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SteckbriefHerbivor

Zephyrosaurus schaffi

Ein kleiner Ornithischier, der vier Jahrzehnte lang von einer Familie zur nächsten wanderte – und dessen Fundstellen zu den diversesten Microsites der nordamerikanischen Unterkreide gehören.

Westwind-Echse

Ornithischia · Thescelosauridae

Dieser Steckbrief zeigt die gesicherten Fakten. Entdecke Dinosaurier mit ausführlichen Profilen

Als Hans-Dieter Sues 1980 in der Palaeontographica Abteilung A einen neuen kleinen Ornithischier aus der Cloverly Formation Montanas beschrieb, ordnete er ihn den Hypsilophodontidae zu – einer damals weit gefassten Sammelgruppe für kleine bipede Pflanzenfresser. Vier Jahrzehnte, 24 Genus-Level-Opinions und mehrere grundlegende Revisionen der Ornithischier-Systematik später steht Zephyrosaurus schaffi heute bei den Orodrominae innerhalb der Thescelosauridae. Der Weg dorthin erzählt viel über den taxonomischen Wandel in der Dinosaurier-Paläontologie.

Ein kleiner Ornithischier, der vier Jahrzehnte lang von einer Familie zur nächsten wanderte – und dessen Fundstellen zu den diversesten Microsites der nordamerikanischen Unterkreide gehören.
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Erstbeschreibung
Durch Hans-Dieter Sues, basierend auf Holotyp MCZ 4392 aus Montana
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Zeitliche Einordnung
Aptium bis Albium, Unterkreide; Cloverly Formation
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Taxonomische Meinungen
24 Genus- + 20 Species-Level (1980–2020) — einer der meistdiskutierten kleinen Ornithischier
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Fundstellen
1 in Montana (Holotyp) + 3 in Wyoming (Microsites, alle cf.)
TAXONOMIE

Taxonomie und der lange Weg zu Orodrominae

Zephyrosaurus schaffi wurde 1980 von Sues (ref:23373) als Hypsilophodontidae beschrieben. Diese Zuordnung dominierte die folgenden drei Jahrzehnte: 16 der 24 Genus-Level-Opinions (1980–2014) platzierten die Gattung in die Hypsilophodontidae – von Weishampel 1983 über Sereno 1986 und Galton 1989 bis hin zu Alifanov & Saveliev 2014. Zwei Opinions (Norman 2004, Galton 2009) stellten Zephyrosaurus zu den Euornithopoda, zwei weitere (Buchholz 2002, Han 2012) zu den Ornithopoda.

Der Wendepunkt kam 2013: Brown et al. (ref:46723) errichteten die Unterfamilie Orodrominae innerhalb der Thescelosauridae und ordneten Zephyrosaurus zusammen mit Oryctodromeus und Orodromeus darin ein. Diese Klassifikation wurde 2018 durch Madzia et al. (ref:66120) mit phylogenetischer Evidenz gestützt. Herne et al. 2019 (ref:75855) stellten die Gattung eine Ebene höher zu den Thescelosauridae ohne Unterfamilie. Die aktuellste und in der PBDB als „current" geführte Opinion stammt von Dieudonné et al. 2020 (ref:73943), die Zephyrosaurus erneut als Orodrominae bestätigten.

Auf Artebene ist Zephyrosaurus schaffi bemerkenswert stabil: Alle 20 Species-Level-Opinions (1980–2020) bestätigen die Zugehörigkeit zu Zephyrosaurus. Es gab weder Synonymisierungsversuche noch Infragestellungen der Gültigkeit – eine ungewöhnliche Konstanz für ein Taxon, das auf Gattungsebene so oft umklassifiziert wurde. Insgesamt existieren 44 taxonomische Stellungnahmen (24 Genus + 20 Species), was Zephyrosaurus zu einem der am häufigsten diskutierten kleinen Ornithischier in der PBDB macht.

