Paläontologisches Glossar
Terminologie und Etymologie
Die Paläontologie verwendet eine Fachsprache, die größtenteils aus dem Griechischen und Lateinischen stammt. Das Verständnis dieser Terminologie ist hilfreich für ein tieferes Verständnis der Dinosaurier. Dieses Glossar erklärt nicht nur die Bedeutung der Begriffe, sondern auch ihre sprachliche Herkunft.
Taxonomie
Clade
Griechisch: klados (Zweig, Ast).
In der Kladistik eine monophyletische Gruppe, die einen gemeinsamen Vorfahren und alle seine Nachkommen umfasst. Kladen werden durch geteilte abgeleitete Merkmale (Synapomorphien) definiert.
Verwandte Begriffe: Monophyletisch, Synapomorphie
Avialae
Latein: avis (Vogel) + ala (Flügel). Wörtlich: "Vogelflügel"
Klade, die alle Vögel und ihre nächsten fossilen Verwandten umfasst, einschließlich Archaeopteryx. Die Abgrenzung zu benachbarten Kladen (insbesondere Dromaeosauridae) ist Gegenstand laufender Debatten, da die Grenze zwischen "Vogel" und "vogelähnlichem Dinosaurier" fließend verläuft.
Verwandte Begriffe: Paraves, Maniraptora
Averostra
Latein: avis (Vogel) + rostrum (Schnauze). Wörtlich: "Vogelschnauzen"
Klade der Theropoda, die Ceratosauria und Tetanurae umfasst. Benannt nach der schmaleren, vogelähnlicheren Schnauzenform im Vergleich zu basaleren Theropoden. Enthält die meisten bekannten Raubdinosaurier sowie die Vögel.
Verwandte Begriffe: Tetanurae, Ceratosauria, Theropoda
Carnosauria
Latein: caro/carnis (Fleisch) + Griechisch: sauros (Echse). Wörtlich: "Fleischechsen"
Klade großer theropoder Raubdinosaurier innerhalb der Tetanurae. Umfasst unter anderem Allosauridae und Carcharodontosauridae — einige der größten terrestrischen Carnivoren der Erdgeschichte.
Verwandte Begriffe: Tetanurae, Theropoda
Chasmosaurinae
Griechisch: chasma (Öffnung, Kluft) + sauros (Echse).
Unterfamilie der Ceratopsidae, charakterisiert durch lange Nackenschilde und prominente Überaugenhörner. Im Gegensatz zur Schwesterfamilie Centrosaurinae (kurze Schilde, großes Nasenhorn) trugen Chasmosaurinae oft elaborierte Schildverzierungen.
Verwandte Begriffe: Marginocephalia, Ceratopsidae
Coelurosauria
Griechisch: koilos (hohl) + sauros (Echse). Wörtlich: "Hohlschwanz-Echsen"
Eine diverse Klade der Theropoda, die alle vogelartigen Dinosaurier umfasst. Charakterisiert durch hohle Knochen, verlängerte Vordergliedmaßen und oft ein Federkleid. Umfasst Tyrannosauridae, Ornithomimosauria, Maniraptora und die Vögel.
Verwandte Begriffe: Theropoda, Maniraptora
Diplodocoidea
Griechisch: diploos (doppelt) + dokos (Balken).
Überfamilie langgestreckter Sauropoden mit charakteristischen peitschenartigen Schwänzen. Umfasst unter anderem Diplodocidae und Dicraeosauridae. Ihre Schädel besaßen typischerweise stiftförmige Zähne, die auf eine spezialisierte Ernährungsstrategie (Stripping-Feeding) hindeuten.
Verwandte Begriffe: Flagellicaudata, Sauropodomorpha
Dromaeosauridae
Griechisch: dromeus (Läufer) + sauros (Echse). Wörtlich: "Laufechsen"
Familie kleiner bis mittelgroßer, gefiederter Raubdinosaurier innerhalb der Maniraptora. Charakteristisch ist die vergrößerte sichelförmige Kralle am zweiten Zeh. Populär als "Raptoren" bekannt, obwohl die Darstellung in Jurassic Park wissenschaftlich überholt ist.
Verwandte Begriffe: Maniraptora, Theropoda
Flagellicaudata
Latein: flagellum (Peitsche) + cauda (Schwanz). Wörtlich: "Peitschenschwänze"
Klade von Sauropoden, die sich durch extrem lange Schwänze mit einem peitschenartigen distalen Abschnitt (bis zu 80 Caudalwirbel) auszeichnet. Umfasst Diplodocidae und Dicraeosauridae. Die Schwanzspitze konnte möglicherweise Überschallgeschwindigkeit erreichen.
