Kannibalismus und Ernaehrungsoekologie
Der wohl bekannteste Aspekt von Majungasaurus ist der Kannibalismus-Nachweis. Rogers et al. (2003, Nature) dokumentierten Zahnmarken auf Majungasaurus-Knochen, die in Groesse, Spacing und Morphologie ausschliesslich zu den Zaehnen von Majungasaurus selbst passen. Da in der Maevarano-Fauna kein weiterer grosser Theropode nachgewiesen ist, bleibt intraspezifisches Feeding die einzige plausible Erklaerung. Dies war der erste belastbare Nachweis fuer Kannibalismus bei einem nicht-aviaeren Theropoden.
Ob es sich um aktive Praedation auf Artgenossen oder um Nekrophagie (Fressen bereits toter Tiere) handelte, laesst sich aus dem Spurenfossil-Befund nicht unterscheiden. Die semiariden Bedingungen der Maevarano-Formation — saisonale Trockenperioden — koennten Nahrungsknappheit und damit opportunistischen Kannibalismus beguenstigt haben.
Die geschaetzte Beisskraft von ~7.845 N (Lautenschlager et al. 2022, ppCSA-Methode) liegt deutlich unter der von Tyrannosauridae, ist aber fuer einen Theropoden dieser Groesse beachtlich. Die Unsicherheit der Schaetzung betraegt allerdings ±30 Prozent — es handelt sich um ein Modell, nicht um einen direkten Messwert.