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Brachiosaurus

Brachiosaurus

Der Riese, der über die Baumwipfel schaute

So hoch wie ein Haus, so schwer wie fünf Elefanten

Stell dir vor, du stehst vor einem vierstöckigen Gebäude – und ein Dinosaurier schaut dir von ganz oben in die Augen. Das war Brachiosaurus: einer der größten Dinosaurier, die je gelebt haben. Mit bis zu 13 Metern Höhe konnte er über die höchsten Bäume schauen.

Sein Name bedeutet „Armechse", weil seine Vorderbeine länger waren als die Hinterbeine – ein besonderes Merkmal seiner Dinosaurier-Familie. Dadurch hatte er eine nach vorn ansteigende Körperhaltung wie eine riesige Giraffe. Er lebte vor etwa 155 bis 145 Millionen Jahren im Oberen Jura, in einer Welt voller Farne, Nadelbäume und Ginkgos.

Berühmt wurde Brachiosaurus auch durch seinen Auftritt in Jurassic Park (1993) – doch fast alle „Brachiosaurus"-Bilder in Büchern und Museen zeigen in Wirklichkeit Giraffatitan, einen nahe verwandten Dinosaurier aus Afrika, der erst 2009 als eigene Art erkannt wurde! Sogar das berühmte Skelett im Berliner Museum für Naturkunde ist kein Brachiosaurus, sondern ein Giraffatitan.

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Gewicht
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Mio. Jahre (Oberer Jura)
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Anatomie – Gebaut zum Jagen

Der gigantische Hals

Der Hals von Brachiosaurus war schätzungsweise 8-9 Meter lang – so lang wie ein Schulbus! Er bestand wahrscheinlich aus 13 riesigen Halswirbeln, die durch Luftkammern (Pneumatisierung) von innen hohl waren. Das sparte Gewicht: Ohne diese Hohlräume hätte der Brachiosaurus seinen eigenen Hals gar nicht tragen können. Allerdings: Vom Hals des nordamerikanischen Brachiosaurus selbst ist kein einziger Wirbel erhalten – die Schätzung basiert auf dem afrikanischen Giraffatitan.

Die besonderen Vorderbeine

Anders als bei den meisten Dinosauriern waren seine Vorderbeine länger als die Hinterbeine – daher der Name „Armechse" (griech. brachion = Arm, saurus = Echse). Der Oberarmknochen (Humerus) war 2,04 Meter lang – so groß wie ein erwachsener Mann! Das Originalstück war sogar noch größer (~2,16 m), aber das Ende war abgewittert.

Luftgefüllte Knochen

Brachiosaurus hatte ein Luftsacksystem, ähnlich wie heutige Vögel. Viele Knochen – besonders die Wirbel und sogar die Rippen – waren von Luftkammern durchzogen (pneumatisiert). 2023 entdeckten Taylor & Wedel sogar bisher unbekannte Luftkammern in den Rippen! Das reduzierte das Gewicht enorm und half bei der Atmung.

Zähne und Ernährung

Brachiosaurus hatte rund 52 meißelförmige (spatulate) Zähne – perfekt zum Abstreifen von Blättern an Zweigen. Wenn ein Zahn abgenutzt war, wuchs ungefähr alle 83 Tage ein neuer nach (D'Emic & Carrano 2020). Er konnte Vegetation in Höhen erreichen, an die kein anderer Dinosaurier herankam – bis zu 9 Meter über dem Boden.

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Größenvergleich

Mensch (1,80 m)
Afrikanischer Elefant (3,30 m)
Brachiosaurus (13,00 m)
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Leben und Verhalten

Ernährung

Brachiosaurus war ein reiner Pflanzenfresser (Herbivor). Mit seinem langen Hals erreichte er die Kronen von Nadelbäumen, Baumfarnen und Ginkgos. Forscher schätzen, dass er täglich 200 bis 400 Kilogramm Pflanzen fressen musste – das sind mehr als 100 volle Einkaufswagen Salat!

Im Oberen Jura gab es noch kein Gras und keine Blütenpflanzen. Brachiosaurus fraß Koniferen, Farne und Ginkgos – Pflanzen, die es auch heute noch gibt. Er teilte sich seinen Lebensraum mit anderen Sauropoden: Diplodocus fraß am Boden, Camarasaurus in mittlerer Höhe, und Brachiosaurus ganz oben.

