
Allosaurus
Der Spitzenräuber des späten Jura
Der gefährlichste Jäger seiner Zeit
Lange bevor der berühmte T. rex die Erde beherrschte, war der Allosaurus der größte Fleischfresser auf dem nordamerikanischen Kontinent. Er lebte vor etwa 155 bis 145 Millionen Jahren im späten Jura und war ein hochspezialisierter Jäger.
Mit einer Länge von bis zu 9,7 Metern und einem Gewicht von rund 1.500 Kilogramm war der Allosaurus ein beeindruckender Raubsaurier. Sein Name bedeutet „andere Echse", weil seine Wirbel anders aussahen als die aller bisher bekannten Dinosaurier. Besonders auffällig: die beiden Hörnchen über seinen Augen, die vermutlich der Artkennung dienten.
Am berühmtesten ist die Fundstelle Cleveland-Lloyd in Utah. Dort wurden die Überreste von mindestens 46 Allosauriern gefunden – die größte Ansammlung von Raubsauriern weltweit! Forscher vermuten, dass eine Dürre die Tiere an einen schrumpfenden Wassertümpel trieb, wo sie verendeten.
Anatomie – Gebaut zum Jagen
Schädel und Kiefer
Der Schädel des Allosaurus war leicht gebaut, aber extrem stabil. Sein Maul konnte sich bis zu 92° weit öffnen – fast im rechten Winkel! Damit konnte er wie ein Beil zuschlagen. Sein Schädel hielt dabei Kräfte von bis zu 55.500 Newton aus.
Zähne
66 bis 78 gebogene, scharfe Zähne säumten sein Maul. Anders als beim T. rex waren sie nicht zum Knochenbrechen gemacht, sondern zum Schneiden – wie Steakmesser. Jeder Zahn wurde etwa alle 104 Tage ersetzt, sodass immer scharfer Nachschub bereitstand.
Arme und Krallen
Im Gegensatz zum T. rex hatte der Allosaurus kräftige, lange Arme mit drei Fingern und scharfen Krallen. Die Krallen an Finger I waren bis zu 15 cm lang. Diese Arme waren eine echte Waffe bei der Jagd auf große Pflanzenfresser.
Körperbau und Geschwindigkeit
Auf zwei muskulösen Hinterbeinen erreichte der Allosaurus Geschwindigkeiten von rund 34 km/h. Das entspricht einem schnellen Fahrradfahrer. Sein langer Schwanz diente als Gegengewicht und half bei schnellen Richtungswechseln.
Größenvergleich
Leben und Verhalten
Jagdstrategie
Der Allosaurus jagte vermutlich nach dem sogenannten Strike-and-Tear-Prinzip: Er riss sein Maul auf und schlug mit dem Oberkiefer wie mit einem Beil zu. Damit riss er große Fleischstücke aus seiner Beute.
Biomechanische Studien (Snively et al., 2013) zeigen, dass sein Schädel eher auf Geschwindigkeit als auf rohe Kraft ausgelegt war – ähnlich wie ein Falke, der im Sturzflug zuschlägt.
RaubtierFortpflanzung und Wachstum
Wie alle Dinosaurier legte der Allosaurus Eier. Eischalenfragmente aus der Morrison-Formation könnten zu ihm gehören, sind aber nicht sicher zugeordnet.
Allosaurier wurden mit etwa 10 Jahren geschlechtsreif (Lee & Werning, 2008). Bis dahin wuchsen sie rasant, wie Wachstumsringe in fossilen Knochen zeigen.
EntwicklungLebenserwartung
Die ältesten bekannten Allosaurus-Exemplare wurden schätzungsweise 22 bis 28 Jahre alt. Das verraten Wachstumsringe in ihren Knochen, die wie Baumringe funktionieren.
Das berühmte Fossil „Big Al" (Exemplar MOR 693) starb im Alter von etwa 8 Jahren. An seinen Knochen fand man 19 Verletzungen – darunter Brüche und Infektionen.
AlterLebensraum
Der Allosaurus lebte in der Morrison-Formation – einer riesigen Landschaft mit Flüssen, Seen und Nadelwäldern im Westen Nordamerikas.
Er teilte seinen Lebensraum mit riesigen Pflanzenfressern wie Diplodocus, Stegosaurus und Brachiosaurus. In Portugal (Lourinhã-Formation) wurde die Art A. europaeus beschrieben – ob sie wirklich ein eigener Allosaurus ist, wird aber noch diskutiert.
LebensraumFundorte
Die Geschichte der Entdeckung
Erstbeschreibung
Der Paläontologe Othniel Charles Marsh beschrieb den Allosaurus anhand einiger ungewöhnlicher Wirbel aus Colorado. Der Name bedeutet „andere Echse", weil die Wirbel anders aussahen als bei allen bekannten Dinosauriern.
Cleveland-Lloyd entdeckt
In Utah wurde eine außergewöhnliche Fundstelle entdeckt: die Cleveland-Lloyd Dinosaur Quarry. Dort lagen die Knochen von mindestens 46 Allosauriern – die größte Ansammlung von Raubsauriern, die je gefunden wurde.
Big Al
In Wyoming wurde „Big Al" entdeckt – ein junger Allosaurus, der mit nur 8 Jahren starb. An seinen Knochen fanden Forscher 19 Verletzungen: Knochenbrüche, Infektionen und Stressfrakturen. Ein hartes Dinosaurierleben!
Frühestes Auftreten
Vor rund 155 Millionen Jahren tauchten die ersten Allosaurier auf. Sie lebten in einer Landschaft mit Flüssen, Seen und Nadelwäldern im heutigen Westen Nordamerikas.
Aussterben
Vor rund 145 Millionen Jahren verschwand der Allosaurus. Der Übergang vom Jura zur Kreidezeit brachte neue Raubtiere hervor – darunter die Vorfahren des T. rex.
A. europaeus
In Portugal wurde eine eigene Allosaurus-Art beschrieben: Allosaurus europaeus. Das beweist, dass der Allosaurus nicht nur in Nordamerika lebte, sondern auch in Europa – die Kontinente waren damals noch näher beieinander.
Neotyp festgelegt
Nach jahrelanger Diskussion legte eine internationale Kommission (ICZN) einen neuen Referenzknochen für den Allosaurus fest. So wurde klargestellt, welcher Fund offiziell als „der Allosaurus" gilt.
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