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Giganotosaurus

Giganotosaurus

Der Messer-Jäger aus Patagonien: Rivale des T. rex

Größer als T. rex? Die Wahrheit ist komplizierter

Giganotosaurus wird oft als „der Dinosaurier, der größer war als T. rex" bezeichnet. Aber die Wahrheit ist nicht so einfach: Giganotosaurus war möglicherweise etwas länger (12,5 m vs. 12,3 m), aber T. rex war schwerer (bis 9 Tonnen vs. 6,5–8,5 Tonnen) und robuster gebaut. Und wir kennen Giganotosaurus nur von zwei Exemplaren – viel weniger als den gut erforschten T. rex!

Was Giganotosaurus wirklich besonders macht, ist seine Jagdstrategie: Während T. rex mit seinem gewaltigen Kiefer Knochen zertrümmern konnte, war Giganotosaurus ein Messer-Jäger. Seine flachen, scharfen Zähne mit winzigen Sägezähnen waren perfekt, um tiefe Fleischwunden zu reißen. Eine brandneue Studie von 2025 bestätigte: Zwei verschiedene Riesenraubsaurier, zwei völlig verschiedene Jagdstrategien – wie Messer gegen Hammer!

Entdeckt wurde er 1993 von einem Amateur-Fossiliensammler, der mit einem Dune-Buggy durch die argentinische Wüste fuhr – eine der aufregendsten Dinosaurier-Entdeckungen der letzten Jahrzehnte.

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Anatomie – Gebaut zum Jagen

Der Riesenschädel

Der Schädel von Giganotosaurus war einer der größten aller Raubdinosaurier: etwa 1,58–1,69 Meter lang (lange glaubte man sogar 1,80 m, aber das wurde 2022 korrigiert). Zum Vergleich: Der Schädel von T. rex war etwa 1,53 m lang. Aber der Giganotosaurus-Schädel war flacher und leichter gebaut – optimiert für schnelle Bisse, nicht für rohe Kraft.

Zähne wie Sägemesser

Die Zähne waren bis zu 20 cm lang und seitlich abgeflacht – wie Steakmesser mit winzigen Sägezähnen am Rand (9–12 Zähnchen pro Millimeter!). Damit konnte er tiefe Fleischwunden reißen. Im Gegensatz zu T. rex, dessen Zähne rund und knochenzertrümmernd waren, waren Giganotosaurus' Zähne flach und fleischschneidend.

Winzige Arme

Wie T. rex hatte auch Giganotosaurus stark verkürzte Arme. Die Entdeckung seines Verwandten Meraxes (2022) zeigte etwas Erstaunliches: Mindestens drei verschiedene Raubdinosaurier- Linien reduzierten ihre Arme unabhängig voneinander, als sie riesengroß wurden! Die Arme wurden offenbar nicht mehr gebraucht, als der Kopf zum Hauptjagdwerkzeug wurde.

Orangengroßes Gehirn

Trotz seines riesigen Körpers hatte Giganotosaurus ein erstaunlich kleines Gehirn: nur 275 ml – etwa so groß wie eine Orange! Tyrannosaurus hatte etwa 50% mehr Gehirnvolumen. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass Giganotosaurus „dümmer" war – die Gehirnstruktur könnte anders optimiert gewesen sein.

Giganotosaurus Skelett
Giganotosaurus Skelett im Museum
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Größenvergleich

Mensch (1,80 m)
Afrikanischer Elefant (3,30 m)
Giganotosaurus (Hüfthöhe)
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Leben und Verhalten

Jagdverhalten

Giganotosaurus war der Top-Räuber seines Ökosystems. Eine Studie von 2025 (Rowe & Rayfield) bestätigte: Seine Kiefer waren für schnelles Zuschappen und Fleischreißen optimiert, nicht für Knochenbrechen. Die Beute starb vermutlich an Blutverlust durch tiefe Schnittwunden – nicht an einem einzigen gewaltigen Biss wie bei T. rex.

