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SteckbriefHerbivor

Krzyzanowskisaurus hunti

Ein Taxon zwischen den Welten – Ornithischier oder Pseudosuchier?

Krzyzanowskis Echse

Dieser Steckbrief zeigt die gesicherten Fakten. Entdecke Dinosaurier mit ausführlichen Profilen

Wenige Dinosaurier-Namen werfen so viele Fragen auf wie Krzyzanowskisaurus hunti. Bekannt ausschließlich von isolierten Zähnen aus der obertriassischen Chinle-Formation im Südwesten der USA, steht dieses Taxon im Zentrum einer Debatte, die grundsätzliche Fragen zur Bestimmbarkeit von Fossilien allein anhand von Zahnmorphologie aufwirft. Ist Krzyzanowskisaurus ein früher Ornithischier – oder doch ein Pseudosuchier, ein Verwandter der heutigen Krokodile?

Ein Taxon zwischen den Welten – Ornithischier oder Pseudosuchier?
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Zeitspanne (Karnium–Norium)
Breites Zeitfenster von ~31 Millionen Jahren
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Vorkommen (PBDB)
3 Lokalitäten in Arizona und New Mexico
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Wissenschaftliche Meinungen
2 Gattungs- und 6 Artebene-Meinungen
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Bekanntes Material
Isolierte Zähne – kein Skelettmaterial
TAXONOMIE

Taxonomie und Kontroverse

Die Geschichte von Krzyzanowskisaurus beginnt mit Revueltosaurus. Andrew Heckert beschrieb 2002 isolierte Zähne aus der Chinle-Formation als neue Art Revueltosaurus hunti und ordnete sie – wie den bereits bekannten Revueltosaurus callenderi – den Ornithischia zu. Doch 2005 änderte sich alles: William Parker und Kollegen wiesen nach, dass Revueltosaurus callenderi kein Dinosaurier war, sondern ein Pseudosuchier (Parker et al. 2005). Daraufhin transferierte Heckert (2005) die Art R. hunti in die neue Gattung Krzyzanowskisaurus und beschrieb sie im Titel seiner Arbeit ausdrücklich als „a probable ornithischian" – einen wahrscheinlichen Ornithischier.

Doch diese Zuordnung blieb umstritten. Mehrere Autoren – darunter Irmis (2005), Nesbitt et al. (2007) und Irmis et al. (2007) – lehnten die Abtrennung ab und behielten R. hunti innerhalb von Revueltosaurus bei. Da Revueltosaurus mittlerweile als Pseudosuchier gilt, impliziert diese Position, dass auch die Zähne von Krzyzanowskisaurus zu einem Nicht-Dinosaurier gehören könnten. In der Paleobiology Database (PBDB) wird Krzyzanowskisaurus aktuell unter Ornithischia geführt (txn:38712), allerdings ohne Zuordnung zu einer Familie oder Ordnung – ein Zeichen für die taxonomische Unsicherheit. Bei insgesamt nur 8 wissenschaftlichen Meinungen (2 auf Gattungs-, 6 auf Artebene) ist die Datenlage für eine Klärung nach wie vor dünn.

Das Problem ist grundsätzlicher Natur: Isolierte Zähne sind bei triassischen Archosauriern oft nicht diagnostisch genug, um zwischen frühen Ornithischiern und bestimmten Pseudosuchiern sicher zu unterscheiden. Die dreieckige, blattförmige Zahnmorphologie, die Heckert als ornithischisch interpretierte, kommt in ähnlicher Form auch bei einigen Pseudosuchiern vor. Solange kein umfangreicheres Skelettmaterial gefunden wird, bleibt die Zuordnung von Krzyzanowskisaurus vorläufig. Der Fall illustriert eindrücklich die Grenzen zahnbasierter Taxonomie in der Trias-Paläontologie.

FUNDORTE

Verbreitung und Fundorte

Krzyzanowskisaurus-Zähne stammen aus drei Lokalitäten der Chinle-Formation: Blue Hills 1 in Arizona (Blue Mesa Member, col:52499, ref:35767), der berühmten Placerias Quarry in Arizona (Mesa Redondo Member, col:39160, ref:32081) und NMMNH L-1171 in New Mexico (Santa Rosa Member, col:223084). Die Chinle-Formation datiert ins Karnium bis Norium (237,0–205,7 Ma). Paläogeographisch lag das Gebiet zur Trias bei etwa 10°N und 37°W – nahe dem Äquator auf dem Superkontinent Pangäa. Besonders bemerkenswert ist die Placerias Quarry mit 28 assoziierten Taxa, die zu den reichhaltigsten obertriassischen Fundstellen Nordamerikas zählt und ein komplexes Ökosystem mit Temnospondylen, Phytosauriern, Aetosauriern und frühen Dinosauriern dokumentiert.

Fundort
ENTDECKUNG

Forschungsgeschichte

2002

Heckert (2002) beschreibt isolierte Zähne aus der Chinle-Formation in Arizona als Revueltosaurus hunti und ordnet sie den Ornithischia zu – in Analogie zum bereits bekannten R. callenderi.

2005

Parker et al. (2005) weisen nach, dass R. callenderi ein Pseudosuchier ist. Heckert (2005) transferiert daraufhin R. hunti in die neue Gattung Krzyzanowskisaurus und beschreibt sie als „a probable ornithischian".

2007

Irmis et al. (2007) und Nesbitt et al. (2007) lehnen die Abtrennung ab und behalten R. hunti innerhalb von Revueltosaurus. Da Revueltosaurus als Pseudosuchier gilt, impliziert dies, dass auch die Krzyzanowskisaurus-Zähne zu einem Nicht-Dinosaurier gehören könnten.

Weitere taxonomische Kontroversen

Auch Chilesaurus wirft Fragen auf: Theropode oder Ornithischier? Und Ferganocephale – ein früher Pachycephalosaurier, der nur von Zähnen bekannt ist.

Zu Chilesaurus

Häufig gestellte Fragen zu Krzyzanowskisaurus

Das ist unklar. In der PBDB wird er unter Ornithischia geführt, aber mehrere Autoren ordnen die Zähne weiterhin Revueltosaurus zu – einer Gattung, die sich als Pseudosuchier (Krokodilverwandter) herausgestellt hat. Ohne Skelettmaterial ist eine sichere Zuordnung nicht möglich.

Weil sich 2005 herausstellte, dass Revueltosaurus callenderi kein Dinosaurier war. Heckert wollte die möglicherweise ornithischischen Zähne von R. hunti von den pseudosuchischen Revueltosaurus-Arten trennen und schuf daher den neuen Gattungsnamen Krzyzanowskisaurus.

Die Placerias Quarry in Arizona ist eine der reichsten obertriassischen Fundstellen Nordamerikas mit 28 assoziierten Taxa. Sie dokumentiert ein ganzes Ökosystem aus der Zeit, in der Dinosaurier gerade erst aufkamen, und umfasst Pseudosuchier, Temnospondylen und frühe Dinosaurier.

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