Brutpflege – eine Revolution der Dinosaurierforschung
Die Entdeckung, dass Oviraptoriden keine Eierdiebe, sondern brütende Eltern waren, war einer der bedeutendsten Paradigmenwechsel der Paläontologie. 1993 entdeckten Norell et al. bei Ukhaa Tolgod einen Oviraptoriden-Embryo (IGM 100/971) in einem Ei, das zuvor Protoceratops zugeschrieben worden war (publiziert 1994, Science 266: 779–782). Die Eier neben dem Holotyp hatten die ganze Zeit dem Oviraptor selbst gehört.
1995 beschrieben Norell et al. (Nature 378: 774–776) ein Citipati-Exemplar in vogelartiger Brutposition: Hinterbeine symmetrisch beiderseits des Nests, Vorderarme über dem Nestrand – der erste direkte Nachweis von Brutpflege bei Nicht-Vogel-Dinosauriern. Bis 2019 waren mindestens 7 solcher brütenden Adulten dokumentiert.
2021 brachte Bi et al. (Science Bulletin 66(9): 947–954) den nächsten Durchbruch: erstmals ein adulter Oviraptorosauroier auf einem Gelege, das nachweislich Embryonen enthielt – mindestens 24 Eier, davon 7 mit Embryonen in verschiedenen Entwicklungsstadien. Dies belegt asynchrones Schlüpfen, ein abgeleitetes Merkmal, das selbst bei modernen Vögeln selten vorkommt. Im Bauchraum des Adulten fand sich zudem ein Gastrolith. Die geschätzte Inkubationstemperatur lag bei 36–38 °C.