
Concavenator corcovatus
Der bucklige Jäger aus Spanien – mit Vogelfüßen und einer großen Feder-Debatte
Ein Dinosaurier voller Rätsel
In Zentralspanien, in der Provinz Cuenca, liegt eine der wichtigsten Fossilfundstellen Europas: Las Hoyas. Dort wurde 2003 ein nahezu vollständiges Dinosaurierskelett entdeckt, das 2010 in der Fachzeitschrift Nature vorgestellt wurde: Concavenator corcovatus – der „bucklige Jäger aus Cuenca".
Was Concavenator so besonders macht, sind drei Merkmale, die Forscher weltweit in Aufregung versetzten: ein einzigartiger spitzer Buckel auf dem Rücken, rätselhafte Knoten auf dem Unterarmknochen (die vielleicht von Federn stammen!) und vogelartige Fußschuppen, wie man sie vorher bei keinem nicht-fliegenden Dinosaurier gefunden hatte.
Concavenator lebte vor rund 125–129 Millionen Jahren in einem subtropischen Sumpfgebiet und war dort der größte Raubdinosaurier – der Apex-Prädator seiner Umgebung.
Anatomie – Gebaut zum Jagen
Der Rückenbuckel
Das auffälligste Merkmal: Die Dornfortsätze des 11. und 12. Rückenwirbels sind mehr als doppelt so hoch wie die der benachbarten Wirbel. Das ergibt einen spitzen, isolierten Buckel – kein durchgehendes Segel wie bei Spinosaurus! Was der Buckel trug, ist unbekannt: vielleicht einen Fleischhöcker, eine dünne Hautmembran oder eine Struktur zur Arterkennung.
Federn oder keine Federn?
Auf der Ulna (dem Unterarmknochen) gibt es eine Reihe kleiner Knoten. Die Entdecker interpretierten sie als „Quill Knobs" – Ansatzstellen für Federn, wie bei modernen Vögeln. Andere Forscher (Foth et al. 2014) meinten, es seien Muskelnarben. 2015 zeigte ein Team, dass die Knoten an der gleichen Stelle sitzen wie bei Moorhühnern. Die Debatte ist bis heute nicht entschieden!
Vogelfüße bei einem Raubdinosaurier
2015 beschrieben Forscher die Fußschuppen von Concavenator – und stellten fest: Sie sehen aus wie bei heutigen Vögeln! Drei verschiedene Schuppentypen auf den Zehen (Skuten, Skutellen, interstitielle Schuppen) plus Sohlenpolster. Es war das erste Mal, dass solche „Vogelfüße" bei einem nicht-fliegenden Dinosaurier nachgewiesen wurden.
Kopf und Zähne
Der Schädel ist einer der am besten erhaltenen unter den Carcharodontosauria. Die Zähne waren seitlich abgeflacht mit fein gezahnten Schneidkanten – perfekt zum Schneiden und Reißen von Fleisch. Der Oberschenkelknochen war etwa 1 Meter lang.

Größenvergleich
Leben und Verhalten
Ernährung: Fleischfresser
Concavenator war ein reiner Fleischfresser. Seine scharfen, gezahnten Zähne waren perfekt für das Schneiden und Reißen von Fleisch geeignet.
Im Las-Hoyas-Sumpfgebiet jagte er vermutlich mittelgroße Pflanzenfresser, den Ornithomimosaurier Pelecanimimus, Fische und kleinere Reptilien.
Apex-PrädatorLebensraum: Subtropischer Sumpf
Las Hoyas war vor ~125–129 Millionen Jahren ein subtropisches Feuchtgebiet – ein Süßwassersee mit saisonalen Trocken- und Regenzeiten. Insgesamt sind dort 201 Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen!
Neben Concavenator lebten dort frühe Vögel (Iberomesornis), Krokodile, Fische (über 4.000 Fischfossilien!) und viele Insekten.
FeuchtgebietErhaltung
Las Hoyas ist eine sogenannte Konservat-Lagerstätte: Durch mikrobielle Matten und sauerstoffarme Bedingungen am Seeboden wurden Fossilien außergewöhnlich gut erhalten.
Bei Concavenator blieben sogar Hautabdrücke erhalten: viereckige Schuppen an der Schwanzunterseite und die vogelartigen Fußschuppen.
LagerstätteVerwandtschaft
Concavenator gehört zu den Carcharodontosauria – einer Gruppe, die auch die Giganten Giganotosaurus (12–13 m) und Carcharodontosaurus (12–13 m) umfasst.
Mit 5,5 Metern war Concavenator allerdings deutlich kleiner als seine berühmten Verwandten. Er zeigt, wie die Gruppe in ihrer Frühzeit aussah.
CarcharodontosauriaFundorte
Die Geschichte der Entdeckung
Skelett entdeckt
An der Fundstelle Las Hoyas in Zentralspanien wird ein nahezu vollständiges Dinosaurierskelett entdeckt – eines der besten Theropoden-Fossilien Europas. Es dauert sieben Jahre, bis es wissenschaftlich beschrieben wird.
Nature-Erstbeschreibung
Ortega, Escaso und Sanz beschreiben den Fund in der Fachzeitschrift Nature als neue Art: Concavenator corcovatus – der „bucklige Jäger aus Cuenca". Drei Merkmale sorgen für weltweites Aufsehen: der Rückenbuckel, rätselhafte Knoten am Unterarm und vogelartige Fußschuppen.
Foth-Kritik
Foth und Kollegen stellen die Feder-Interpretation infrage: Die Knoten am Unterarm seien keine Federansatzstellen, sondern Muskelnarben. Sie argumentieren, die Knoten säßen an der falschen Stelle auf dem Knochen.
Vogelfüße & Gegenargument
Cuesta und Kollegen beschreiben die Fußschuppen von Concavenator – sie sehen aus wie bei heutigen Hühnern! Es ist der erste Nachweis solcher „Vogelfüße" bei einem nicht-fliegenden Dinosaurier. Außerdem widerlegen sie Foths Kritik: Die Knoten sitzen doch an der richtigen Stelle für Federn.
Schädel & Gliedmaßen
Cuesta und Kollegen veröffentlichen zwei große Studien: eine über den Schädel und eine über die Gliedmaßen von Concavenator. Der Schädel zeigt drei einzigartige Merkmale. Das Gliedmaßenskelett ist das vollständigste aller Carcharodontosauria.
Axiale Osteologie
Eine weitere Studie beschreibt die gesamte Wirbelsäule von Concavenator im Detail. Der Buckel entsteht durch nur zwei Wirbel mit extrem hohen Dornfortsätzen. Außerdem werden weitere einzigartige Wirbelmerkmale entdeckt.
Schuppen-Federn-Koexistenz
Hendrickx und Kollegen diskutieren in einer großen Übersichtsstudie, wie Schuppen und Federn bei Dinosauriern zusammen vorkommen konnten. Concavenator ist ein Schlüsselbeispiel: Vogelfüße und möglicherweise Armfedern am selben Tier.
Phylogenie verschoben
Kellermann, Cuesta und Rauhut zeigen in einer neuen Stammbaum-Analyse, dass Concavenator möglicherweise gar nicht innerhalb der Carcharodontosauridae steht, sondern außerhalb – zusammen mit Siamraptor aus Thailand. Je weiter außen Concavenator steht, desto bedeutender wären seine möglichen Federn.
Neue Dinosaurier-Entdeckungen direkt ins Postfach
Einmal im Monat: neue Dinos, spannende Fakten, kostenlos.
Kein Spam. Jederzeit abbestellbar. Nur für Eltern und Erwachsene.