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Carcharodontosaurus saharicus

Carcharodontosaurus saharicus

Afrikas größter Raubsaurier

Haifischzähne in der Sahara

In der Oberen Kreidezeit, vor etwa 100 bis 94 Millionen Jahren, durchstreifte einer der größten Raubsaurier aller Zeiten die Flusslandschaften Nordafrikas: Carcharodontosaurus – die „Haifischzahn-Echse". Mit bis zu 12 Metern Länge, einem Gewicht von rund 6 Tonnen und einem Schädel von etwa 1,5 Metern Länge war er ein absoluter Spitzenprädator. Seine dünnen, scharfen Zähne erinnern tatsächlich an die des Weißen Hais und gaben ihm seinen Namen.

Carcharodontosaurus hat eine der dramatischsten Geschichten der gesamten Paläontologie: Seine Originalfossilien wurden 1944 bei einem Bombenangriff auf München zerstört. Erst 50 Jahre später fand der Paläontologe Paul Sereno in Marokko einen neuen, fast vollständigen Schädel und brachte den vergessenen Giganten zurück ins Rampenlicht.

Und 2025 kam die nächste Überraschung: Das berühmte ägyptische Exemplar, das seit 1931 als Carcharodontosaurus galt, wurde als eigenständige Gattung erkannt – Tameryraptor markgrafi. Die Geschichte dieses Dinosauriers ist also noch lange nicht zu Ende erzählt.

Afrikas größter Raubsaurier
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Körperlänge
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Gewicht
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Schädellänge
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Alter
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Anatomie – Gebaut zum Jagen

Haifischzahn-Gebiss

Die namensgebenden Zähne waren bis zu 20 cm lang (mit Wurzel) und messerscharf. Sie waren dünn (unter 1 cm), beidseitig fein gezackt und nach hinten gebogen – perfekt zum Schneiden und Reißen, aber nicht zum Knochenbrechen. C. saharicus hatte 18 bis 20 Zacken pro Zentimeter, die zweite Art C. iguidensis sogar bis zu 32. Insgesamt besaß er etwa 60 Zähne.

Riesenschädel

Der Schädel des Neotyps SGM-Din 1 wird auf 1,42 bis 1,5 m Länge geschätzt – einer der längsten aller Theropoden. Ursprünglich hielt man ihn sogar für 1,6 m, doch fehlende Schädelknochen (Prämaxilla und Quadratum) hatten zu einer Überschätzung geführt (Carrano et al. 2012). Der Schädel war leicht gebaut mit großen Hohlräumen und pneumatisierten Knochen.

Kurze Arme

Wie bei T. rex waren die Arme auffällig kurz. Eine Studie von 2022 (Canale et al.) an dem verwandten Meraxes gigas zeigte, dass die Armverkürzung bei Carcharodontosauriden und Tyrannosauriden unabhängig voneinander entstand – ein Paradebeispiel für konvergente Evolution. Beide Gruppen entwickelten sich zu kopflastigen Jägern, die ihre Arme immer weniger brauchten.

Gehirn-Scan

Larsson (2001) erstellte den ersten CT-basierten 3D-Scan eines Carcharodontosauriden-Gehirns. Das Ergebnis: ein eher „reptilisches" Gehirn, ähnlich dem von Allosaurus. Der optische Nerv war besonders groß, was auf gutes Sehvermögen schließen lässt. Die Riechkolben waren aber weniger entwickelt als bei T. rex.

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Größenvergleich

Erwachsener Mensch
Afrikanischer Elefant
Carcharodontosaurus
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Leben und Verhalten

Jagdstrategie

Carcharodontosaurus jagte anders als T. rex: Statt mit gewaltigem Biss Knochen zu zertrümmern, setzte er auf schnelle Schnittbisse. Die Beißkraft lag bei etwa 25.000 Newton (T. rex: 35.000–57.000 N) – stark, aber auf Weichgewebe ausgerichtet.

Eine Calcium-Isotopen-Studie (Hassler et al. 2018) bewies, dass Carcharodontosaurus ausschließlich an Land jagte, während der gleichzeitig lebende Spinosaurus im Wasser nach Beute suchte. So teilten sich die beiden Giganten ihren Lebensraum auf.

