeln. Taylor & Wedel (2023) erweiterten das Bild um pneumatische Rippen-Merkmale: Rippe A mit einem Schaft-Foramen, Rippe B mit einem Tuberculum-Foramen – kontrastierende Positionen, die den nicht-deterministischen Charakter der Pneumatisierung belegen. Die Thermophysiologie ist Gegenstand einer dreistufigen Debatte: Eagle et al. (2011) maßen mittels Clumped-Isotope-Thermometrie 36-38 °C für Brachiosauridae/Giraffatitan-Zahnmaterial – unter Gigantothermie-Vorhersagen. Wiemann et al. (2022, Nature) fanden Lipoxidations-Biomarker für vogelähnliche Endothermie. Motani et al. (2023, Nature) kritisierten die Methodik als zu unsicher. Chiarenza et al. (2024, Current Biology) zeigten biogeographisch, dass Sauropoden warme Klimazonen bevorzugten – konsistent mit niedrigerem Stoffwechsel. Die Debatte verdeutlicht, dass die Paläophysiologie großer Sauropoden ein offenes Forschungsfeld bleibt.
Größenvergleich
Lebenszyklus und Verhalten
Ernährungsökologie und Nischenpartitionierung
Brachiosaurus war ein hochspezialisierter Hochweider (High Browser), der sich von Vegetation in Kronenhöhe ernährte – einem ökologischen Nischenbereich, den im Oberen Jura kein anderer Herbivor erreichen konnte. Die Morrison-Formation zeigt ein bemerkenswertes Muster der Nischenpartitionierung: Diplodocus fraß vermutlich bodennah, Camarasaurus bediente mittlere Höhen, und Brachiosaurus nutzte die höchsten Vegetationsschichten (Stevens & Parrish 1999).
Die tägliche Nahrungsaufnahme wird auf 200-400 kg geschätzt (Hummel et al. 2008) – bemerkenswert angesichts des fermentierenden Verdauungssystems und des Fehlens eines Kauapparats. Die spatulaten Zähne dienten dem Abstreifen von Blättern, nicht dem Zerkauen.
Brachiosaurus war in der Morrison-Formation auffallend selten: Foster (2003) dokumentierte nur 12 Exemplare in über 200 Fundorten, verglichen mit 179 Camarasaurus, 112 Apatosaurus und 98 Diplodocus. Ob dies eine niedrigere Populationsdichte, andere Habitatpräferenzen oder taphonomische Faktoren reflektiert, ist unklar.
Fortpflanzung und Ontogenese
Direkte Belege für die Fortpflanzungsbiologie fehlen weitgehend. Sauropoden-Eier verwandter Taxa erreichen Durchmesser von 15-20 cm – klein im Verhältnis zur adulten Körpergröße. Das Wachstum vom Schlüpfling (geschätzt 5-10 kg) bis zum ausgewachsenen Tier erfordert eine Massenzunahme um den Faktor 3.500-7.000 – eines der extremsten ontogenetischen Wachstumsverhältnisse im Tierreich.
Dass der Holotyp subadult war (unfusiertes Coracoid/Scapula), bedeutet, dass alle auf ihm basierenden Maße Untergrenzen darstellen. Wie groß adulte Brachiosaurus tatsächlich wurden, ist unbekannt.
Lebenserwartung
Die oft zitierte Lebensspanne von 70-100 Jahren basiert nicht auf LAG-Analysen von Brachiosaurus-Material – solche Daten existieren nicht –, sondern auf Extrapolationen von anderen Sauropoden und allometrischen Skalierungen. Konkrete Zahlen sind mit Vorsicht zu betrachten.
Sozialverhalten
Für Brachiosaurus gibt es keine Bonebeds oder andere direkte Hinweise auf Herdenverhalten. Die Morrison-Formation liefert allerdings für andere Sauropoden Hinweise auf zumindest gelegentliche Aggregationen. Ob Brachiosaurus solitär lebte oder temporäre Gruppen bildete, ist nicht zu entscheiden.
Verbreitung und Fundorte
14 bekannte Fundorte von Brachiosaurus-Fossilien weltweit.
14 Fundorte in 2 Ländern
Die Entdeckung
Schädel in Garden Park entdeckt
M. P. Felch entdeckt in Quarry 1 in Garden Park, Colorado einen nahezu vollständigen Sauropoden-Schädel (USNM 5730). Ein 1 m langer Halswirbel in der Nähe wird bei der Bergung zerstört. Felch berichtet den Fund an O. C. Marsh, der ihn fälschlich Brontosaurus zuordnet. Erst 2020 wird der Schädel mittels CT-Analyse überzeugend B. altithorax zugewiesen.