FUNDORTE

Verbreitung und Fundorte

Die 4 Fundstellen verteilen sich auf zwei US-Bundesstaaten und zwei Members der Cloverly Formation. Die Typuslokalität „Wolf Creek Canyon (MCZ)" (col:69693) liegt in Carbon County, Montana, im Himes Member. Der Holotyp MCZ 4392 datiert ins Albium (113,2–100,5 Ma). Bemerkenswert: Am selben Fundort wurde auch [[dino:deinonychus|Deinonychus]] antirrhopus nachgewiesen (occ:1320129, ref:58656) – einer der berühmtesten Raubdinosaurier. Drei weitere Fundstellen liegen in Big Horn County, Wyoming: Die Microsite „Paton's Hole" (col:137562, Himes Member) umfasst 29 Occurrences mit einer extrem diversen Wirbeltierfauna, darunter Hybodus cf. parvidens, Albanerpeton ektopistikon, Glyptops pervicax, Deinonychus antirrhopus und Titanosauriformes indet. Noch diverser sind „Ostrom's Beach" (col:137567, 65 Occurrences) und „Manderson NE" (col:137577, 54 Occurrences) im Little Sheep Mudstone Member – lakustrine Ablagerungen aus dem Aptium bis Albium (121,4–100,5 Ma). Alle Wyoming-Funde sind als „cf. Zephyrosaurus sp." bestimmt, also mit Vorbehalt auf Gattungsebene (Oreska et al. 2013, ref:44000).

Fundort
ENTDECKUNG

Forschungsgeschichte

1980

Sues (ref:23373) beschreibt Zephyrosaurus schaffi in Palaeontographica Abteilung A (169(1-3)) als Hypsilophodontidae aus der Cloverly Formation Montanas. Der Holotyp MCZ 4392 stammt aus dem Himes Member am Wolf Creek Canyon. Diese Zuordnung wird die folgenden drei Jahrzehnte dominieren.

2013

Brown et al. (ref:46723) errichten die Orodrominae innerhalb der Thescelosauridae und platzieren Zephyrosaurus zusammen mit Oryctodromeus und Orodromeus darin. Im selben Jahr beschreiben Oreska et al. (ref:44000) drei Microsites in der Cloverly Formation Wyomings mit cf. Zephyrosaurus sp. — Paton's Hole (29 Occ.), Ostrom's Beach (65 Occ.) und Manderson NE (54 Occ.).

2018

Madzia, Boyd & Mazuch (ref:66120) stützen die Orodrominae-Klassifikation von Zephyrosaurus mit phylogenetischer Evidenz ('stated with evidence'). Die Verwandtschaft mit Oryctodromeus cubicularis innerhalb der Orodrominae wird bestätigt.

2020

Dieudonné et al. (ref:73943) bestätigen Zephyrosaurus als Orodrominae — die aktuellste und in der PBDB als 'current' geführte Opinion. Über 40 Jahre und 44 taxonomische Stellungnahmen hinweg wurde die Art Z. schaffi nie angezweifelt — eine bemerkenswerte Stabilität auf Artebene bei gleichzeitig häufiger Umklassifizierung auf Gattungsebene.

Verwandten erkunden

Zephyrosaurus gehört zu den Orodrominae innerhalb der Thescelosauridae – genau wie Oryctodromeus, der erste Dinosaurier mit direktem Nachweis von Grabverhalten.

Zu Oryctodromeus

Häufig gestellte Fragen zu Zephyrosaurus

Die 24 Genus-Level-Opinions spiegeln den grundlegenden Wandel in der Ornithischier-Systematik wider. Die Hypsilophodontidae erwiesen sich als paraphyletische Sammelgruppe – sie fassten Formen zusammen, die nicht alle näher miteinander verwandt waren. Erst mit modernen phylogenetischen Analysen (ab Brown et al. 2013) konnte Zephyrosaurus den Orodrominae zugeordnet werden.

Die drei Wyoming-Fundstellen (Paton's Hole, Ostrom's Beach, Manderson NE) sind Microsites – Ansammlungen kleiner Fossilien vieler verschiedener Tierarten. Paton's Hole allein enthält 29 Occurrences, Ostrom's Beach sogar 65. Sie dokumentieren die Wirbeltierfauna der Cloverly Formation in außergewöhnlicher Breite: von Haien und Amphibien über Schildkröten und Krokodile bis zu Dinosauriern und frühen Säugetieren.

Alle Wyoming-Occurrences sind als „cf. Zephyrosaurus sp." geführt – die Abkürzung „cf." (lateinisch „confer", also „vergleiche") bedeutet, dass das Material Zephyrosaurus ähnelt, aber für eine sichere Artbestimmung nicht ausreicht. Nur der Holotyp aus Montana ist auf Artebene (Z. schaffi) bestimmt.

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