Lebensraum: Die Pietraroja-Lagerstätte
Scipionyx stammt aus dem Pietraroja Plattenkalk, einer Konservat-Lagerstätte auf der Apennin-Karbonatplattform. Schon 1798 signalisierte der Geologe Scipione Breislak — einer der späteren Namenspaten — erstmals fossile Fische aus dieser Lokalität. Die hochauflösende Faziesanalyse von Graziano et al. (2024, Sedimentology) konnte zeigen, dass der Scipionyx-Horizont (die „Mittlere Lagerstätte") während eines eustatischen Meeresspiegeltiefstands (KAl1-Event, ~111,2 Ma) in einer flachen, sauerstoffarmen Lagune entstand.
Die Ablagerung umfasst drei Intervalle: ein unteres paralisches Intervall unter ariden Bedingungen, ein mittleres Übergangsintervall und ein oberes pflanzenreiches Küstenfeuchtgebiet. Semi-kontinuierliche windtransportierte Vulkanoklastika trugen zur besonderen Fossilerhaltung bei. Kieselschwamm-Wiesen, dokumentiert durch spiculitische Intervalle, prägten die Lagunensohle.
Die Begleitfauna ist bemerkenswert divers: Fische (Ellimmichthyiformes: Armigatus elatus, A. plinii, Paraclupea pietrarojae — beschrieben 2023 als älteste Armigatidae), der basale Eusuchier Pietraroiasuchus ormezzanoi (Buscalioni et al. 2011, Zool. J. Linn. Soc. 163, suppl. 1: S199–S227), Eidechsen (Chometokadmon fitzingeri, Costasaurus rusconi, Eichstaettisaurus gouldi), der Rhynchocephale Derasmosaurus pietrarojae, der Albanerpetontide Celtedens megacephalus sowie eine Flora aus Cheirolepidiaceae-Koniferen (Frenelopsis, Brachyphyllum) und Matoniaceae-Farnen.