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SteckbriefHerbivor

Gongbusaurus

Zwei Arten, zwei Provinzen, ein Nomenklatur-Problem – warum dieser Dinosaurier mehr Fragen aufwirft als er beantwortet

Gongbu-Echse (nach dem chinesischen Ministerium für öffentliche Arbeiten)

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Gongbusaurus gehört zu jenen Dinosaurier-Gattungen, bei denen die taxonomische Unsicherheit größer ist als das gesicherte Wissen. 1983 von Dong Zhiming, Zhou Shiwu und Zhang Huizhong in ihrer Monographie über Jura-Dinosaurier aus Sichuan beschrieben (Palaeontologica Sinica, New Series C, 162(23): 1–136), basiert die Typusart Gongbusaurus shiyii auf lediglich zwei Exemplaren (IVPP V9069-1 und V9069-2) aus der oberen Shaximiao Formation im Landkreis Rongxian. Norman, Witmer & Weishampel stuften das Taxon 2004 in The Dinosauria (2nd ed.) als nomen dubium ein – das Typusmaterial sei nicht diagnostisch genug, um die Gattung zu stützen.

Zwei Arten, zwei Provinzen, ein Nomenklatur-Problem – warum dieser Dinosaurier mehr Fragen aufwirft als er beantwortet
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Alter G. shiyii
Shaximiao Fm., Bathonium–Callovium, Sichuan
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Alter G. wucaiwanensis
Shishugou Fm., Callovium–Oxfordium, Xinjiang
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PBDB-Occurrences
1 × G. shiyii (Sichuan) + 4 × G. wucaiwanensis (Xinjiang)
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Taxonomische Opinions
9 für Gongbusaurus + 9 für G. wucaiwanensis
TAXONOMIE

Taxonomie und das Eugongbusaurus-Problem

Die PBDB (Taxon-ID txn:38719) führt Gongbusaurus aktuell unter Fabrosauridae – einer Familie, die in moderner Systematik als polyphyletisches Sammeltaxon aufgelöst wurde und nicht mehr als valide gilt. Die taxonomische Geschichte der Gattung spiegelt diese Unsicherheit: Dong, Zhou & Zhang (1983) ordneten sie ursprünglich den Fabrosauridae zu, Dong selbst stellte sie 1989 und 1992 zu den Hypsilophodontidae um, bevor Peng (1997, 2005) sie wieder den Fabrosauridae zuwies. Beide Familien – Fabrosauridae und Hypsilophodontidae – sind in aktueller Phylogenetik aufgegeben; die tatsächliche systematische Position von Gongbusaurus bleibt ungelöst.

Die Situation wird durch eine zweite Art kompliziert: Dong beschrieb 1989 Gongbusaurus wucaiwanensis (Vertebrata PalAsiatica 27(2): 140–146) aus der Shishugou Formation im Junggar-Becken, Xinjiang – vollständigeres Material (IVPP V8303, V8304) aus einer völlig anderen Formation, Provinz und geologischen Stufe (Callovium–Oxfordium, ~165–155 Ma). Knoll (1999, Konferenzabstract) errichtete für diese Art die neue Gattung Eugongbusaurus (PBDB txn:435996), ebenfalls unter Fabrosauridae geführt. Die aktuelle PBDB-Opinion (Becerra et al. 2016) behält die Zuordnung zu Gongbusaurus bei, sodass in der Datenbank zwei konkurrierende Gattungsnamen für dasselbe Material existieren.

Die fehlende stratigraphische Überlappung zwischen den beiden Arten – Shaximiao Formation (Bathonium–Callovium, ~168–162 Ma) in Sichuan vs. Shishugou Formation (Callovium–Oxfordium, ~165–155 Ma) in Xinjiang – macht die Gattungszugehörigkeit zusätzlich fragwürdig. Ob G. shiyii und G. wucaiwanensis tatsächlich kongenere Arten sind, lässt sich anhand der verfügbaren Evidenz nicht sicher beurteilen.

FUNDORTE

Verbreitung und Fundorte

Die PBDB dokumentiert 5 Occurrences in 5 Collections. Der Typusfundort von G. shiyii (col:60066) liegt bei Duxin, Landkreis Rongxian, Sichuan (29,48° N, 104,37° E; Höhe 595 m) in der oberen Shaximiao Formation (Bathonium–Callovium, ~168–162 Ma). Die vier G.-wucaiwanensis-Collections (col:93194, 93195, 93197, 93198) stammen aus der Kelameili-Region bei Wucaiwan im Junggar-Becken, Xinjiang (45,19° N, 88,92° E) aus der Shishugou Formation (Callovium–Oxfordium, ~165–155 Ma). Die vier Xinjiang-Collections haben identische Koordinaten aber unterschiedliche Field-Locality-Nummern (IVPP 83007-5, -6, -8, -9), was auf eng beieinanderliegende, aber separate Fundpunkte hindeutet.

Fundort
ENTDECKUNG

Forschungsgeschichte

1983

Dong, Zhou & Zhang beschreiben Gongbusaurus shiyii in ihrer Monographie über Jura-Dinosaurier aus Sichuan (Palaeontologica Sinica, New Series C, 162(23): 1–136). Typusmaterial: IVPP V9069-1 und V9069-2 (Zähne) aus der oberen Shaximiao Formation.

1989

Dong beschreibt Gongbusaurus wucaiwanensis (Vertebrata PalAsiatica 27(2): 140–146) aus der Shishugou Formation im Junggar-Becken, Xinjiang. Material: IVPP V8303, V8304 – deutlich vollständiger als die Typusart.

1999

Knoll errichtet in einem Konferenzabstract die Gattung Eugongbusaurus für G. wucaiwanensis (PBDB txn:435996). Die Abtrennung basiert auf der fehlenden stratigraphischen und geographischen Überlappung mit der Typusart.

2004

Norman, Witmer & Weishampel stufen Gongbusaurus shiyii in The Dinosauria (2nd ed.) als nomen dubium ein: Das Typusmaterial sei nicht ausreichend diagnostisch, um die Gattung zu stützen.

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Häufig gestellte Fragen zu Gongbusaurus

Das ist umstritten. Norman, Witmer & Weishampel (2004, The Dinosauria, 2nd ed.) stuften Gongbusaurus als nomen dubium ein – das Typusmaterial (Zähne) sei nicht ausreichend diagnostisch. Die PBDB führt das Taxon dennoch als gültig unter Fabrosauridae (aktuelle Opinion: Peng et al. 2005).

Knoll errichtete 1999 die Gattung Eugongbusaurus für die zweite Art G. wucaiwanensis, da er diese als von der Typusart G. shiyii verschieden betrachtete. In der PBDB existiert Eugongbusaurus als separates Taxon (txn:435996), aber die wucaiwanensis-Occurrences sind weiterhin unter Gongbusaurus registriert (aktuelle Opinion: Becerra et al. 2016).

„Gongbu" bezieht sich auf das chinesische Ministerium für öffentliche Arbeiten (工部). Der Artname „shiyii" leitet sich vom Rangtitel „Shi Yi" (拾遺, Erinnerungsbeamter) des Tang-Dichters Du Fu ab, der im Gongbu diente. Zugleich ist es ein Wortspiel: 拾遺 bedeutet „verlorene Dinge aufsammeln" – eine Anspielung darauf, dass die Typuszähne beim Sortieren von Knochenmaterial entdeckt wurden.

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