Die Geschichte der Quetzalcoatlus-Forschung ist außergewöhnlich. Lawson beschrieb den Fund 1975 in zwei Texten in Science: Der Entdeckungsbericht erschien in Band 187 (S. 947–948), der Name wurde in Band 188 (S. 676–677) formal eingeführt. Wann Langston Jr. arbeitete jahrzehntelang an einer umfassenden Monographie, vollendete sie aber vor seinem Tod 2013 nicht. Die ICZN musste 2019 eingreifen (Opinion 2440, Bulletin of Zoological Nomenclature 76(1): 155–156), um den Namen formal zu konservieren – denn Lawsons zweiter Text von 1975 war technisch gesehen nur ein Brief an die Redaktion.
Erst 2021 erschien die lang erwartete Monographie als SVP Memoir 19 (JVP 41(sup1)), bestehend aus sechs Beiträgen. Andres und Langston (postum) beschrieben die Morphologie und Taxonomie und benannten Q. lawsoni sowie Wellnhopterus brevirostris. Padian, Cunningham, Langston und Conway analysierten die Funktionsmorphologie. Das 50-jährige Intervall zwischen Entdeckung und Beschreibung ist ein Extremfall, aber kein Einzelfall in der Paläontologie – es zeigt, wie komplex die Aufarbeitung fragmentärer Funde sein kann.
Systematisch gehört Quetzalcoatlus zu den Azhdarchidae innerhalb der Pterodactyloidea. Naish und Witton (2017, PeerJ 5: e2908) zeigten, dass der rumänische Hatzegopteryx einen breiten, muskulösen Hals hatte – im scharfen Kontrast zum langen, dünnen Hals von Quetzalcoatlus. Die beiden Gattungen repräsentieren fundamentale Unterschiede in der ökologischen Anpassung: Hatzegopteryx als Apex-Prädator einer Inselumgebung, Quetzalcoatlus als kontinentaler Bodensucher.