
Stegosaurus
Der gepanzerte Pflanzenfresser des Oberen Jura
Platten, Stacheln und ein winziges Gehirn
Der Stegosaurus ist einer der bekanntesten Dinosaurier überhaupt – und einer der ungewöhnlichsten. Sein Name bedeutet „Dachechse", weil sein Entdecker O.C. Marsh 1877 glaubte, die großen Knochenplatten hätten flach auf dem Rücken gelegen wie Dachschindeln. Heute wissen wir: Sie standen aufrecht in einer Zickzack-Reihe.
Mit bis zu 6,5 Metern Länge und rund 3.500 Kilogramm war der Stegosaurus so schwer wie ein Nilpferd. Sein Kopf war dagegen winzig – nur 40 Zentimeter lang bei einem Körper so groß wie ein SUV. Sein Gehirn wog gerade mal 80 Gramm, weniger als eine Tafel Schokolade.
Trotzdem war Stegosaurus alles andere als ein Verlierer: Er überlebte mehrere Millionen Jahre, hatte eine tödliche Schwanzwaffe und lebte möglicherweise in Herden. Seine Fossilien stammen vor allem aus Colorado und Wyoming (USA) – aber auch aus Portugal.
Anatomie – Gebaut zum Jagen
Die Rückenplatten
17 bis 22 drachenförmige Knochenplatten standen in einer versetzten Doppelreihe (Zickzack) vom Hals bis zum Schwanz – keine zwei waren gleich! Die größten Platten saßen über den Hüften und waren über 60 cm breit und hoch. CT-Scans zeigen, dass sie von Blutgefäßen durchzogen waren. Ihre Hauptfunktion war vermutlich das Beeindrucken von Artgenossen – vielleicht halfen sie auch bei der Temperaturregelung.
Der Thagomizer – die Schwanzwaffe
Am Schwanzende saßen 4 spitze Knochenstacheln, jeweils 60–90 cm lang und im Leben von Hornhaut umhüllt – also noch länger und schärfer. Der Schwanz war ungewöhnlich flexibel (keine verknöcherten Sehnen) und konnte so heftig zuschlagen, dass er Allosaurus-Knochen durchbohrte. Das ist kein Witz: Man hat einen Allosaurus-Wirbel mit genau passender Einstichwunde gefunden!
Der winzige Kopf
Bei einem Tier so groß wie ein Elefant war der Schädel nur 40 cm lang – flach und dreieckig. Vorne saß ein zahnloser Hornschnabel, hinten kleine stiftförmige Zähne. Die Beißkraft lag bei 140–275 Newton – weniger als die Hälfte eines Labradors. Aber das reichte, um Zweige bis 12 mm Durchmesser zu zerbeißen.
Das Gehirn
Das Gehirn wog nur 70–80 Gramm bei 3,5 Tonnen Körpergewicht – eines der niedrigsten Gehirn-Körper-Verhältnisse aller bekannten Dinosaurier. Übrigens: Das „zweite Gehirn im Hinterteil" ist ein Mythos! Der Hohlraum im Becken enthielt wahrscheinlich einen Energiespeicher (Glykogenkörper), wie ihn auch heutige Vögel haben.
Größenvergleich
Leben und Verhalten
Verteidigung
Stegosaurus war ein friedlicher Pflanzenfresser – aber wehrlos war er nicht. Seine vier Schwanzstacheln (heute Thagomizer genannt) konnten tödliche Treffer landen. 10% aller untersuchten Stacheln zeigen abgebrochene und wieder verheilte Spitzen – ein Zeichen für häufigen Kampfeinsatz.
Der Paläontologe Robert Bakker vermutet, dass Stegosaurus sich auf den Hinterbeinen drehte und mit den kurzen, muskulösen Vorderbeinen Schwung holte, um den Schwanz blitzschnell zum Angreifer zu schwenken.
ThagomizerErnährung
Stegosaurus fraß Farne, Palmfarne, Schachtelhalme und die Blätter niedriger Koniferen – Blütenpflanzen gab es noch nicht. Mit seinem zahnlosen Schnabel rupfte er Pflanzen ab, die kleinen Backenzähne zermahlten sie dann.
Sein Kiefer konnte sich nur auf und ab bewegen, nicht seitlich – wie bei Kühen. Aber die Beißkraft reichte für grüne Zweige bis 12 mm.
PflanzenfresserHerdenverhalten
Fußspuren aus Colorado zeigen Gruppen verschiedener Altersklassen, die in die gleiche Richtung liefen – kleine Stegosaurier zusammen mit großen. In Montana fand man mehrere Skelette an einer Stelle.
Ob Stegosaurier wirklich in organisierten Herden lebten oder sich nur zufällig am selben Ort aufhielten, ist aber noch nicht sicher bewiesen.
Möglicherweise sozialLebensraum
Stegosaurus lebte in der Morrison Formation – einer Landschaft mit flachen Ebenen, Flüssen und wechselnden Nass- und Trockenzeiten. Die Pflanzenwelt bestand aus Koniferen, Farnen, Ginkgos und Schachtelhalmen.
Sein größter Feind war der Allosaurus, ein bis zu 9 Meter langer Raubdinosaurier. Auch Ceratosaurus und Torvosaurus lebten in seiner Nachbarschaft.
Oberer JuraFundorte
Die Geschichte der Entdeckung
Stegosaurus erscheint
Vor etwa 155 Millionen Jahren lebte der Stegosaurus im Oberen Jura. Die Landschaft bestand aus Ebenen mit Flüssen, Farnen und Nadelbäumen – Blütenpflanzen gab es noch nicht.
Ende der Stegosaurus-Ära
Vor etwa 150 Millionen Jahren verschwand der Stegosaurus. Er lebte also nie zusammen mit dem T. rex – zwischen den beiden liegen über 80 Millionen Jahre!
Entdeckung & Erstbeschreibung
1877 fand der Lehrer Arthur Lakes riesige Knochen in Colorado. Professor O.C. Marsh nannte das Tier „Stegosaurus" – „Dachechse" – weil er glaubte, die Platten hätten flach auf dem Rücken gelegen. Das stimmte aber nicht!
Felch-Skelett
1886 wurde bei Garden Park in Colorado ein viel vollständigeres Skelett gefunden. Endlich konnte man sehen, dass die Platten aufrecht in einer Zickzack-Reihe auf dem Rücken standen.
Thagomizer-Name
1982 erfand der Cartoonist Gary Larson in seinem Comic 'The Far Side' das Wort „Thagomizer" für die Schwanzstacheln. 1993 übernahmen echte Wissenschaftler den Namen – einer der seltenen Fälle, in denen ein Comic die Wissenschaft beeinflusst hat!
Beweis für Thagomizer-Einsatz
2005 veröffentlichte der Forscher Carpenter einen sensationellen Fund: einen Allosaurus-Wirbel mit einer Einstichwunde, die perfekt zu einem Stegosaurus-Stachel passt. Der Knochen war verheilt – der Allosaurus überlebte den Treffer also, trug aber eine Infektion davon.
ICZN-Entscheid
2013 entschied eine internationale Kommission, dass der ursprüngliche Name S. armatus nicht mehr gilt, weil die Knochen zu unvollständig sind. Seitdem ist S. stenops die offizielle Typusart.
Apex-Rekordauktion
2024 wurde das riesige Stegosaurus-Skelett „Apex" für unglaubliche 44,6 Millionen Dollar versteigert – der höchste Preis, der je für ein Fossil gezahlt wurde! Apex ist etwa 8,2 Meter lang und steht jetzt im American Museum of Natural History in New York.
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