Verwandte Begriffe: Diplodocoidea, Sauropodomorpha
Lambeosaurinae
Benannt nach dem kanadischen Paläontologen Lawrence Lambe.
Unterfamilie der Hadrosauridae (Entenschnabeldinosaurier), charakterisiert durch hohle Schädelkämme, die als Resonanzkörper für die Lauterzeugung dienten. Die Kammformen variieren stark und sind diagnostisch für einzelne Gattungen.
Verwandte Begriffe: Ornithischia
Macronaria
Griechisch: makros (groß) + Latein: naris (Nasenloch). Wörtlich: "Großnasige"
Klade der Sauropoda, die Brachiosauridae und Titanosauria umfasst. Benannt nach den vergrößerten Nasenöffnungen. Zu den Macronaria gehören die meisten der wirklich gigantischen Sauropoden, darunter Brachiosaurus, Argentinosaurus und Patagotitan.
Verwandte Begriffe: Sauropodomorpha
Maniraptora
Latein: manus (Hand) + raptor (Räuber). Wörtlich: "Handräuber"
Klade der Coelurosauria, die die Vögel und ihre nächsten Verwandten umfasst. Charakterisiert durch verlängerte Vordergliedmaßen, ein halbmondförmiges Handwurzelknochen und ein entwickeltes Federkleid. Federn sind eine Synapomorphie dieser Gruppe.
Verwandte Begriffe: Coelurosauria, Dromaeosauridae
Marginocephalia
Latein: margo (Rand) + Griechisch: kephale (Kopf). Wörtlich: "Randköpfe"
Klade der Ornithischia, die Ceratopsia (Horndinosaurier) und Pachycephalosauria (Dickschädeldinosaurier) umfasst. Benannt nach dem knöchernen Rand oder Schild am hinteren Schädel, der bei beiden Gruppen — wenn auch in sehr unterschiedlicher Form — vorhanden ist.
Verwandte Begriffe: Ornithischia
Monophyletisch
Griechisch: monos (einzeln, allein) + phylon (Stamm). Wörtlich: "von einem Stamm"
Bezeichnet eine Gruppe von Organismen, die einen gemeinsamen Vorfahren hat und alle Nachkommen dieses Vorfahren einschließt. Im Gegensatz dazu stehen paraphyletische Gruppen (die nicht alle Nachkommen einschließen) und polyphyletische Gruppen (die keinen exklusiven gemeinsamen Vorfahren haben).
Verwandte Begriffe: Clade, Phylogenetik
Paraves
Latein: para (neben) + aves (Vögel). Wörtlich: "Neben den Vögeln"
Klade innerhalb der Maniraptora, die Dromaeosauridae, Troodontidae und Avialae (einschließlich aller Vögel) umfasst. Die Mitglieder besaßen typischerweise asymmetrische Federn und zeigen den fließenden Übergang zwischen "Raptoren" und Vögeln. Die genaue Phylogenie innerhalb der Paraves ist stark debattiert.
Verwandte Begriffe: Avialae, Dromaeosauridae, Maniraptora
Ornithischia
Griechisch: ornis/ornithos (Vogel) + ischion (Hüfte). Wörtlich: "Vogelhüftige"
Eine der beiden Hauptkladen der Dinosaurier, charakterisiert durch ein vogelähnliches Becken mit nach hinten gerichtetem Schambein. Paradoxerweise stammen die Vögel nicht von ihnen ab. Umfasst u.a. Thyreophora, Ornithopoda und Marginocephalia.
Verwandte Begriffe: Saurischia, Thyreophora
Pterodactyloidea
Griechisch: pteron (Flügel) + daktylos (Finger). Wörtlich: "Flügelfinger"
Unterordnung der fortschrittlicheren Pterosauria (Flugsaurier). Im Vergleich zu basaleren Flugsauriern besaßen sie kürzere Schwänze, längere Metacarpalia und oft größere Körpermaße. Umfasst unter anderem Pteranodon und Quetzalcoatlus.
Verwandte Begriffe: Theropoda
Tetanurae
Griechisch: tetanos (steif) + oura (Schwanz). Wörtlich: "Steifschwänze"
Klade der Theropoda, benannt nach dem versteiften Schwanz durch ineinandergreifende Wirbelfortsätze. Umfasst Carnosauria, Coelurosauria und damit letztlich auch alle Vögel. Nahezu alle bekannten mittelgroßen bis großen Raubdinosaurier gehören zu den Tetanurae.
