Czepiński (2019, Historical Biology 32(10): 1394–1421) vereinfachte die Protoceratopsidae durch umfangreiche Synonymisierungen radikal: Gobiceratops, Lamaceratops, Magnirostris und Platyceratops sind demnach allesamt Synonyme von Bagaceratops. Die Familie reduziert sich auf drei Gattungen: Protoceratops (basal), Breviceratops und Bagaceratops (am abgeleitetsten). Besonders faszinierend ist Czepińskis Hypothese, dass P. andrewsi über Anagenese (graduelle Evolution innerhalb einer Linie) zu Bagaceratops evolvierte – gestützt durch ein Exemplar aus Üüden Sair (MPC-D 100/551B) mit intermediären Merkmalen (Czepiński 2020, Acta Palaeontologica Polonica 65(3): 481–497). Eine zweite Art, P. hellenikorhinus, wurde 2001 von Lambert, Godefroit, Li, Shang und Dong aus der Bayan Mandahu Formation (Innere Mongolei, China) beschrieben – größer als P. andrewsi, mit robusteren Jugalknochen und ausgeprägterem Nasalhöcker.
Die populäre Hypothese, dass Protoceratops-Fossilien die antike Greifenlegende inspirierten (Mayor 1993/2000), wurde 2024 von Witton und Hing (Interdisciplinary Science Reviews, DOI: 10.1177/03080188241255543) systematisch widerlegt. Die Autoren zeigten, dass die Fossilien Hunderte Kilometer von antiken Goldvorkommen entfernt liegen, keine archäologische Assoziation zwischen Fossilien und Greifen-Darstellungen existiert und die anatomische Ähnlichkeit auf selektiver Beweisführung beruht. Greifen sind demnach rein imaginäre Kreaturen – eine Erkenntnis, die sich in der populären Darstellung allerdings nur langsam durchsetzen dürfte.