
Patagotitan
Einer der größten und am besten erforschten Titanosaurier
Ein Gigant wird entdeckt
Im Jahr 2010 suchte der Farmarbeiter Aurelio Hernández auf einer Ranch in Patagonien nach Schafen – und fand stattdessen einen riesigen Knochen, der aus dem Wüstenboden ragte. Es war der Oberschenkelknochen eines der größten Dinosaurier, die je gelebt haben: Patagotitan mayorum.
Zwischen 2013 und 2015 bargen Forscher bei sieben Expeditionen über 200 Fossilien. Darunter waren 130 Knochen von mindestens sechs verschiedenen Patagotitan-Individuen – ein unglaublicher Fund! Außerdem fanden sie 57 Zähne von Raubsauriern, die wahrscheinlich die Kadaver der Riesen gefressen haben.
2017 bekam der Dinosaurier endlich seinen Namen: Patagotitan mayorum – „Titan Patagoniens". Der Artname ehrt die Familie Mayo, der die Ranch gehörte. Lustige Randnotiz: Ein Skelettabguss wurde schon 2016 in New York ausgestellt – ein ganzes Jahr bevor der Dino überhaupt seinen Namen hatte!
Anatomie – Gebaut zum Jagen
Riesige Knochen
Der Oberschenkelknochen (Femur) des Patagotitan misst 238 cm – so lang wie ein großes Bett! Der Oberarmknochen (Humerus) ist 167,5 cm lang, etwa so groß wie ein erwachsener Mensch. Die Rückenwirbel haben eine besondere Eigenschaft: Zwischen dem 3. und 4. Wirbel gibt es eine Verbindung (Hyposphen-Hypantrum), die bei den meisten Titanosauriern verloren gegangen ist.
Wie schwer war er wirklich?
Die Gewichtsschätzungen haben sich über die Jahre stark verändert! 2014 hieß es in der Presse: 77 Tonnen. 2017 schätzten die Beschreiber 69 Tonnen. 2020 revidierten Otero und Kollegen auf durchschnittlich 57 Tonnen. Der Patagotitan war also riesig – aber nicht ganz so schwer, wie anfangs gedacht. Das zeigt, wie schwierig Gewichtsschätzungen bei ausgestorbenen Tieren sind.
Noch nicht ausgewachsen!
Knochenuntersuchungen zeigen etwas Erstaunliches: Alle sechs gefundenen Individuen waren junge Erwachsene, die noch wuchsen! Sie hatten ihr Wachstum zwar verlangsamt, aber noch nicht gestoppt. Das bedeutet: Ausgewachsene Patagotitan wären sogar noch größer gewesen.
Verwandtschaft mit Argentinosaurus
Patagotitan gehört zur Gruppe der Lognkosauria und ist der nächste bekannte Verwandte von Argentinosaurus. Beide teilen ein besonderes Merkmal: verlängerte Dornfortsätze an den vorderen Rückenwirbeln. Allerdings hat Argentinosaurus eine deutlich längere Wirbelsäule (447 cm vs. 367 cm) – er war wahrscheinlich das größere Tier.
Größenvergleich
Leben und Verhalten
Ernährung
Der Patagotitan war ein Pflanzenfresser (Herbivore) mit bleistiftförmigen Zähnen, die er zum Abstreifen von Blättern nutzte – nicht zum Kauen. Er fraß wahrscheinlich Nadelbäume, Farne und frühe Blütenpflanzen.
Von ihm ist nur ein einziger Zahn erhalten. Da kein Schädel gefunden wurde, lässt sich seine genaue Ernährung nur anhand verwandter Arten einschätzen.
PflanzenfresserFortpflanzung
Wie alle Titanosaurier legte der Patagotitan Eier. Direkte Ei-Funde gibt es von ihm nicht, aber verwandte Titanosaurier legten 20 bis 40 Eier pro Gelege, jedes etwa 13–15 cm groß.
Die Knochenuntersuchungen zeigen, dass alle gefundenen Tiere noch wuchsen – sie wurden also geschlechtsreif, bevor sie ihre volle Größe erreichten.
EierlegendFeinde
Im Steinbruch fanden Forscher 57 Zähne von Raubsauriern – wahrscheinlich von Tyrannotitan, einem großen Carcharodontosauriden. Die Raubtiere fraßen wohl die Kadaver oder jagten Jungtiere.
Der Patagotitan war als ausgewachsenes Tier vermutlich zu groß für jeden Angreifer. Aber junge, noch wachsende Tiere waren verwundbar.
Tyrannotitan als FeindBerühmte Ausstellungen
Kaum ein anderer Dinosaurier ist in so vielen Museen zu sehen! Skelettabgüsse stehen im American Museum of Natural History (New York), im Field Museum (Chicago, dort heißt er „Máximo") und im Natural History Museum (London).
Seit 2023 gibt es auch einen Abguss im MEF-Museum in Trelew, Argentinien – direkt in der Nähe des Fundorts. Erstmals konnte man Patagotitan in seiner Heimat bestaunen!
Weltweit ausgestelltFundorte
Die Geschichte der Entdeckung
Entdeckung
Der Farmarbeiter Aurelio Hernández findet auf einer Ranch in Patagonien beim Schafehüten einen riesigen Knochen, der aus dem Wüstenboden ragt.
Grabungsbeginn
Forscher beginnen mit der systematischen Grabung. Insgesamt werden bei sieben Expeditionen bis 2015 über 200 Fossilien geborgen – darunter Knochen von mindestens sechs Riesensauriern.
Mediensensation
Erste Berichte über den Fund gehen um die Welt: „77 Tonnen, das größte Tier aller Zeiten!" Die Zahlen sind allerdings nur vorläufige Schätzungen – der Dino hat noch nicht einmal einen Namen.
AMNH-Ausstellung
Ein Skelettabguss wird im American Museum of Natural History in New York aufgestellt – ein Jahr bevor der Dinosaurier überhaupt seinen wissenschaftlichen Namen bekommt!
Erstbeschreibung
Endlich bekommt der Riese seinen Namen: Patagotitan mayorum – „Titan Patagoniens". Die Forscher schätzen sein Gewicht auf 69 Tonnen und ordnen ihn als engen Verwandten von Argentinosaurus ein.
Gewichtsrevision
Neue Berechnungen korrigieren das Gewicht deutlich nach unten: durchschnittlich 57 Tonnen statt 69. Das zeigt, wie schwierig Gewichtsschätzungen bei ausgestorbenen Tieren sind.
Noch größerer Fund
Forscher berichten über einen noch unbenannten Titanosaurier (MOZ-Pv 1221), dessen Knochen 10–17 % größer sind als die des Patagotitan. War er der wahre Rekordhalter?
Heimkehr nach Argentinien
Erstmals wird ein Patagotitan-Abguss in Argentinien ausgestellt – im MEF-Museum in Trelew, nur wenige Stunden vom Fundort entfernt. Endlich kann man ihn in seiner Heimat bestaunen!
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