Verwandte Begriffe: Averostra, Theropoda
Thyreophora
Griechisch: thyreos (Schild) + phora (Träger). Wörtlich: "Schildträger"
Klade gepanzerter Dinosaurier innerhalb der Ornithischia. Umfasst Stegosauria (mit Rückenplatten und Schwanzstacheln) und Ankylosauria (mit Ganzkörperpanzerung und teils Schwanzkeule). Alle Thyreophora waren obligate Herbivoren und Quadrupeden.
Verwandte Begriffe: Ornithischia, Osteoderme
Saurischia
Griechisch: sauros (Echse) + ischion (Hüfte). Wörtlich: "Echsenhüftige"
Eine der beiden Hauptkladen der Dinosaurier mit einem echsentypischen Becken. Umfasst die Theropoda (inklusive Vögel) und Sauropodomorpha. Entgegen der Benennung sind die Vögel die einzigen überlebenden Saurischia.
Verwandte Begriffe: Ornithischia, Theropoda
Sauropodomorpha
Griechisch: sauros (Echse) + pous/podos (Fuß) + morphe (Gestalt). Wörtlich: "Echsenfuß-Gestaltige"
Klade der überwiegend herbivoren Saurischia. Umfasst die Prosauropoden sowie die Sauropoden mit ihren charakteristischen langen Hälsen und Schwänzen. Beinhaltet die größten bekannten Landtiere der Erdgeschichte.
Verwandte Begriffe: Saurischia, Sauropoda
Taxon
Griechisch: taxis (Ordnung, Anordnung). Plural: Taxa.
Eine benannte Einheit der biologischen Systematik beliebigen Rangs. Ein Taxon kann eine Art (Tyrannosaurus rex), eine Gattung (Tyrannosaurus), eine Familie (Tyrannosauridae) oder jede andere taxonomische Einheit sein. In der Paläontologie ist die korrekte taxonomische Zuordnung oft umstritten, da fragmentarisches Fossilmaterial die Abgrenzung von Taxa erschwert.
Verwandte Begriffe: Clade, Monophyletisch, Synapomorphie
Synapomorphie
Griechisch: syn (zusammen) + apo (weg von) + morphe (Gestalt). Wörtlich: "gemeinsames abgeleitetes Merkmal"
Ein evolutionär abgeleitetes Merkmal, das von allen Mitgliedern einer Klade geteilt wird und diese definiert. Beispiel: Federn sind eine Synapomorphie der Maniraptora.
Verwandte Begriffe: Clade, Phylogenetik
Theropoda
Griechisch: therion (wildes Tier) + pous/podos (Fuß). Wörtlich: "Tierfüßer"
Klade der bipedalen, überwiegend carnivoren Saurischia. Umfasst alle Raubdinosaurier sowie die Vögel (Aves) als einzige rezente Vertreter. Charakteristische Merkmale sind hohle Knochen, dreizehige Füße und oft reduzierte Vordergliedmaßen.
Verwandte Begriffe: Saurischia, Coelurosauria
Anatomie
Dentale
Latein: dens/dentis (Zahn) + -ale (zugehörig).
Der zahntragende vordere Knochen des Unterkiefers. Bei Dinosauriern ist das Dentale oft der am besten erhaltene Kieferknochen und liefert wichtige Informationen über Zahnmorphologie und Ernährungsweise. Zusammen mit Prämaxilla und Maxilla bildet es das funktionale Gebiss.
Verwandte Begriffe: Prämaxilla, Maxilla
Deltopectoralkamm
Griechisch/Latein: deltoides (dreieckig) + pectoralis (zur Brust gehörig).
Knöcherne Leiste am proximalen Humerus (Oberarmknochen), an der die Brustmuskulatur ansetzt. Bei Flugsauriern und flugfähigen Vögeln besonders stark ausgeprägt, da hier die Flugmuskulatur inseriert. Auch bei nicht-flugfähigen Theropoden diagnostisch relevant.
Verwandte Begriffe: Furcula
Furcula
Latein: furcula (kleine Gabel), Diminutiv von furca (Gabel).
Das verschmolzene Schlüsselbein, auch als "Wunschknochen" bekannt. Bei Theropoden als wichtiges phylogenetisches Merkmal und bei rezenten Vögeln für die Flugmechanik relevant. Ein weiterer Beleg für die Verwandtschaft von Dinosauriern und Vögeln.
