Die Ontogenese-Debatte: Dracorex, Stygimoloch und Pachycephalosaurus
2009 veröffentlichten Horner und Goodwin eine der kontroversesten Hypothesen der jüngeren Dinosaurierforschung: Dracorex hogwartsia (flacher Schädel mit langen Hörnern), Stygimoloch spinifer (hohe Hornkrone, beginnende Kuppel) und Pachycephalosaurus wyomingensis (volle Kuppel, reduzierte Hörner) seien keine drei Gattungen, sondern eine ontogenetische Serie desselben Tieres. Die histologische Analyse zeigte metaplastisches Knochenwachstum mit extremer Remodellierung – Hörner und Knoten werden mit zunehmendem Alter resorbiert, während die Kuppel wächst.
Goodwin und Evans (2016, Journal of Vertebrate Paleontology 36(2): e1078343) untermauerten dies mit der Beschreibung „end-stage" juveniler Pachycephalosaurus-Reste aus der Hell Creek Formation, die signifikant kleiner waren als Dracorex und bereits Squamosalknoten aufwiesen. Sie prägten den Begriff „Ontogimorph" für taxonomisch unterschiedlich benannte Wachstumsstadien.
Für Dracorex wird die Synonymie heute breit akzeptiert. Stygimoloch ist umstrittener: Evans (2021) akzeptierte, dass Stygimoloch möglicherweise eigenständig sei, da alle bekannten Exemplare aus stratigraphisch jüngeren Horizonten der oberen Hell Creek Formation stammen als typische Pachycephalosaurus-Funde. Wroblewski (2024, Lethaia 57(4): 1–10) beschrieb ein Stygimoloch-Squamosum (UW 26525) aus der Ferris Formation in Wyoming – den südlichsten Nachweis, abgelagert rund 320.000 Jahre vor der K/Pg-Grenze – und behandelte S. spinifer als eigenständig, chronostratigraphisch auf die letzten 500.000 Jahre des Maastrichtium beschränkt. Gregory Paul schlug P. spinifer als mögliche zweite Art von Pachycephalosaurus vor. Die Debatte ist nicht abgeschlossen.