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SteckbriefHerbivor

Chilesaurus diegosuarezi

Ein pflanzenfressender Dinosaurier aus dem Oberjura Chiles, dessen systematische Stellung zwischen Theropoda und Ornithischia eine der kontroversesten Debatten der modernen Paläontologie ausgelöst hat.

Chiles Echse

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2015 beschrieben Novas et al. in Nature (522(7556):331–334, DOI: 10.1038/nature14307) einen Dinosaurier, der die gängigen Kategorien sprengte: Chilesaurus diegosuarezi aus der Toqui-Formation in der Region Aysén, Chile. Das Material stammt aus vulkaniklastischem, kieseligem Sandstein einer fluvial-deltaischen Ablagerungsumgebung und datiert ins Tithonium (149,2–143,1 Ma). Der Artname ehrt Diego Suárez, der als Kind die ersten Knochen entdeckte. Die Erstbeschreiber ordneten Chilesaurus als basalen Tetanuren ein — einen Raubdinosaurier, der sekundär zum Pflanzenfresser wurde.

Ein pflanzenfressender Dinosaurier aus dem Oberjura Chiles, dessen systematische Stellung zwischen Theropoda und Ornithischia eine der kontroversesten Debatten der modernen Paläontologie ausgelöst hat.
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Erstbeschreibung (Nature)
Novas et al., Nature 522(7556):331–334
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Occurrence (PBDB)
col:83734, Toqui Fm., Aysén, Chile
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Taxonomische Opinions
2 Genus + 4 Species (PBDB-Erfassung unvollständig)
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Zeitstellung (Tithonium)
Oberjura, Toqui-Formation
TAXONOMIE

Taxonomie und die Ornithischia-Theropoda-Kontroverse

Die systematische Einordnung von Chilesaurus gehört zu den kontroversesten Fragen der Dinosaurier-Paläontologie. In der PBDB (txn:319906) sind nur 2 Genus-Level-Opinions registriert: Die Erstbeschreibung durch Novas et al. (2015, opn:568925) ordnet Chilesaurus den Tetanurae zu (typ=U). Die aktuelle Klassifikation (opn:807567, typ=C) durch Dieudonné et al. (2020, Historical Biology, DOI: 10.1080/08912963.2020.1793979) stellt ihn dagegen direkt unter Ornithischia — ohne Familie, ohne Ordnung.

Dieser Wechsel von Saurischia (Theropoda/Tetanurae) zu Ornithischia ist bemerkenswert, da er die fundamentale Zweiteilung der Dinosaurier betrifft. Die Schlüsselpublikation für diese Uminterpretation war Baron & Barrett (2017, Biology Letters), die Chilesaurus als möglichen basalen Ornithischier identifizierten — diese Arbeit ist allerdings nicht als eigene PBDB-Opinion registriert. Insgesamt sind in der PBDB nur 6 Opinions verzeichnet (2 Genus + 4 Species), was für ein in Nature beschriebenes Taxon ungewöhnlich niedrig ist und auf eine unvollständige Opinions-Erfassung hindeutet.

Die Debatte ist nicht abgeschlossen. Chilesaurus hat in PBDB keine zugewiesene Familie (NO_FAMILY_SPECIFIED) und keine zugewiesene Ordnung (NO_ORDER_SPECIFIED). Sein direkter übergeordneter Eintrag ist Ornithischia (txn:38712) selbst — er steht also taxonomisch isoliert an der Basis einer der beiden großen Dinosaurier-Linien. Diese Unsicherheit macht Chilesaurus zu einem Schlüsseltaxon für das Verständnis der frühen Dinosaurier-Evolution.

FUNDORTE

Verbreitung und Fundorte

Der einzige registrierte Fundort ist die Collection col:83734 „Aysén" in der Region Aisén, Provinz General Carrera, Chile (46,65°S, 72,38°W; Paläokoordinaten: 55,31°S, 26,28°W). Die Fossilien stammen aus der Toqui-Formation, einer vulkaniklastischen Sandsteinablagerung in einem fluvial-deltaischen Milieu. Die Collection-Referenz ist Salgado et al. 2008 (ref:28072, Journal of Vertebrate Paleontology 28(2):529–534), die die ersten jurassischen Dinosaurierknochen aus Chile dokumentierten. Am selben Fundort sind 8 weitere Taxa registriert, darunter Diplodocidae, Diplodocinae, Sauropoda und ?Titanosauriformes (Sauropoden), Burkesuchus mallingrandensis (ein Krokodylomorpher, beschrieben 2021 in Scientific Reports), sowie die Ichnofossilien Skolithos und Thalassinoides und das fossile Nadelholz Podocarpoxylon.

Fundort
ENTDECKUNG

Forschungsgeschichte

2004

2004 entdeckte Diego Suárez jurassische Dinosaurierknochen in der Toqui-Formation, Region Aysén. Die wissenschaftliche Erstdokumentation des Fundorts erfolgte durch Salgado et al. 2008 (ref:28072, JVP 28(2):529–534) — die ersten jurassischen Dinosaurierfossilien aus Chile.

2015

Novas et al. (2015, ref:55192) beschrieben das Material in Nature 522(7556):331–334 als Chilesaurus diegosuarezi gen. et sp. nov. und ordneten es als basalen Tetanuren (Theropoda) ein — einen sekundär herbivoren Raubdinosaurier. DOI: 10.1038/nature14307.

2017

Baron & Barrett (2017, Biology Letters) reinterpretierten Chilesaurus als basalen Ornithischier. Dieudonné et al. (2020, Historical Biology) übernahmen diese Position als aktuelle PBDB-Klassifikation (opn:807567). Die Debatte Theropoda vs. Ornithischia ist nicht abgeschlossen.

Weiter forschen

Chilesaurus steht an der Schnittstelle zwischen Theropoda und Ornithischia — eine Position, die unser Verständnis der Dinosaurier-Evolution grundlegend in Frage stellt. Entdecke weitere Dinosaurier mit überraschender Klassifikationsgeschichte.

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Häufig gestellte Fragen zu Chilesaurus

Die PBDB kodiert Chilesaurus als Herbivoren innerhalb der Ornithischia. Die Erstbeschreibung (Novas et al. 2015, Nature) ordnete ihn jedoch als basalen Tetanuren ein — also als Theropoden, der sekundär pflanzenfressend wurde. Die aktuelle PBDB-Klassifikation (Dieudonné et al. 2020) folgt der Hypothese von Baron & Barrett (2017), die Chilesaurus als basalen Ornithischier interpretieren. Beide Seiten sind sich einig, dass er ein Pflanzenfresser war — die Frage ist, aus welcher Linie er stammt.

In der PBDB ist für Chilesaurus weder eine Familie noch eine Ordnung angegeben (NO_FAMILY_SPECIFIED, NO_ORDER_SPECIFIED). Sein übergeordneter Eintrag ist direkt Ornithischia (txn:38712). Das spiegelt die taxonomische Unsicherheit wider: Chilesaurus lässt sich keiner etablierten Familie zuordnen und steht isoliert an der Basis der Ornithischia.

Die ersten jurassischen Dinosaurierknochen aus der Toqui-Formation wurden 2004 von Diego Suárez gefunden, nach dem die Art benannt ist. Die wissenschaftliche Dokumentation des Fundortes begann mit Salgado et al. 2008 (ref:28072). Die formale Erstbeschreibung als Chilesaurus diegosuarezi erfolgte 2015 durch Novas et al. in Nature (ref:55192).

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