
Amargasaurus cazaui
Der kleine Langhals mit dem großen Halssegel
Ein Sauropode wie kein anderer
Stell dir einen Dinosaurier vor, der aussieht wie ein Langhals – aber mit einem spektakulären Hautsegel am Hals. Das war Amargasaurus, einer der ungewöhnlichsten Pflanzenfresser der Kreidezeit.
Mit nur 9 Metern Länge und rund 2,6 Tonnen Gewicht war er ein Leichtgewicht unter den Sauropoden – kaum schwerer als ein großer SUV und zehnmal leichter als sein Verwandter Diplodocus. Dafür hatte er etwas, das kein anderer Dinosaurier so besaß: zwei Reihen langer Knochenfortsätze am Hals, verbunden durch ein Hautsegel.
Entdeckt wurde er 1984 in Argentinien. Sein Name bedeutet „bittere Echse" – benannt nach dem Fluss La Amarga (spanisch für „die Bittere"), in dessen Nähe er gefunden wurde.
Anatomie – Gebaut zum Jagen
Das Halssegel
Ab dem 3. Halswirbel ragten zwei Reihen langer Knochenfortsätze (Neuralfortsätze genannt) nach oben – der höchste am 8. Halswirbel maß rund 60 cm. Forscher stritten lange: Waren das freistehende Stacheln oder ein Segel? Eine Studie von 2022 (Cerda et al.) löste das Rätsel: Spuren von Bindegewebe zeigen, dass die Knochen durch Bänder und Haut verbunden waren – also ein Segel!
Kurzer Hals für einen Langhals
Der Hals von Amargasaurus war nur etwa 2,4 Meter lang – extrem kurz für einen Sauropoden. Zum Vergleich: Bei Diplodocus war der Hals rund 6 Meter lang. Der kurze Hals ist typisch für die Dicraeosauridae, die Familie, zu der Amargasaurus gehört. Das Segel schränkte die Beweglichkeit des Halses zusätzlich ein.
Gehirn und Sinne
Per CT-Scan haben Forscher das Gehirn von Amargasaurus vermessen: Es war nur 94–98 Milliliter groß – kleiner als ein Tennisball! Das Innenohr war relativ klein, was auf ein schlechteres Gehör als bei anderen Sauropoden hindeutet. Dafür waren die Augenhöhlen groß – vielleicht konnte er gut sehen.
Paddelförmige Rückenfortsätze
Nicht nur der Hals war besonders: An den hinteren Rückenwirbeln und den vorderen Schwanzwirbeln hatte Amargasaurus verlängerte Knochenfortsätze mit paddelförmig verbreiterten Enden. Anders als die Halsstacheln waren diese nicht gegabelt. Ihre Funktion ist noch unbekannt.
Größenvergleich
Leben und Verhalten
Ernährung: Niedriger Futterer
Amargasaurus konnte seinen Kopf in normaler Haltung nur etwa 80 cm über den Boden halten. Selbst wenn er sich streckte, erreichte er maximal 2,7 Meter Höhe – weniger als ein T. rex! Das zeigt: Er fraß am Boden.
Als Pflanzenfresser ernährte er sich wahrscheinlich von Farnen und anderen niedrigen Pflanzen. Seine Zähne waren vermutlich stiftförmig, typisch für seine Verwandtschaftsgruppe – perfekt zum Abzupfen von Blättern.
NiedrigbrowserFortpflanzung
Wie alle Sauropoden legte Amargasaurus Eier. Im Verhältnis zur Körpergröße waren diese bei Sauropoden relativ klein.
Über Nester oder Brutpflege ist bei Amargasaurus nichts bekannt – es wurde bisher nur ein einziges Tier gefunden.
EierlegendAlter und Wachstum
Forscher haben die Knochen des einzigen bekannten Amargasaurus unter dem Mikroskop untersucht (Windholz & Cerda 2021). Ergebnis: Das Tier war mindestens 10 Jahre alt und bereits geschlechtsreif.
Überraschend: Es war aber noch nicht ausgewachsen! Ein erwachsener Amargasaurus könnte also noch größer gewesen sein als die geschätzten 9 Meter.
Mindestens 10 JahreLebensraum
Amargasaurus lebte vor etwa 126–121 Millionen Jahren in der heutigen Provinz Neuquén in Argentinien. Das Klima war damals halbtrocken mit Flusslandschaften.
Er teilte seinen Lebensraum mit mindestens drei anderen Sauropoden – darunter Amargatitanis und Zapalasaurus. Wie diese Riesen ihre Nahrung aufteilten, ist eine spannende Forschungsfrage.
Argentinien, UnterkreideFundorte
Die Geschichte der Entdeckung
Lebenszeit
Amargasaurus lebt in einer halbtrockenen Flusslandschaft im heutigen Argentinien. Er teilt seinen Lebensraum mit mindestens drei anderen Sauropoden-Arten.
Hinweis Cazau
Der Geologe Luis Cazau macht Forscher auf die La Amarga Formation in Argentinien aufmerksam.
Erstfund
Guillermo Rougier entdeckt in Argentinien ein fast vollständiges Sauropoden-Skelett mit spektakulären Halsstacheln.
Erstbeschreibung
Salgado und Bonaparte beschreiben das Tier offiziell als Amargasaurus cazaui – benannt nach dem Fluss La Amarga und dem Geologen Luis Cazau.
Stachel-Hypothese
Die Erstbeschreiber revidieren ihre Meinung: Statt eines Segels schlagen sie nun freistehende, keratinbedeckte Stacheln vor.
CT-Scan Gehirn
Forscher erstellen per CT-Scan ein 3D-Modell des Gehirns und rekonstruieren die Kopfhaltung: Amargasaurus hielt den Kopf nur 80 cm über dem Boden!
Bajadasaurus
Die Entdeckung von Bajadasaurus – einem Verwandten mit nach vorne gebogenen Stacheln – heizt die Debatte um Stacheln vs. Segel wieder an.
Segel bestätigt
Knochen-Untersuchungen zeigen: Das einzige bekannte Tier war mindestens 10 Jahre alt, aber noch nicht ausgewachsen. Und 2022 löst eine Studie das Segel-Rätsel: Es WAR ein Segel!