Verwandte Begriffe: Theropoda
Gastralia
Griechisch/Latein: gaster (Bauch) + -alia (zugehörig). Wörtlich: "Bauchrippen"
Dermale Knochenelemente im Bauchbereich vieler Archosaurier. Sie stützten die Bauchmuskulatur und unterstützten möglicherweise die Atmung. Bei Theropoden besonders gut entwickelt, fehlen bei modernen Vögeln.
Verwandte Begriffe: Theropoda
Holotyp
Griechisch: holos (ganz) + typos (Abdruck, Gestalt).
Das einzelne Exemplar (Fossil), auf dem die wissenschaftliche Erstbeschreibung einer Art basiert und das als nomenklatorischer Referenzpunkt dient. Alle späteren Funde werden mit dem Holotyp verglichen, um die Artzugehörigkeit zu prüfen. Bei vielen Dinosauriern ist der Holotyp leider unvollständig.
Integument
Latein: integumentum (Bedeckung, Hülle).
Die äußere Körperbedeckung eines Organismus. Bei Dinosauriern umfasst dies Schuppen, Federn, Stacheln und Hautstrukturen. Fossilisierte Integumente sind selten, liefern aber wichtige Informationen über Aussehen, Thermoregulation und Verhalten. Die Yixian-Formation ist berühmt für Integument-Erhaltung.
Verwandte Begriffe: Maniraptora, Yixian Formation
Maxilla
Latein: maxilla (Oberkiefer, Kinnlade).
Der zahntragende Hauptknochen des Oberkiefers. Bildet zusammen mit der Prämaxilla die obere Zahnreihe. Form und Bezahnung der Maxilla sind wichtige diagnostische Merkmale in der Dinosaurier-Taxonomie.
Verwandte Begriffe: Prämaxilla, Dentale
Melanosomen
Griechisch: melas (schwarz) + soma (Körper).
Zellorganellen, die Melanin-Pigmente enthalten. In fossilen Federn können Melanosomen erhalten bleiben und ermöglichen die Rekonstruktion der Färbung ausgestorbener Dinosaurier. Unterschiedliche Formen entsprechen verschiedenen Farben (rund = schwarz/grau, länglich = braun/rötlich).
Verwandte Begriffe: Integument, Yixian Formation
Nasoantorbitalfenestra
Latein: nasus (Nase) + ante (vor) + orbita (Augenhöhle) + fenestra (Fenster).
Eine große, verschmolzene Schädelöffnung, die bei Pterosauriern die Nasenöffnung und das Antorbitalfenster (die Öffnung vor der Augenhöhle) vereint. Diese Verschmelzung ist ein diagnostisches Merkmal der Pterodactyloidea und reduzierte das Schädelgewicht.
Osteoderme
Griechisch: osteon (Knochen) + derma (Haut). Wörtlich: "Hautknochen"
In der Haut eingebettete Knochenplatten, die als Panzerung dienen. Besonders charakteristisch für Ankylosauria und Thyreophora, aber auch bei manchen Sauropoden vorhanden. Entstehen unabhängig vom Skelett durch Ossifikation in der Dermis.
Verwandte Begriffe: Thyreophora, Ankylosauria
Pleurocoele
Griechisch: pleura (Seite) + koilos (hohl). Wörtlich: "seitliche Höhlung"
Seitliche Vertiefungen oder Hohlräume in Wirbeln, die auf das Eindringen von Luftsäcken in den Knochen hinweisen. Bei Sauropoden und Theropoden in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden (Fossae, Camerae, Camellae). Ihre Morphologie erlaubt Rückschlüsse auf das Ausmaß der Pneumatisierung.
Verwandte Begriffe: Pneumatisierung
Pneumatisierung
Griechisch: pneuma (Luft, Hauch) + -isierung (Prozess).
Die Ausbildung luftgefüllter Hohlräume in Knochen, die mit dem Atmungssystem verbunden sind. Bei Theropoden und Sauropoden weit verbreitet, reduzierte das Skelettgewicht erheblich. Wird als Anpassung an hohe Stoffwechselraten interpretiert.
Verwandte Begriffe: Theropoda, Sauropodomorpha
Prämaxilla
Latein: prae (vor) + maxilla (Oberkiefer).
Der vorderste Knochen des Oberkiefers, der bei vielen Dinosauriern die vorderen Zähne trägt. Bei Ornithischia oft zahnlos und mit einem Keratinschnabel (Rhamphotheca) bedeckt. Form und Bezahnung der Prämaxilla sind wichtige taxonomische Merkmale.
Verwandte Begriffe: Maxilla, Dentale, Rhamphotheca
Rhamphotheca
Griechisch: rhamphos (Schnabel) + theke (Hülle, Scheide).