Holotyp am 4. Juli entdeckt
Am Unabhängigkeitstag (4. Juli) 1900 entdeckt Harold William Menke, Feldassistent von Elmer S. Riggs (Field Columbian Museum, Chicago), den massiven Humerus des Holotyps in Quarry 13 nahe Fruita, Colorado. Die Expedition wurde mit 500 Dollar finanziert. Der Holotyp (FMNH P 25107) umfasst etwa 25 % des Skeletts und repräsentiert ein subadultes Individuum (unfusiertes Coracoid/Scapula).
Erstbeschreibung als Brachiosaurus altithorax
Elmer S. Riggs publiziert die Erstbeschreibung. Der Gattungsname „Brachiosaurus" (Armechse) bezieht sich auf die ungewöhnlich langen Vorderbeine – ein diagnostisches Merkmal der Brachiosauridae. Der Artname „altithorax" verweist auf den tiefen Brustkorb. Riggs erklärt das Tier zum „größten bekannten Dinosaurier".
Riggs: Sauropoden als Landtiere
In seiner ausführlichen Monographie argumentiert Riggs als einer der Ersten überzeugend, dass Sauropoden vollständig terrestrisch lebten – gegen die damals vorherrschende 'Sumpf-Hypothese'. Er verweist auf die hohlen Wirbel (kein Analogon bei aquatischen Wirbeltieren) und die kompakten Füße.
Tendaguru-Expedition: B. brancai entdeckt
Deutsche Expedition unter Wilhelm von Branca entdeckt große Brachiosaurier-Knochen in der Tendaguru-Formation (Deutsch-Ostafrika, heute Tansania). Janensch beschreibt sie 1914 als Brachiosaurus brancai. Die wesentlich vollständigeren afrikanischen Funde werden zur Grundlage fast aller populären Darstellungen – ein Fehler, der bis 2009 anhielt.
Paul: Anatomische Unterschiede zu B. brancai
Gregory S. Paul weist erstmals systematisch auf Unterschiede zwischen dem nordamerikanischen B. altithorax und dem afrikanischen B. brancai hin, schlägt aber nur eine Trennung auf Untergattungsebene vor.
Erste Skelettmontage im Field Museum
Nach Abguss der Holotyp-Knochen 1993 wird ein rekonstruiertes Plastikskelett in der Stanley Field Hall des Field Museum in Chicago montiert – die erste vollständige Brachiosaurus-Skelettmontage weltweit. Fehlende Knochen werden anhand von Giraffatitan-Material aus Berlin ergänzt.
Witmer: Nasenlöcher nahe der Schnauze
Lawrence Witmer argumentiert in Science, dass die fleischigen Nasenlöcher bei Sauropoden – entgegen der traditionellen Rekonstruktion – nahe der Schnauzenspitze positioniert waren, nicht dorsal. Die große dorsale Schädelöffnung beherbergte wahrscheinlich Luftsäcke, Drüsengewebe oder thermoregulatorische Strukturen. Diese Neuinterpretation widerlegt die 'Schnorchel-Hypothese' endgültig.
Erster Fund in Oklahoma
Bonnan & Wedel publizieren den ersten Nachweis von Brachiosaurus aus Oklahoma (OMNH 01138, Kenton Pit 1) – der südlichste bekannte Fundort, der das Verbreitungsgebiet signifikant erweitert.
Formale Trennung von Giraffatitan
Michael P. Taylor publiziert eine detaillierte Re-Evaluation mit mindestens 26 unterscheidenden Merkmalen zwischen B. altithorax und B. brancai. Die afrikanische Art wird als Giraffatitan brancai in eine eigenständige Gattung überführt. Damit wird klar: Fast alle populären „Brachiosaurus"-Darstellungen – inklusive des Berliner Skeletts – zeigen tatsächlich Giraffatitan.
Körpertemperatur mittels Isotopenanalyse
Eagle et al. messen mittels Clumped-Isotope-Thermometrie erstmals direkt die Körpertemperatur aus fossilen Sauropoden-Zähnen. Für Brachiosauridae/Giraffatitan-Material aus Tendaguru ergibt sich eine Körpertemperatur von ca. 36-38 °C – 4-7 °C unter Gigantothermie-Vorhersagen, was auf aktive Thermoregulationsmechanismen hindeutet. Caveat: Material stammt von Giraffatitan, nicht direkt von B. altithorax.