Pflanzenfresser

Fortpflanzung

Wie alle Sauropoden legte Brachiosaurus Eier. Die Eier verwandter Sauropoden waren erstaunlich klein im Vergleich zum erwachsenen Tier – nur etwa so groß wie ein Handball.

Die Babys wogen beim Schlüpfen vielleicht nur 5-10 kg und mussten auf das 3.500- bis 7.000-Fache ihres Geburtsgewichts heranwachsen – das gefundene Skelett war sogar noch nicht ausgewachsen!

Eierlegend

Lebenserwartung

Forscher schätzen, dass Brachiosaurus 70 bis 100 Jahre alt werden konnte. Allerdings gibt es keine direkten Knochen-Wachstumsringe (LAGs) von Brachiosaurus selbst – die Schätzung basiert auf verwandten Sauropoden.

Wie lang ein Brachiosaurus brauchte, um seine volle Größe zu erreichen, ist unbekannt. Bei anderen Sauropoden dauerte es etwa 20-30 Jahre – eine lange Kindheit!

70-100 Jahre (geschätzt)

Lebensraum

Brachiosaurus lebte im westlichen Nordamerika – in Colorado, Wyoming, Utah und Oklahoma. Sein berühmtester Fundort liegt nahe Fruita bei Grand Junction in Colorado, in der Morrison-Formation. Material aus Tansania gehört heute zur eng verwandten Gattung Giraffatitan.

Vor 150 Millionen Jahren war das Klima warm und saisonal. Brachiosaurus war dort der seltenste der vier großen Sauropoden: Nur 12 Exemplare kennt man, verglichen mit 179 Camarasaurus, 112 Apatosaurus und 98 Diplodocus!

Nordamerika
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Fundorte

Fundort
Hauptfundort
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Die Geschichte der Entdeckung

1883

Schädel in Garden Park gefunden

1883 fand der Fossiliensammler M. P. Felch in seinem Steinbruch in Garden Park, Colorado einen fast vollständigen Sauropoden-Schädel. Er schickte ihn an den berühmten Paläontologen O. C. Marsh, der dachte, es sei ein Brontosaurus-Schädel. Erst 137 Jahre später erkannten Forscher: Der Schädel gehörte wahrscheinlich einem Brachiosaurus!

1900

Holotyp am Unabhängigkeitstag entdeckt

Am 4. Juli 1900 – dem amerikanischen Unabhängigkeitstag – fand Harold William Menke nahe Grand Junction in Colorado einen riesigen Oberarmknochen. Sein Chef, der Paläontologe Elmer S. Riggs, erkannte sofort: Das war etwas Besonderes! Menke rief aus: 'the biggest thing yet!' Der Fund umfasste nur etwa ein Viertel des Skeletts, aber die Knochen waren gigantisch.

1903

Erstbeschreibung durch Riggs

Elmer S. Riggs veröffentlichte die erste Beschreibung und nannte den Dinosaurier Brachiosaurus altithorax – „Armechse mit tiefer Brust". Besonders auffällig: Die Vorderbeine waren länger als die Hinterbeine! Riggs war überzeugt, den „größten bekannten Dinosaurier" gefunden zu haben.

1904

Riggs beweist: Sauropoden waren Landtiere

Damals glaubten die meisten Forscher, riesige Sauropoden hätten im Wasser gelebt – sie seien zu schwer für das Land gewesen. Doch Riggs bewies das Gegenteil: Die hohlen Knochen und die kompakten Füße zeigten, dass Brachiosaurus ein Landtier war. Eine bahnbrechende Erkenntnis!

1909

Riesige Knochen in Afrika entdeckt

Eine deutsche Expedition entdeckte in Tansania (Afrika) riesige Sauropoden-Knochen. Werner Janensch nannte sie 1914 Brachiosaurus brancai. Das Material war viel vollständiger als der amerikanische Fund – und wurde zur Grundlage fast aller bekannten „Brachiosaurus"-Bilder. Das berühmte Berliner Skelett stammt von diesen Funden!

1988

Erste Zweifel am afrikanischen Material

Der Paläokünstler und Forscher Gregory Paul bemerkte als Erster systematisch Unterschiede zwischen dem amerikanischen Brachiosaurus und dem afrikanischen Material. Er schlug vor, sie als Unterarten zu trennen – aber die volle Trennung ließ noch 21 Jahre auf sich warten.