Die keratinöse Schnabelscheide, die bei vielen Dinosauriern die Prämaxilla und/oder das Dentale bedeckte. Da Keratin selten fossilisiert, ist die Rhamphotheca meist nur indirekt durch Gefäßfurchen und Oberflächentexturen am Knochen nachweisbar. Vorhanden bei Ornithischia, Ornithomimosauria und Oviraptorosauria.
Verwandte Begriffe: Prämaxilla
Squamosal
Latein: squama (Schuppe) + -ale (zugehörig).
Schädelknochen im hinteren seitlichen Bereich des Schädels. Bei Ceratopsia bildet das Squamosal zusammen mit dem Parietale den charakteristischen Nackenschild. Form und Verzierung des Squamosale sind bei Ceratopsiern wichtige Artbestimmungsmerkmale.
Verwandte Begriffe: Marginocephalia
Ungual
Latein: unguis (Klaue, Nagel).
Das endständige Zehenglied (Phalanx), das den knöchernen Kern einer Kralle bildet. Die Keratinscheide, die den Ungual im Leben bedeckte, vergrößerte die effektive Kralle erheblich. Bei Dromaeosauridae ist der stark vergrößerte, sichelförmige Ungual des zweiten Zehs diagnostisch.
Verwandte Begriffe: Dromaeosauridae
Zahnmorphologie
Edentulär
Latein: e- (ohne) + dens/dentis (Zahn). Wörtlich: "zahnlos"
Zahnlos. Sekundäre Zahnlosigkeit entwickelte sich bei mehreren Dinosaurierlinien unabhängig voneinander, darunter Ornithomimosauria, Oviraptorosauria und die Vögel. Die Zähne wurden funktional durch eine Rhamphotheca (Hornschnabel) ersetzt.
Verwandte Begriffe: Rhamphotheca
Polyphyodontie
Griechisch: polys (viel) + phyein (wachsen) + odous/odontos (Zahn).
Kontinuierlicher Zahnersatz über die gesamte Lebensdauer. Im Gegensatz zu Säugetieren (Diphyodontie: nur ein Zahnwechsel) ersetzten Dinosaurier ihre Zähne ständig. Die Ersatzrate variierte stark — von ca. 34 Tagen bei Diplodocus bis ca. 92 Tagen bei Giraffatitan.
Serratiert
Latein: serra (Säge).
Mit feinen sägezahnartigen Zacken (Dentikel) versehen. Serratierte Zahnkanten ermöglichten Theropoden ein effizientes Durchschneiden von Fleisch und Knochen. Größe und Dichte der Dentikel variieren zwischen Taxa und sind taxonomisch diagnostisch.
Verwandte Begriffe: Ziphodont
Ziphodont
Griechisch: xiphos (Schwert) + odous/odontos (Zahn).
Zahnmorphologie, bei der die Zähne seitlich abgeflacht (lateral komprimiert), nach posterior gebogen (recurved) und an den Schneidkanten serratiert sind. Typisch für die meisten carnivoren Theropoden. Die ziphodonte Zahnmorphologie konvergiert bei verschiedenen Raubdinosaurier-Linien.
Verwandte Begriffe: Serratiert
Geologie
Formation
Latein: formatio (Gestaltung, Bildung).
In der Geologie eine kartierbare lithostratigraphische Einheit mit einheitlichen Gesteinseigenschaften. Formationen werden oft nach ihrem Fundort benannt (z.B. Hell Creek Formation, Morrison Formation). Sie bilden die Grundlage für die zeitliche Einordnung von Fossilien.
Verwandte Begriffe: Stratigraphie
Hell Creek Formation
Benannt nach Hell Creek in Montana, USA.
Oberkreidezeitliche Formation (68-66 Mio. Jahre) in Montana, North Dakota und South Dakota. Eine der bedeutendsten Fundstellen für spätkreidezeitliche Dinosaurier, darunter Tyrannosaurus rex, Triceratops und Edmontosaurus. Enthält auch die K-Pg-Grenze.
Verwandte Begriffe: K-Pg-Grenze, Formation
K-Pg-Grenze
K von Kreide (lateinisch: Creta), Pg von Paläogen. Früher als K-T-Grenze bezeichnet (T für Tertiär).
Die geologische Grenzschicht zwischen Kreide und Paläogen, datiert auf vor 66 Millionen Jahren. Markiert das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit, bei dem etwa 75% aller Arten ausstarben, darunter alle nicht-avianen Dinosaurier. Global erkennbar an einer Iridium-Anomalie.
