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Troodon formosus

Troodon formosus

Der Dinosaurier mit dem größten Gehirn

Das Superhirn der Kreidezeit

Troodon formosus ist einer der faszinierendsten Dinosaurier überhaupt – und einer der umstrittensten. Kein anderer nicht-fliegender Dinosaurier hatte ein so großes Gehirn im Verhältnis zu seinem Körper. Dazu kamen riesige, nach vorne gerichtete Augen, eine retrahierbare Sichelkralle am Fuß und ein Gebiss, das weder rein carnivor noch rein herbivor war.

Mit einer Länge von etwa 2,4 Metern und einem Gewicht von rund 50 kg war Troodon kein Riese – aber er war schlau, schnell und anpassungsfähig. Fossilien von Troodon wurden in Kanada, den USA und sogar in der Arktis Alaskas gefunden. Seine Geschichte begann 1856 mit einem einzigen Zahn – und diese Geschichte ist bis heute nicht zu Ende erzählt.

Denn ob Troodon überhaupt ein gültiger Name ist, darüber streiten Forschende seit 2011. Der berühmte Holotyp – also das Exemplar, das den Namen trägt – ist nur ein einzelner Zahn. Manche halten das für zu wenig, um eine ganze Art zu definieren.

Der Dinosaurier mit dem größten Gehirn
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Länge
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Gewicht
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Geschwindigkeit (geschätzt)
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Funde in der PBDB
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Anatomie – Gebaut zum Jagen

Gehirn

Troodons Gehirn war – gemessen am Körpergewicht – das größte aller nicht-fliegenden Dinosaurier. Der sogenannte Enzephalisationsquotient (EQ) liegt bei etwa 5,8 auf der Reptilienskala. Das ist vergleichbar mit modernen Straußen oder Emus. Zum Vergleich: Ein T. rex hatte einen EQ von etwa 2,4.

Augen und Sinne

Die extrem großen Augenhöhlen deuten auf hervorragendes Sehen bei wenig Licht hin. Anders als bei den meisten Dinosauriern waren die Augen nach vorne gerichtet – das ermöglichte binokulares Sehen mit Tiefenwahrnehmung, wie bei Eulen. Auch die Ohren waren ungewöhnlich: Vergrößerte Mittelohrhöhlen sprechen für sehr gutes Gehör.

Zähne und Ernährung

122 Zähne mit feinen, apikal orientierten Serrationen (Zacken) machten Troodons Gebiss einzigartig. Die Form erinnert teils an Pflanzenfresser, teils an Fleischfresser. Die PBDB führt Troodon als „carnivore, omnivore" – ein Allesfresser, der sich flexibel ernähren konnte. Gastric Pellets (eine Art Gewölle) vom Egg Mountain enthielten Knochen des kleinen Säugetiers Alphadon – ein Beleg für Kleinsäuger-Jagd.

Beine und Geschwindigkeit

Lange, schlanke Hinterbeine mit einem hohen Tibia-zu-Femur-Verhältnis machten Troodon zu einem exzellenten Läufer. Die geschätzte Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 50 km/h. Am zweiten Zeh saß eine retrahierbare Sichelkralle – kleiner als bei den Dromaeosauriden (Raptoren), aber nach dem gleichen Prinzip: beim Laufen hochgeklappt, beim Angriff heruntergerammt.

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Größenvergleich

Mensch (1,80 m)
Großer Hund
Troodon
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Leben und Verhalten

Nester und Eier

Troodon baute schüsselförmige Nester mit erhöhtem Rand und legte bis zu 24 Eier pro Gelege – immer 2 gleichzeitig. Die Eier standen steil und waren bilateral symmetrisch angeordnet.

Noch besonderer: Knochenuntersuchungen der brütenden Adulten zeigen, dass die Väter brüteten – nicht die Mütter. Dieses Muster kennt man heute von einigen Vögeln mit großen Gelegen, zum Beispiel Nandus.

Väterliche Brutpflege

Nachtjäger?

Die riesigen Augen, das binokulare Sehen und das scharfe Gehör deuten auf einen dämmerungs- oder nachtaktiven Jäger hin. Gastric Pellets belegen die Jagd auf kleine Säugetiere wie Alphadon halleyi – bis zu 11 Individuen in einem einzigen Gewölle.

In der Arktis Alaskas war Troodon der häufigste Theropod – 63% aller Raubdino-Zähne gehörten ihm. Die monatelange Polarnacht war für einen Nachtjäger wohl kein Problem.

Dämmerungsaktiv

Lebensraum

Troodon lebte in sehr unterschiedlichen Umgebungen: von trockenen Vorländern in Montana (Two Medicine Formation) über Flusslandschaften in Alberta bis zu arktischen Regionen in Alaska (Prince Creek Formation, 69°N Paläobreite).

Am Egg Mountain in Montana nisteten mehrere Troodon-Paare auf engem Raum – und das über mehrere Jahre hinweg in übereinander liegenden Nisthorizonten. Eine Kolonie!

Anpassungsfähig

Größe und Wachstum

Standard-Troodon aus Montana waren etwa 2,4 m lang und wogen rund 50 kg – etwa so schwer wie ein großer Labrador. Die Hüfthöhe lag bei etwa 1 m.

Die Knochen zeigen fibrolamellaren Knochen – ein Zeichen für schnelles Wachstum. Troodon erreichte seine Erwachsenengröße in nur 3–5 Jahren. Die Alaskan-Form war fast doppelt so groß (Zähne 2× so groß wie Montana-Material).

2,4 m lang
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Fundorte

Fundort
Hauptfundort
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Die Geschichte der Entdeckung

1856

Erstbeschreibung

Joseph Leidy beschreibt einen einzelnen Zahn aus Montana als neues Tier: Troodon formosus. Er hält es für eine Eidechse – nicht für einen Dinosaurier.

1987

Synonymisierung

Phil Currie erkennt, dass Stenonychosaurus und Polyodontosaurus eigentlich Troodon sind. Plötzlich hat Troodon nicht mehr nur einen Zahn, sondern ganze Skelette.

2008

Väterliche Brutpflege

Varricchio und Kollegen zeigen in Science, dass bei Troodon die Väter gebrütet haben – nicht die Mütter. Das kennt man sonst nur von bestimmten Vögeln.

2017

Nomen dubium

Van der Reest und Currie erklären, dass der einzelne Holotyp-Zahn nicht reicht, um Troodon sicher zu identifizieren. Sie beleben den alten Namen Stenonychosaurus wieder.

2025

Neotyp-Vorschlag

Varricchio und Kollegen beschreiben 6 neue Exemplare aus Montana und schlagen vor, ein besseres Fossil als neuen Namensträger festzulegen. Damit wäre Troodon wieder gültig.

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