Schnittbiss-Jäger

Die tragische Geschichte

1914 fand Ernst Stromers Team ein Teilskelett in Ägypten. 1931 beschrieb Stromer es als Carcharodontosaurus. Doch in der Nacht vom 24. auf den 25. April 1944 zerstörte ein Bombenangriff die Bayerische Staatssammlung in München – alle Originalfossilien gingen verloren.

Erst 1995 fand Paul Sereno in Marokko einen nahezu vollständigen Schädel (SGM-Din 1), der 2007 offiziell zum Neotyp ernannt wurde. So erhielt Carcharodontosaurus buchstäblich ein neues Gesicht.

Bomben und Neufund

Tameryraptor – die Überraschung 2025

100 Jahre lang galt Stromers ägyptisches Exemplar als Carcharodontosaurus. Doch 2025 zeigten Kellermann, Cuesta & Rauhut anhand eines bisher unbekannten Fotos: Das Tier hatte symmetrische Zähne (statt gebogene), einen hornartigen Auswuchs auf der Nase und ein größeres Großhirn.

Damit unterschied es sich so stark vom marokkanischen Neotyp, dass es eine eigene Gattung verdiente: Tameryraptor markgrafi. Phylogenetisch steht es nicht in der Unterfamilie Carcharodontosaurinae, sondern basaler – auf Höhe von Acrocanthosaurus.

Neue Gattung!

Zwei Arten

Es gibt zwei anerkannte Arten: C. saharicus (Marokko, ~12 m, ~6 t) und C. iguidensis (Niger, ~10 m, ~4 t). Beide lebten im Cenomanium (~100–94 Ma) in Nordafrika, aber in unterschiedlichen Regionen.

C. iguidensis wurde 2007 von Brusatte & Sereno beschrieben und unterscheidet sich unter anderem durch feinere Zacken an den Zähnen (bis 32 pro Zentimeter statt 18–20) und Unterschiede in den Schädelknochen.

C. saharicus + C. iguidensis
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Fundorte

Fundort
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Die Geschichte der Entdeckung

1924

Bei Timimoun in Algerien wurden zwei isolierte Dinosaurier-Zähne gefunden. Sie sahen aus wie Haifischzähne, waren aber riesig. Im folgenden Jahr beschrieben Depéret und Savornin sie als Megalosaurus saharicus.

1914

Ernst Stromers Sammler Richard Markgraf fand ein Teilskelett in der Bahariya-Oase in Ägypten. Es wurde nach München gebracht, wo Stromer es untersuchen konnte.

1931

Ernst Stromer erkannte, dass das ägyptische Skelett und die algerischen Zähne zu einer eigenen Gattung gehörten. Er nannte sie Carcharodontosaurus – „Haifischzahn-Echse" – weil die Zähne an die des Weißen Hais erinnerten.

1944

In der Nacht vom 24. auf den 25. April 1944 zerstörte ein Bombenangriff die Bayerische Staatssammlung in München. Alle Originalfossilien des Carcharodontosaurus gingen unwiederbringlich verloren – zusammen mit Spinosaurus und anderen Dinosauriern.

1995

50 Jahre nach der Zerstörung fand Paul Sereno in den Kem Kem Beds in Marokko einen nahezu vollständigen Carcharodontosaurus-Schädel. Der Dinosaurier erhielt buchstäblich ein neues Gesicht!

2007

Brusatte und Sereno ernannten den marokkanischen Schädel offiziell zum neuen Referenzexemplar (Neotyp). Gleichzeitig beschrieben sie eine zweite, kleinere Art aus dem Niger: C. iguidensis, die sich durch feinere Zahnzacken unterschied.

2018

Hassler und Kollegen untersuchten Calcium-Isotope in Zahnschmelz und konnten beweisen: Carcharodontosaurus jagte ausschließlich an Land, während Spinosaurus im Wasser Beute machte. So teilten sich die Riesen ihren Lebensraum auf.

2025

Kellermann, Cuesta und Rauhut entdeckten ein bisher unbekanntes Foto des ägyptischen Skeletts und stellten fest: Es war gar kein Carcharodontosaurus! Die Unterschiede waren so groß, dass sie es als neue Gattung beschrieben – Tameryraptor markgrafi.

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