Verwandte Begriffe: Stratigraphie, Chicxulub-Krater
Morrison Formation
Benannt nach Morrison, Colorado, USA.
Oberjurassische Formation (155-148 Mio. Jahre) im westlichen Nordamerika. Berühmt für ihre Sauropoden-Funde (Brachiosaurus, Diplodocus, Apatosaurus) und Theropoden (Allosaurus). Eine der ergiebigsten Dinosaurier-Fundstellen weltweit.
Verwandte Begriffe: Formation, Stratigraphie
Radiometrische Datierung
Latein: radius (Strahl) + Griechisch: metron (Maß).
Absolute Datierungsmethode basierend auf dem Zerfall radioaktiver Isotope. Ermöglicht die Bestimmung des numerischen Alters von Gesteinen und damit indirekt von Fossilien. Verschiedene Isotopensysteme (z.B. U-Pb, K-Ar) sind für unterschiedliche Zeiträume geeignet.
Verwandte Begriffe: Stratigraphie
Solnhofen
Benannt nach der Gemeinde Solnhofen in Bayern, Deutschland.
Oberjurassische Plattenkalke (150 Mio. Jahre) in Bayern. Fundort des Archaeopteryx, des berühmtesten Übergangsfossils zwischen Dinosauriern und Vögeln. Die feinkörnigen Kalke ermöglichten die Erhaltung feinster Details wie Federabdrücke.
Verwandte Begriffe: Formation, Maniraptora
Stratigraphie
Latein: stratum (Schicht) + Griechisch: graphein (schreiben). Wörtlich: "Schichtenschreibung"
Die Wissenschaft von der Abfolge und Datierung von Gesteinsschichten. Basiert auf dem Prinzip der Superposition: Tieferliegende Schichten sind älter als darüberliegende. Grundlegend für die Altersbestimmung von Fossilien.
Verwandte Begriffe: Formation, Radiometrische Datierung
Yixian Formation
Benannt nach dem Kreis Yixian in der Provinz Liaoning, China.
Unterkreidezeitliche Formation (125-121 Mio. Jahre) in Nordostchina. Weltberühmt für außergewöhnlich erhaltene gefiederte Dinosaurier wie Sinosauropteryx, Microraptor und frühe Vögel. Die feinen Sedimente ermöglichten die Erhaltung von Weichteilen wie Federn und Hautstrukturen.
Verwandte Begriffe: Formation, Maniraptora
Geologische Stufen
Kimmeridgium
Benannt nach Kimmeridge Bay in Dorset, England.
Stufe des Oberen Jura, ca. 157,3–152,1 Mio. Jahre. Zusammen mit dem folgenden Tithonium die Blütezeit der Sauropoden in der Morrison-Formation. Brachiosaurus und Diplodocus lebten im Kimmeridgium.
Verwandte Begriffe: Tithonium, Stratigraphie
Tithonium
Benannt nach Tithonos, einer Figur der griechischen Mythologie.
Die jüngste Stufe des Oberen Jura, ca. 152,1–145,0 Mio. Jahre. Bildet zusammen mit dem Kimmeridgium den Zeitraum der Morrison-Formation. Am Ende des Tithonium beginnt der Übergang in die Kreidezeit.
Verwandte Begriffe: Kimmeridgium, Stratigraphie
Cenomanium
Benannt nach Cenomanum, dem lateinischen Namen für Le Mans, Frankreich.
Stufe der Oberen Kreide, ca. 100,5–93,9 Mio. Jahre. Zeitraum, in dem unter anderem Spinosaurus in Nordafrika lebte. Geprägt von hohem Meeresspiegel und warmem Klima.
Verwandte Begriffe: Stratigraphie
Campanium
Benannt nach der Campania-Region in Italien.
Stufe der Oberen Kreide, ca. 83,6–72,1 Mio. Jahre. Zeitraum großer Dinosaurier-Diversität, in dem unter anderem Parasaurolophus und viele Ceratopsier lebten. Nordamerika war zu dieser Zeit durch den Western Interior Seaway in zwei Teilkontinente (Laramidia und Appalachia) geteilt.
Verwandte Begriffe: Maastrichtium, Stratigraphie
Maastrichtium
Benannt nach Maastricht in den Niederlanden.
Die letzte Stufe der Kreidezeit, ca. 72,1–66,0 Mio. Jahre. Endete mit dem K-Pg-Massenaussterben. In dieser Zeit lebten Tyrannosaurus, Triceratops, Ankylosaurus und Pachycephalosaurus — die letzten nicht-avianen Dinosaurier.
