Ernährung — vier Beutetypen, ein Generalist
Microraptor ist in der seltenen Position, dass sein Ernährungsspektrum direkt durch Mageninhalte belegt ist — und zwar durch vier verschiedene Beutetypen, was unter nicht-avialen Dinosauriern ohne Vergleich ist.
2011 publizierten O'Connor et al. den Fund eines nahezu unverdauten Enantiornithinen-Skeletts im Bauchraum eines Microraptor-Exemplars (IVPP V17972) — der erste direkte Nachweis, dass ein nicht-avialer Dinosaurier Vögel fraß (O'Connor et al. 2011, PNAS 108: 19662–19665). 2013 dokumentierten Xing et al. Teleostei-Fischknochen im Magenbereich (Xing et al. 2013, Evolution 67: 2441–2445). Im selben Zeitraum und 2019 kamen Eidechsen hinzu — darunter die neu beschriebene Art Indrasaurus wangi, die weitgehend komplett und artikuliert erhalten war, was auf Verschlucken ganzer Beute kopfvoran hindeutet (O'Connor et al. 2019, Current Biology 29: R463–R464). 2022 lieferte der Fund eines mausgroßen Säugetierfußes im Abdomen den letzten Puzzlestein (Hone et al. 2022, JVP 42: e2144337).
Ob Microraptor ausschließlich aktiv jagte oder gelegentlich auch Aas verwertete, lässt sich aus den Mageninhalten nicht eindeutig ableiten.