Vollständige Luftsacksystem-Rekonstruktion
Hallett & Wedel rekonstruieren erstmals das komplette Luftsacksystem eines Sauropoden mit B. altithorax als Modellorganismus. Die pneumatischen Wirbel mit ihren komplexen internen Kammersystemen reduzierten das Skelettgewicht erheblich und dienten möglicherweise auch der Thermoregulation.
Größter Sauropoden-Fuß aus der Morrison Formation
Maltese, Tschopp, Holwerda und Burnham beschreiben den größten bisher gefundenen Sauropoden-Fuß ('Bigfoot') aus den Black Hills, Wyoming. Der assoziierte Femur war geschätzt ~2% länger als der des Brachiosaurus-Holotyps. Das Material wird vorsichtshalber als indeterminater Brachiosauride klassifiziert; D'Emic & Carrano (2019) stellten die Zuordnung in Frage.
CT-Neubeschreibung und Schädelzuordnung
D'Emic & Carrano publizieren eine umfassende Neubeschreibung von Brachiosaurid-Material in The Anatomical Record. Mittels CT-Scanning ordnen sie erstmals den Schädel USNM 5730 überzeugend B. altithorax zu ('most parsimonious referral') und bestimmen eine Zahnersatzrate von ~83 Tagen – langsamer als Camarasaurus (62 d) und Diplodocus (34 d), schneller als Giraffatitan (92 d). 'Toni' (SMA 0009) wird als unsichere Zuordnung verworfen.
Dreistufige Endothermie-Debatte
Wiemann et al. (2022, Nature) quantifizieren metabolische Lipoxidations-Biomarker in Fossilien und schließen auf vogelähnliche Endothermie bei Sauropoden. Motani et al. (2023, Nature) kritisieren die Methodik – die Messunsicherheiten seien zu groß für belastbare Schlussfolgerungen. Chiarenza et al. (2024, Current Biology) finden biogeographische Evidenz, dass Sauropoden eher in warmen Klimazonen blieben – konsistent mit niedrigerem Stoffwechsel. Die Frage der Sauropoden-Thermophysiologie bleibt offen.
Taylor & Wedel: Pneumatische Rippen-Merkmale
Taylor und Wedel dokumentieren erstmals neuartige pneumatische Merkmale in den Rippen des Holotyps (FMNH P 25107): Rippe A zeigt ein pneumatisches Foramen im Schaft (bereits von Riggs bemerkt), Rippe B ein zuvor unbeschriebenes Foramen im Tuberculum. Die kontrastierenden Pneumatisierungsorte unterstreichen den 'opportunistischen' Charakter der postcranialen Pneumatisierung bei Sauropoden.
D'Emic et al.: Zahnersatz-Evolution bei Sauropoden
D'Emic, Finch, Britt und Wilson Mantilla integrieren histologische und tomographische Daten und verdoppeln die Anzahl untersuchter Sauropoden-Gattungen. Brachiosaurus' Zahnersatzrate (~83 Tage) wird bestätigt. Die Studie zeigt, dass die Evolution der Zahnersatzraten komplexer ist als bisher angenommen – Brachiosauriden behielten eine relativ niedrige Ersatzrate (2–3 Monate pro Alveole) bei, unabhängig von der Zahnkronenbreite.
Brachiosaurus und Giraffatitan: Eine taxonomische Trennung
Die Geschichte von Brachiosaurus ist untrennbar mit Giraffatitan brancai verbunden. Werner Janensch beschrieb ab 1909 am Tendaguru-Hügel in Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) reichhaltiges Sauropoden-Material als Brachiosaurus brancai. Dieses afrikanische Material – darunter nahezu vollständige Skelette und Schädel – wurde jahrzehntelang als Referenz für „Brachiosaurus" verwendet und bildet die Grundlage für das berühmte Skelett im Museum für Naturkunde Berlin.
Gregory S. Paul (1988) hinterfragte erstmals die Gattungszugehörigkeit, und Michael P. Taylor (2009, JVP 29) wies durch eine detaillierte osteologische Analyse mindestens 26 signifikante Unterschiede nach: Differenzen in der Wirbelmorphologie, den Extremitätenproportionen und der Beckenstruktur. Das afrikanische Material wurde als eigene Gattung Giraffatitan brancai abgetrennt. Die Konsequenz: Praktisch alle populären „Brachiosaurus"-Darstellungen – einschließlich des Berliner Skeletts, der meisten Museumsrekonstruktionen und des Jurassic-Park-Auftritts – zeigen tatsächlich Giraffatitan. Für Brachiosaurus altithorax selbst ist das Material erheblich fragmentarischer.
Ähnliche Dinosaurier
Weitere Arten aus Oberer Jura (Kimmeridgium bis Tithonium).



