
Irritator challengeri
Der Spinosaurier mit dem manipulierten Schädel
Ein Schädel voller Überraschungen
Was passiert, wenn Fossilienhändler einen Dinosaurier-Schädel mit Gips aufhübschen, damit er teurer aussieht? Die Forscher bekommen eine Menge Ärger – und der Dino bekommt den Namen „Irritator", also „der Nervige"! Genau das ist 1996 in Brasilien passiert.
Der Irritator gehört zur Familie der Spinosauridae – das sind Verwandte des berühmten Spinosaurus. Wie sein großer Cousin war der Irritator ein geschickter Fischfänger mit einer langen, krokodilartigen Schnauze. Er lebte vor etwa 113 bis 120 Millionen Jahren in der Kreidezeit.
Besonders spannend: Der einzige bekannte Schädel stammt von einem Jungtier, das noch nicht ausgewachsen war. Der erwachsene Irritator könnte also noch größer gewesen sein als unsere Schätzungen vermuten lassen.
Anatomie – Gebaut zum Jagen
Der Schädel
Der Schädel des Irritator war schmal und lang – 16,5 cm hoch und nur 10 cm breit. Die Forscher schätzen den kompletten Schädel auf rund 60 cm Länge. Auf der Oberseite saß ein auffälliger Knochenkamm, ähnlich wie bei manchen Kasuaren (große Laufvögel) heute.
Die Zähne
Die Zähne waren kegelförmig und glatt – ganz ohne die gezackten Kanten, die viele Raubdinosaurier hatten. Stattdessen besaßen sie gerillten Zahnschmelz, perfekt zum Festhalten von glitschigen Fischen. Ähnliche Zähne haben heute Krokodile.
Das Gehirn
Eine CT-Untersuchung des Schädels zeigte: Der Irritator hatte einen vergrößerten Flocculus im Gehirn – einen Bereich, der für Gleichgewicht und Augenbewegungen zuständig ist. Das half ihm, Beute im Wasser blitzschnell zu verfolgen.
Körperbau
Mit geschätzten 6,5 Metern Länge und etwa einer Tonne Gewicht war der Irritator ein mittelgroßer Raubsaurier. Aber Vorsicht: Das einzige Exemplar war noch nicht ausgewachsen! Erwachsene Tiere waren vermutlich zwischen 6 und 8 Metern lang.
Größenvergleich
Leben und Verhalten
Ernährung
Der Irritator war hauptsächlich ein Fischfresser. Seine schräg nach unten geneigte Schnauze (45° Winkel!) und sein verbessertes räumliches Sehen halfen ihm beim Fischfang – ähnlich wie bei heutigen Reihern.
Aber er fraß nicht nur Fisch: Ein Irritator-Zahn wurde in einem Halswirbel eines Flugsauriers gefunden! Das zeigt, dass er auch andere Beute jagte oder zumindest Aas fraß.
Fischfänger+Fortpflanzung
Über die Fortpflanzung des Irritator ist wenig bekannt, da nur ein einziger Schädel gefunden wurde. Wie alle Dinosaurier legte er Eier.
Das einzige bekannte Exemplar war ein Jungtier mit noch nicht vollständig verwachsenen Schädelknochen. Es hatte also noch Wachstum vor sich.
EierlegendSozialverhalten
Die Datenbank PBDB stuft den Irritator als Einzelgänger ein – was bei großen Raubsauriern nicht ungewöhnlich ist.
Anders als manche Raubsaurier, die in Gruppen jagten, streifte der Irritator vermutlich allein an Flüssen und Seen entlang, immer auf der Suche nach Fischen.
EinzelgängerLebensraum
Der Irritator lebte im heutigen Brasilien, in der Region Ceará. Dort befand sich in der Kreidezeit ein tropisches Feuchtgebiet mit Flüssen und Lagunen.
In seiner Umgebung wurden auch fossile Fische (Cladocyclus) und winzige Krebstiere (Pattersoncypris) gefunden. Es war eine Unterwasserwelt, in der sich ein Fischfänger wohlfühlte.
Tropisches FeuchtgebietFundorte
Die Geschichte der Entdeckung
David Martill und seine Kollegen beschreiben einen seltsamen Schädel aus Brasilien – und benennen ihn „Irritator", weil Fossilienhändler den Schädel vorher mit Gips verfälscht hatten. Anfangs halten sie ihn fälschlich für einen Maniraptoren.
Sues und Kollegen ordnen den Irritator genauer ein: Er gehört zu den Spinosaurinae – einer Unterfamilie der Spinosauridae, zu der auch der berühmte Spinosaurus gehört.
Hendrickx und Kollegen bezweifeln, ob der Name Irritator überhaupt gültig ist. Sie stufen ihn als „nomen dubium" ein – einen zweifelhaften Namen. Diese Meinung setzt sich aber nicht durch.
Forscher untersuchen den Schädel mit einem CT-Scanner – wie beim Arzt! Sie entdecken: Der Irritator hatte einen besonders großen Gehirnbereich für Gleichgewicht und Augen. Und seine Schnauze zeigte im 45°-Winkel nach unten – perfekt zum Fischfangen, wie bei einem Reiher.
Wurde Angaturama vielleicht zum gleichen Tier wie Irritator? Forscher vergleichen beide Schädel – aber sie bestehen aus verschiedenen Knochen, die sich nicht überlappen. Deshalb kann man die Frage immer noch nicht beantworten!
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