Die Kannibalismus-Kontroverse
Wenige Dinosaurier-Mythen hatten ein so langes Leben wie der angebliche Kannibalismus von Coelophysis. Edwin Colbert selbst interpretierte die kleinen Knochen in den Bauchräumen erwachsener Exemplare als gefressene Jungtiere – eine These, die über Jahrzehnte in Lehrbüchern und Dokumentarfilmen verbreitet wurde.
Die Widerlegung kam in zwei Stufen. Gay (2002) erkannte, dass die vermeintlichen Jungtiere anatomische Merkmale trugen, die nicht zu Coelophysis passten, und dass in einigen Fällen einfach kleinere über größere Individuen zerdrückt worden waren. Die definitive Widerlegung lieferten Nesbitt, Turner, Erickson & Norell (2006, Biol. Lett. 2(4): 611–614): Die „Mageninhalte" besaßen keinerlei Synapomorphien von Theropoda oder Dinosauria – stattdessen zeigten sie ein geschlossenes Acetabulum und eine kondyläre Falte am Femur, beides Merkmale von Crocodylomorpha (wahrscheinlich Hesperosuchus). Die Knochenhistologie bestätigte: Das vermeintliche „Jungtier" wuchs wie ein Krokodylomorph, nicht wie ein Dinosaurier.
Gay (2010) ergänzte einen weiteren Beweis: Das Gesamtvolumen der im Thorax von AMNH 7224 gefundenen Knochen war 17-mal größer als das maximal mögliche Magenvolumen – ein physikalisch unmöglicher Mageninhalt. Zudem fanden sich weder Bissspuren noch Magensäure-Ätzungen an den Knochen.