Seine Beißkraft war deutlich geringer als die von T. rex (nur etwa ein Drittel!). Aber seine Kiefergelenke waren so konstruiert, dass er besonders schnell zuschappen konnte. Mögliche Beute: mittelgroße bis große Sauropoden wie Andesaurus und der Rebbachisauride Limaysaurus.

Fleischreißer

Sozialverhalten

In Jurassic World Dominion (2022) jagt Giganotosaurus im Rudel – aber das ist reine Fiktion! Es gibt keinen Fossilbeleg für Gruppenverhalten bei Giganotosaurus (nur 2 Exemplare bekannt, beide Einzelfunde).

Die Rudeljagd-Idee kommt von seinem Verwandten Mapusaurus, der in einem Bonebed mit mehreren Individuen gefunden wurde. Aber selbst bei Mapusaurus ist unklar, ob es wirklich koordinierte Jagd war – oder nur ein gemeinsames Fressen an einem Kadaver, wie es Komodowarane heute tun.

Wahrscheinlich Einzeljäger

Fortpflanzung

Wie alle Dinosaurier legte Giganotosaurus Eier. Direkte Brut- oder Nestfossilien sind nicht bekannt.

Sein Verwandter Meraxes wurde 39–53 Jahre alt – das ist der Rekord für nicht-aviäre Theropoden (Raubdinosaurier, die keine Vögel sind). Giganotosaurus könnte ein ähnliches Alter erreicht haben.

Eierlegend

Lebensraum

Giganotosaurus lebte in der Candeleros-Formation in Nordpatagonien (Argentinien). Vor etwa 97 Millionen Jahren war das eine Landschaft mit Flüssen, Sanddünen und saisonalen Regenfällen – ähnlich einer heutigen Trockensavanne.

Er teilte seinen Lebensraum mit dem Sauropoden Andesaurus, dem Ornithopoden Macrogryphosaurus, dem Abelisauriden Ekrixinatosaurus und verschiedenen Krokodilen und Flugsauriern.

Candeleros-Formation

Giganotosaurus vs. T. rex

Die häufigste Frage: Wer gewinnt? Die Antwort: Die beiden haben sich nie getroffen! T. rex lebte in Nordamerika vor 68–66 Mio. Jahren, Giganotosaurus in Südamerika vor ~99–95 Mio. Jahren – über 30 Millionen Jahre und einen ganzen Ozean voneinander getrennt.

Stattdessen waren es zwei verschiedene Lösungen für dasselbe Problem: ein Riesenraubtier zu sein. T. rex setzte auf Kraft und knochenzertrümmernde Bisse. Giganotosaurus auf Geschwindigkeit und fleischreißende Schnittwunden. Messer gegen Hammer!

Vergleich
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Fundorte

Fundort
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Die Geschichte der Entdeckung

1987

Ein Kieferknochen deutet auf einen Riesen hin

Der Paläontologe Jorge Calvo entdeckte nahe Cerro Los Candeleros in Argentinien ein großes Kieferfragment eines Raubdinosauriers. Er ahnte, dass es zu einem neuen, unbekannten Riesentheropoden gehören könnte – aber es dauerte noch Jahre, bis die formale Zuordnung erfolgte.

1993

Carolini findet einen Riesendino per Dune-Buggy

Im Juli 1993 fuhr der Amateur-Fossiliensammler Rubén Carolini mit seinem Dune-Buggy durch die Badlands nahe Villa El Chocón in Patagonien – und entdeckte einen aus dem Gestein ragenden Knochen. Die anschließende Ausgrabung unter den Paläontologen Coria und Salgado förderte fast 70% eines riesigen Raubdinosaurier-Skeletts zutage!

1995

Der Riesendino bekommt seinen Namen

Coria und Salgado veröffentlichten die Beschreibung in der renommierten Zeitschrift Nature und nannten den neuen Dinosaurier Giganotosaurus carolinii – „Riesenechse des Südens, [für] Carolini". Die Nachricht machte weltweit Schlagzeilen: Endlich ein Rivale für den Tyrannosaurus rex! Im selben Jahr wurde das Paläontologische Museum in Villa El Chocón gegründet, das 1997 eröffnet und 1999 nach Ernesto Bachmann benannt wurde.

