Ernährung und ökologische Nische
Nigersaurus war ein Bodennah-Fresser (ground-level browser), der weiche Vegetation wie Farne, Schachtelhalme und möglicherweise frühe Angiospermen abweidete. Die breite, gerade Schnauze funktionierte wie ein biologischer Rasenmäher, der breite Vegetationsstreifen in Bodennähe abschnitt. Harte oder holzige Pflanzen waren keine Option: Der extrem fragile Schädel und die schmalen Zähne waren für Scherkräfte an weicher Vegetation optimiert, nicht für Zerkleinerungsbisse.
Die Frage, ob die hohe Zahnersatzrate eine Ursache oder Folge der Bodennahrung war, ist nicht abschließend geklärt. D'Emic & Finch (2025) zeigten, dass schmale Zahnkronen und hohe Ersatzraten bei Sauropoden mindestens zweimal unabhängig voneinander evolvierten – bei Diplodocoidea und Titanosauria. Dies deutet auf konvergente ökologische Drücke hin: Bodennahe Vegetation ist besonders abrasiv (Silikat-Phytolithe in Farnen, Bodenpartikel), was schnellen Zahnverschleiß verursacht und eine hohe Ersatzrate selektiv begünstigt.
In der Elrhaz-Formation war Nigersaurus das häufigste Wirbeltier überhaupt (Sereno et al. 2007). Dies deutet entweder auf sehr große Populationen oder auf gregäres Verhalten hin – oder beides. Die Formation zeigt eine bemerkenswerte Balance zwischen Sauropoden und großen Ornithopoden (Ouranosaurus, Lurdusaurus) als Megaherbivoren, ergänzt durch den kleineren Ornithopoden Elrhazosaurus (basaler Iguanodontier, Dryosauridae). Die Prädatoren umfassten den Spinosauriden Suchomimus, den Abelisauriden Kryptops, den Carcharodontosauriden Eocarcharia und einen unbenannten Noasauriden. Daneben lebte das 12 Meter lange Krokodil Sarcosuchus, diverse kleinere Krokodylomorphen (Anatosuchus, Araripesuchus, Stolokrosuchus), Pterosaurier, Haie, Knochenfische und Schildkröten.