Die Ulnar-Knoten-Debatte: Federn bei einem Carcharodontosaurier?
Die kontroverseste Frage betrifft eine Reihe kleiner Knoten auf der Ulna. Ortega, Escaso & Sanz (2010, Nature 467: 203–206) interpretierten sie als Quill Knobs – Ansatzstellen für Schwungfedern, wie sie bei modernen Vögeln und einigen nicht-aviären Coelurosauria vorkommen. Foth et al. (2014) schlugen dagegen vor, dass es sich um intermuskuläre Linien oder Sehnenansätze handele; sie argumentierten, die Knoten lägen anterolateral statt posterolateral auf der Ulna – die falsche Position für Federansatzstellen.
Cuesta, Ortega & Sanz (2015, SVP Meeting) widerlegten dieses Argument durch eine myologische Rekonstruktion des Vorderarms: Die Knoten können nicht zwischen bekannten Muskelansatzpunkten lokalisiert werden. Die einzige muskuläre Alternative wäre der M. anconeus, der jedoch normalerweise keine Knoten hinterlässt. Zudem korrigierten sie die Orientierung der Ulna – sie liegt in Lateralansicht vor, wodurch die Knoten posterolateral positioniert sind, an derselben Stelle wie bei einigen modernen Vögeln (z. B. Gallinula, Moorhuhn).
Die Debatte bleibt offen. Für die Quill-Knobs-Hypothese spricht die Position und die fehlende muskuläre Alternative. Dagegen spricht, dass keine Federabdrücke gefunden wurden, obwohl Schuppenabdrücke an Schwanz und Füßen erhalten sind – wobei dies taphonomischen Bias widerspiegeln könnte. Wäre Concavenator tatsächlich der erste Nicht-Coelurosaurier mit Federansatzstellen, hätte dies weitreichende Implikationen: Federn oder federartige Strukturen wären dann bei Neotetanurae (dem gemeinsamen Vorfahren von Allosauroidea und Coelurosauria) ursprünglich.