Verwandte Begriffe: K-Pg-Grenze, Campanium, Stratigraphie
Biologie
Allometrie
Griechisch: allos (anders) + metron (Maß).
Die Untersuchung, wie sich Körperproportionen mit der Körpergröße verändern. Größere Tiere sind nicht einfach "hochskalierte" Versionen kleinerer Tiere — ihre Proportionen verschieben sich systematisch (z.B. relativ dickere Beinknochen bei größerer Masse). In der Paläontologie genutzt, um von bekannten Knochenmaßen auf Körpergröße oder -masse zu schließen.
Cursorialität
Latein: cursor (Läufer).
Anpassung an schnelles Laufen. Cursoriale Merkmale umfassen verlängerte distale Beinelemente (Tibia, Metatarsalia), reduzierte Zehenzahl und leichte Knochenstruktur. Ausgeprägt bei Ornithomimosauria und vielen kleinen Theropoden; reduziert bei graviportalen Sauropoden.
Verwandte Begriffe: Allometrie
Diagenese
Griechisch: dia (durch) + genesis (Entstehung).
Die chemischen und physikalischen Veränderungen, die ein Sediment (und darin eingebettete Fossilien) nach der Ablagerung durchläuft. Diagenetische Prozesse können ursprüngliche biologische Signale in Fossilien (z.B. Isotopenverhältnisse, organische Moleküle) verfälschen — ein zentrales Problem bei der Interpretation geochemischer Daten.
Verwandte Begriffe: Taphonomie
Endothermie
Griechisch: endon (innen) + therme (Wärme).
Die Fähigkeit, die Körpertemperatur durch innere Stoffwechselprozesse aufrechtzuerhalten ("Warmblütigkeit"). Das Gegenteil ist Ektothermie (Abhängigkeit von externer Wärmezufuhr). Die Frage, ob Dinosaurier endotherm, ektotherm oder mesotherm (Zwischenform) waren, ist eine der zentralen Debatten der Paläophysiologie.
Verwandte Begriffe: Pneumatisierung
Fakultativ
Latein: facultas (Fähigkeit, Möglichkeit).
"Gelegentlich" oder "optional" — im Gegensatz zu "obligat" (ausschließlich). Ein "fakultativer Biped" konnte sowohl auf zwei als auch auf vier Beinen laufen; ein "fakultativer Omnivor" fraß gelegentlich auch tierische Nahrung, war aber primär Pflanzenfresser.
Verwandte Begriffe: Obligat
Histologie
Griechisch: histos (Gewebe) + logos (Lehre).
Die Untersuchung von Gewebestrukturen unter dem Mikroskop. In der Paläontologie ermöglicht die Knochenhistologie Rückschlüsse auf Wachstumsraten, Alter, Stoffwechsel und Reifestadium eines Individuums anhand von Dünnschliffen fossiler Knochen.
Verwandte Begriffe: Ontogenese
LAG
Englisch: Lines of Arrested Growth (Wachstumsstillstandslinien).
Konzentrische Linien in Knochenquerschnitten, die — analog zu Jahresringen bei Bäumen — periodische Wachstumspausen anzeigen. Durch Zählung der LAGs kann das Individualalter eines Dinosauriers geschätzt werden. Die Methode setzt voraus, dass jede LAG einem Jahr entspricht, was nicht immer gesichert ist.
Verwandte Begriffe: Histologie, Ontogenese
Nischenpartitionierung
Englisch: niche partitioning.
Die Aufteilung ökologischer Ressourcen zwischen koexistierenden Arten, die Konkurrenz reduziert. In der Morrison-Formation beispielsweise bedienten Diplodocus (bodennahe Vegetation), Camarasaurus (mittlere Höhen) und Brachiosaurus (Baumkronen) unterschiedliche Nahrungshöhen — ein klassisches Beispiel vertikaler Nischenpartitionierung.
Verwandte Begriffe: Paläoökologie
Obligat
Latein: obligare (verpflichten, binden).
"Ausschließlich" oder "zwingend" — im Gegensatz zu "fakultativ" (gelegentlich). Ein "obligater Herbivor" ernährte sich ausschließlich pflanzlich, ein "obligater Quadrupede" konnte sich nur vierbeinig fortbewegen.
Verwandte Begriffe: Fakultativ
Ontogenese
Griechisch: on/ontos (das Seiende) + genesis (Entstehung).
Die Individualentwicklung eines Organismus vom Ei bis zum ausgewachsenen Tier. In der Paläontologie ist die Ontogenese wichtig, weil Dinosaurier in verschiedenen Wachstumsstadien sehr unterschiedlich aussehen konnten — manche vermeintlich eigenständige Arten (z.B. Dracorex, Stygimoloch) könnten juvenile Formen anderer Gattungen sein.
