
Styracosaurus
Die Stachel-Echse aus Alberta
Der Ceratopsier mit der wildesten Frisur
Triceratops hatte drei Hörner – aber Styracosaurus hatte einen ganzen Stachelkranz! Bis zu sechs lange Stacheln ragten aus seinem Nackenschild, dazu ein gewaltiges Nasenhorn von mindestens 57 cm Länge. Sein Name bedeutet „Stachel-Echse", und der passt perfekt.
Styracosaurus war etwa 5,5 Meter lang und wog zwischen 1,8 und 2,7 Tonnen – ungefähr so schwer wie ein großes Nashorn. Er lebte vor 76,5 bis 75 Millionen Jahren in der heutigen Provinz Alberta in Kanada und war dort einer der häufigsten Pflanzenfresser.
Besonders spannend: Kein Styracosaurus sah aus wie der andere! Die Stacheln waren bei jedem Tier unterschiedlich lang, dick und sogar unterschiedlich angeordnet.
Anatomie – Gebaut zum Jagen
Stachelkragen (Frill)
Der Nackenschild war etwa 1 Meter breit und trug 4 bis 6 lange Stacheln. Die längsten (an den Positionen P3 und P4) maßen 50 bis 55 cm – fast so lang wie das Nasenhorn! Der Schild hatte zwei große Löcher (Fenestrae), was gegen eine reine Schutzfunktion spricht. Forscher glauben, dass der Stachelkragen vor allem zum Angeben diente: um Partner zu beeindrucken.
Nasenhorn
Das einzelne Nasenhorn war beim am besten erhaltenen Exemplar mindestens 57 cm lang – die Spitze fehlte sogar! An der Basis war es 15 cm breit. Im Gegensatz zu Triceratops hatte Styracosaurus nur kleine Höcker über den Augen statt großer Brauenhörner.
Jeder war anders!
2019 beschrieben Forscher „Hannah" – einen Styracosaurus-Schädel, bei dem die linke und rechte Seite völlig verschieden aussahen: 7 Stacheln rechts, 8 links, in unterschiedlicher Größe und Ausrichtung! Das zeigt, dass die Variation innerhalb der Art riesig war – ähnlich wie asymmetrische Geweihe bei Hirschen.
Zahnbatterien
Hinter dem Schnabel saßen Zahnbatterien: Zahnreihen, die übereinandergestapelt waren und sich ständig erneuerten. Die Zähne arbeiteten wie Scheren und schnitten zähe Pflanzen in kleine Stücke. Jeder Zahn hatte zwei Wurzeln – typisch für Ceratopsier (Horngesichter).

Größenvergleich
Leben und Verhalten
Herdenverhalten
An einem Fundort im Dinosaur Provincial Park (Bonebed 42) fand man die Überreste von mindestens 10 erwachsenen Styracosaurus – wahrscheinlich von einer Überschwemmung getötet. Das ist ein starker Hinweis auf Herdenverhalten.
2025 wurde sogar eine Fährtenplatte mit Ceratopsier-Spuren veröffentlicht, die Gruppenfortbewegung bestätigt. Styracosaurus lebte vermutlich wie heutige Bisons in Herden.
HerdentiereErnährung
Styracosaurus fraß niedrig wachsende Pflanzen – maximal bis zu einem Meter Höhe. Mit seinem kräftigen Papageienschnabel riss er Farne und Blätter ab, die Zahnbatterien zerschnitten sie dann.
Er lebte in einer Landschaft aus Nadelwäldern, Farnen und frühen Blütenpflanzen. Neben ihm gab es auch den verwandten Centrosaurus und den Raubsaurier Daspletosaurus.
PflanzenfresserWachstum
Beim Heranwachsen veränderte sich Styracosaurus stark: Junge Tiere hatten kleine, dreieckige Kragen-Fortsätze, die erst bei Erwachsenen zu langen, runden Stacheln wurden.
Überraschend: Die Brauenhörner waren bei jungen Tieren vorhanden, verschwanden aber bei Erwachsenen durch Knochenabbau – das Gegenteil von dem, was man erwarten würde!
Veränderung beim WachsenEntdeckungsgeschichte
1913 fand Charles H. Sternberg den ersten Schädel am Red Deer River in Alberta. Der Paläontologe Lawrence Lambe beschrieb ihn noch im selben Jahr als neue Art.
Der Dinosaur Provincial Park, wo die meisten Funde herkommen, ist heute UNESCO-Welterbestätte. Er gilt als einer der reichsten Dinosaurier-Fundorte der Welt.
Alberta, 1913Fundorte
Die Geschichte der Entdeckung
Sternberg findet Schädel
Im Sommer 1913 findet der Fossiliensammler Charles H. Sternberg am Red Deer River in Alberta einen spektakulären Ceratopsier-Schädel mit langen Stacheln. Noch im selben Jahr beschreibt Lawrence Lambe ihn als neue Art.
S. ovatus aus Montana
In Montana entdecken Forscher einen Styracosaurus mit etwas anderen Stacheln. Gilmore beschreibt ihn als zweite Art: Styracosaurus ovatus. Ob es wirklich eine eigene Art ist, wird noch heute diskutiert.
Rest des Holotyps geborgen
22 Jahre nach der Entdeckung kehrt Levi Sternberg (Sohn von Charles) an den Fundort zurück und gräbt den Rest des Holotyp-Skeletts aus: den Unterkiefer und die Körperknochen.
Gattungs-Revision
Die Forscher Ryan, Holmes und Russell überprüfen alle bekannten Styracosaurus-Funde. Ergebnis: S. parksi ist nur ein anderer Name für S. albertensis, aber S. ovatus bleibt als eigene Art bestehen.
Stacheln = sexuelle Selektion
Eine große Studie zeigt: Die aufwendigen Stacheln und Kragen der Ceratopsier dienten nicht zur Arterkennung, sondern zum Angeben – ähnlich wie das Rad eines Pfaus. Sie entwickelten sich viel schneller als andere Kopfteile.
Hannah zeigt Asymmetrie
Der Schädel „Hannah" wird beschrieben – und verblüfft die Fachwelt: Links 8 Stacheln, rechts 7, alle unterschiedlich groß! Das zeigt: Kein Styracosaurus sah aus wie der andere, ähnlich wie Hirschgeweihe.
Stellasaurus und Evolutionslinie
Wilson, Ryan und Evans beschreiben Stellasaurus als Übergangsform zwischen Styracosaurus und Einiosaurus. Sie vermuten eine direkte Evolutionslinie: von Stacheln über Höcker zu flachen Beulen auf dem Kopf.
Fährtenplatte bestätigt Herden
Eine neue Studie veröffentlicht eine Fährtenplatte mit Ceratopsier-Spuren, die Gruppenfortbewegung bestätigt. Styracosaurus lebte vermutlich wie heutige Bisons in Herden.
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