Hyperelongierte Neuralfortsätze: Segel statt Stacheln
Das auffälligste Merkmal sind die bifurzierten (gegabelten) Neuralfortsätze, die ab dem 3. Halswirbel als zwei parallele Reihen nach oben ragen. Der höchste Fortsatz sitzt am 8. Halswirbel und misst rund 60 cm. Im Querschnitt sind sie kreisförmig und verjüngen sich zu den Spitzen hin (Salgado & Bonaparte 1991, Ameghiniana 28(3–4): 333–346).
Die Frage, ob diese Strukturen freistehende, keratinbedeckte Stacheln oder das Gerüst eines Hautsegels waren, durchlief drei Phasen: Salgado & Bonaparte favorisierten zunächst ein Segel (1991), revidierten dies 1999 zugunsten von Keratinstacheln. Gallina, Apesteguía, Canale & Haluza (2019, Scientific Reports 9: 1392) stützten die Stachel-Hypothese mit der Beschreibung von Bajadasaurus pronuspinax und schlugen eine Verteidigungsfunktion vor. Den bisher überzeugendsten Beitrag lieferten Cerda, Novas, Carballido & Salgado (2022, Journal of Anatomy 240(6): 1005–1019): Ihre osteohistologische Untersuchung zeigte Sharpey-Fasern an den Insertionsstellen, die auf ein System interspinöser Ligamente hinweisen, bedeckt von Integument – ein prominentes Segel. Für Keratinscheiden fanden sie keine histologischen Belege.
Die Funktion des Segels bleibt offen. Diskutiert werden Thermoregulation, innerartliche Signalwirkung (Display) und artspezifische Erkennung. Eine primäre Verteidigungsfunktion, wie sie Gallina et al. für Bajadasaurus vorschlugen, ist für Amargasaurus nach den histologischen Befunden weniger plausibel. Wichtig: Die Stacheln von Bajadasaurus krümmen sich nach vorne, die von Amargasaurus zeigen nach hinten/oben – der Aufbau unterscheidet sich grundlegend.