Verwandte Begriffe: Histologie
Ovipar
Latein: ovum (Ei) + parere (gebären). Wörtlich: "eiergebärend"
Sich durch Eiablage fortpflanzend. Alle bekannten Dinosaurier waren ovipar — sie legten hartschalige Eier, die extern bebrütet wurden. Direkte Belege sind Eierschalen, Nester und in seltenen Fällen embryonale Fossilien.
Methodik
Cladistik
Griechisch: klados (Zweig, Ast).
Methode der biologischen Systematik, die Organismen ausschließlich nach gemeinsamen abgeleiteten Merkmalen (Synapomorphien) gruppiert. Entwickelt von Willi Hennig (1966). Hat die Klassifikation der Dinosaurier revolutioniert und führte zur Erkenntnis, dass Vögel lebende Dinosaurier sind.
Verwandte Begriffe: Phylogenetik, Synapomorphie, Monophyletisch
Paläoökologie
Griechisch: palaios (alt) + oikos (Haus) + logos (Lehre). Wörtlich: "Lehre von der alten Umwelt"
Die Rekonstruktion ökologischer Beziehungen in der geologischen Vergangenheit. Analysiert Nahrungsnetze, Lebensräume, Klimabedingungen und Interaktionen zwischen Organismen auf Basis fossiler und geochemischer Evidenz.
Verwandte Begriffe: Taphonomie, Stratigraphie
Phylogenetik
Griechisch: phylon (Stamm) + genesis (Entstehung). Wörtlich: "Stammesentstehung"
Die Wissenschaft von den stammesgeschichtlichen Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Organismen. Rekonstruiert evolutionäre Bäume (Phylogenien) basierend auf morphologischen und/oder molekularen Daten. Bei Dinosauriern hauptsächlich auf morphologischen Merkmalen basierend.
Verwandte Begriffe: Cladistik, Synapomorphie
Finite-Elemente-Analyse (FEA)
Englisch: Finite Element Analysis.
Computergestützte Methode zur Simulation mechanischer Belastungen. In der Paläontologie eingesetzt, um Bisskräfte, die Belastbarkeit von Schädeln und Knochen, sowie die Funktion anatomischer Strukturen (z.B. Schwanzkeule von Ankylosaurus, Schädelkuppel von Pachycephalosaurus) zu modellieren.
Paraphyletisch
Griechisch: para (neben) + phylon (Stamm).
Bezeichnet eine Gruppe, die zwar einen gemeinsamen Vorfahren hat, aber nicht alle dessen Nachkommen einschließt. Beispiel: "Reptilien" im traditionellen Sinne sind paraphyletisch, weil sie die Vögel ausschließen, obwohl diese von Dinosauriern (also "Reptilien") abstammen. In der modernen Systematik werden paraphyletische Gruppen vermieden.
Verwandte Begriffe: Monophyletisch, Cladistik
Taphonomie
Griechisch: taphos (Grab) + nomos (Gesetz). Wörtlich: "Gesetze des Begrabens"
Die Wissenschaft von den Prozessen, die zwischen dem Tod eines Organismus und seiner Entdeckung als Fossil ablaufen. Umfasst Verwesung, Einbettung, Diagenese und Verwitterung. Essentiell für das Verständnis von Fossilisationspotenzial und Erhaltungsbedingungen.
Paläogeografie
Laramidia
Benannt nach der Laramie-Formation in Wyoming, USA.
Der westliche Teilkontinent Nordamerikas während der Oberen Kreide (ca. 100–66 Mio. Jahre). Durch den Western Interior Seaway — ein flaches Binnenmeer, das Nordamerika von Nord nach Süd teilte — vom östlichen Teilkontinent Appalachia getrennt. Die meisten nordamerikanischen Kreide-Dinosaurier (Tyrannosaurus, Triceratops, Ankylosaurus) lebten auf Laramidia.
Verwandte Begriffe: Western Interior Seaway
Western Interior Seaway
Englisch: Westlicher Innerer Seeweg.
Ein flaches Epikontinentalmeer, das während der Oberen Kreide Nordamerika von der Arktis bis zum Golf von Mexiko teilte. Trennte den Kontinent in Laramidia (Westen) und Appalachia (Osten) und beeinflusste die Evolution der Dinosaurier durch geografische Isolation erheblich.
Verwandte Begriffe: Laramidia, Paläoökologie