1996

Eine neue Dino-Familie wird entdeckt

Paul Sereno und Kollegen fanden heraus, dass Giganotosaurus zusammen mit dem afrikanischen Carcharodontosaurus und dem nordamerikanischen Acrocanthosaurus eine eigene Dinosaurier-Familie bildet: die Carcharodontosauridae, benannt nach ihren haifischzahnartigen Zähnen. Diese Riesenräuber lebten auf dem einstigen Superkontinent Gondwana.

1998

Ein noch größeres Exemplar?

Calvo und Coria veröffentlichten die Zuordnung des 1987 entdeckten Kieferfragments zu Giganotosaurus. Das Dentale (Unterkieferknochen) ist 61 cm lang und 6,5–8% größer als beim ersten Exemplar! Das bedeutete: Das zugehörige Tier könnte über 13 Meter lang gewesen sein – möglicherweise eines der größten Raubtierskelette aller Zeiten. Allerdings ist die genaue Größe bei nur einem Kieferknochen schwer abzuschätzen.

2002

Das Gehirn wird gescannt

Coria und Currie beschrieben den Hirnschädel detailliert und schätzten die Schädellänge auf 1,60 m. Bei der Gelegenheit berechneten sie auch das Gewicht des Tieres: etwa 4,2 Tonnen. Andere Forscher kamen später auf deutlich höhere Werte – die Gewichtsfrage ist bis heute nicht endgültig geklärt.

2006

Mapusaurus – ein naher Verwandter

Coria und Currie beschrieben Mapusaurus roseae, einen eng verwandten Raubdinosaurier. Das Besondere: Er wurde in einem Bonebed mit mehreren Individuen verschiedener Altersgruppen gefunden! Das wurde als möglicher Hinweis auf Gruppenverhalten interpretiert – und in der Öffentlichkeit fälschlicherweise oft auf Giganotosaurus übertragen.

2017

Riesenraubsaurier konnten nicht rennen

Eine biomechanische Studie zeigte, dass die Knochen großer Raubdinosaurier beim Rennen zu stark belastet würden. Tyrannosaurus und Giganotosaurus waren wahrscheinlich auf Gehgeschwindigkeiten beschränkt – maximal etwa 30 km/h. Die alte Schätzung von 50 km/h gilt als überholt.

2019

Wie groß war das Gehirn?

Erstmals wurde das Gehirn von Giganotosaurus per CT-Scan digital rekonstruiert. Das Ergebnis: Nur 275 Milliliter – etwa so groß wie eine Orange! Zum Vergleich: Tyrannosaurus hatte ein deutlich größeres Gehirn (etwa 50% mehr Volumen), obwohl beide Tiere ähnlich groß waren.

2022

Meraxes – ein Verwandter liefert neue Erkenntnisse

Die Beschreibung von Meraxes gigas, einem nahen Verwandten, veränderte unser Bild von Giganotosaurus grundlegend. Der fast vollständige Meraxes-Schädel zeigte, dass die Giganotosaurus-Schädellänge auf ~1,58–1,69 m korrigiert werden muss – deutlich kürzer als die lange geglaubten 1,80 m! Meraxes zeigte auch, dass Riesenraubsaurier mindestens dreimal unabhängig ihre Arme reduzierten und bis zu 53 Jahre alt wurden.

2025

Zwei verschiedene Jagdstrategien

Eine neue Studie verglich die Schädelmechanik von 18 Raubdinosaurier-Arten. Ergebnis: Giganotosaurus und seine Verwandten waren für schnelle, fleischreißende Bisse optimiert. T. rex dagegen setzte auf knochenzertrümmernde Kraft. Zwei verschiedene Strategien, die sich unabhängig voneinander entwickelten – wie Messer gegen Hammer!

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