1994

Skelettmontage im Field Museum

Im Field Museum in Chicago wurde das erste vollständige Brachiosaurus-Skelett aus Plastik-Abgüssen zusammengebaut und ausgestellt. Fehlende Knochen wurden anhand des afrikanischen Materials aus Berlin ergänzt – was man damals noch für dieselbe Art hielt.

2001

Wo saß die Nase wirklich?

Jahrzehntelang glaubten Forscher, Brachiosaurus hätte seine Nase oben auf dem Kopf gehabt – wegen der großen Öffnung auf dem Schädel. Doch Lawrence Witmer zeigte 2001: Die fleischigen Nasenlöcher lagen viel weiter vorne, nahe der Schnauze! Die Schädelöffnung oben war ein Raum für Luftsäcke oder Drüsen.

2004

Erster Fund in Oklahoma

Forscher beschrieben den ersten Brachiosaurus-Fund aus dem Oklahoma-Panhandle – dem südlichsten bekannten Fundort überhaupt. Damit war klar: Brachiosaurus lebte in einem größeren Gebiet als bisher angenommen!

2009

Trennung von Giraffatitan

Michael P. Taylor bewies: Das afrikanische Material aus Tansania ist NICHT derselbe Dinosaurier wie der amerikanische Brachiosaurus! Er fand mindestens 26 Unterschiede und gab dem Afrikaner einen eigenen Namen: Giraffatitan brancai. Das berühmte Berliner Skelett zeigt also gar keinen Brachiosaurus!

2011

Körpertemperatur gemessen

Mit einer speziellen Methode (Clumped-Isotope-Thermometrie) konnten Forscher erstmals die Körpertemperatur eines Dinosauriers messen – aus fossilen Zähnen! Das Ergebnis: 36 bis 38 °C, also ähnlich wie bei uns Menschen. Das deutete darauf hin, dass Brachiosaurus wahrscheinlich warmblütig war.

2016

Luftsacksystem rekonstruiert

Forscher rekonstruierten erstmals das komplette Luftsacksystem eines Sauropoden – und nahmen Brachiosaurus als Modell! Die Knochen waren voller Hohlräume, die mit Luftsäcken verbunden waren, genau wie bei heutigen Vögeln. So konnte dieser Riese erstaunlich leicht sein.

2018

Größter Sauropoden-Fuß: 'Bigfoot' aus Wyoming

Aus den Black Hills in Wyoming wurde der größte jemals gefundene Sauropoden-Fuß beschrieben – Spitzname 'Bigfoot'! Der zugehörige Oberschenkelknochen war geschätzt etwa 2% länger als der des Brachiosaurus-Holotyps. Ob es wirklich ein Brachiosaurus war, ist allerdings nicht sicher.

2020

Endlich ein Schädel für Brachiosaurus!

Über 100 Jahre lang hatte Brachiosaurus keinen sicher zugeordneten Schädel. Dann zeigten Forscher mithilfe von CT-Scans, dass ein 1883 gefundener Schädel wahrscheinlich zu Brachiosaurus gehört! Außerdem bestimmten sie, wie schnell seine Zähne nachwuchsen: alle 83 Tage ein neuer Zahn.

2022

War Brachiosaurus warmblütig? Die Debatte

2022 fanden Forscher chemische Spuren in fossilen Knochen, die auf einen vogelähnlichen Stoffwechsel hindeuteten – Brachiosaurus wäre also warmblütig gewesen! Doch 2023 kritisierten andere Forscher die Methode als zu ungenau, und 2024 zeigte eine weitere Studie, dass Sauropoden eher in warmen Klimazonen blieben – was eher gegen echte Warmblütigkeit spricht. Die Debatte ist noch nicht gelöst.

2023

Neue Entdeckungen am Holotyp

Über 120 Jahre nach der Entdeckung fanden Forscher noch etwas Neues am Holotyp-Skelett! Mike Taylor und Matt Wedel entdeckten bisher unbekannte Luftkammern in den Rippen von Brachiosaurus – an unterschiedlichen Stellen! Das zeigt, dass das Luftsack-System sich „opportunistisch" ausbreitete.

2024

Zahnersatz-Evolution entschlüsselt

Eine neue Studie verdoppelte die Datenbasis für Sauropoden-Zahnersatzraten. Das Ergebnis: Brachiosaurus' Rate von ~83 Tagen pro Zahn wurde bestätigt. Die Forscher fanden außerdem, dass die Evolution der Zahnersatzraten komplexer ist als gedacht – es gibt keinen einfachen Zusammenhang zwischen Zahnform und Ersatzgeschwindigkeit.

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