
Diabloceratops
Das Teufelshorngesicht aus Utah
Ein Horndinosaurier, der nicht ins Schema passt
Stell dir einen Dinosaurier vor, der aussieht wie eine Mischung aus Nashorn und Teufel: ein riesiger Kopf mit Hörnern über den Augen, einem kleinen Nasenhorn und zwei gewaltigen Stacheln, die wie Teufelshörner vom Nackenschild abstehen. Das ist Diabloceratops eatoni — das „Teufelshorngesicht".
Er lebte vor rund 81 Millionen Jahren im heutigen Utah und gehört zu den Ceratopsiden, der Familie der großen Horndinosaurier. Aber Diabloceratops war anders als die meisten seiner Verwandten: Er hatte lange Augenhörner und ein kleines Nasenhorn — genau umgekehrt als bei anderen Mitgliedern seiner Gruppe.
Das Besondere: Man kennt Diabloceratops nur von zwei Schädeln. Vom restlichen Körper wurde bisher kein einziger Knochen gefunden! Alles, was wir über seinen Körperbau wissen, sind Schätzungen basierend auf verwandten Dinosauriern.
Anatomie – Gebaut zum Jagen
Teufelshörner am Nackenschild
Das auffälligste Merkmal von Diabloceratops waren zwei massive, nach oben und außen gebogene Stacheln am oberen Rand seines Nackenschildes (Frill). Diese sogenannten P1-Epiparietale gaben ihm seinen Namen: „Teufelshorngesicht". Der harfenförmige Schild hatte große Öffnungen (Fenestrae), die ihn leichter machten — als reine Schutzpanzerung hätte er also nicht gut funktioniert. Die Stacheln dienten wahrscheinlich der Erkennung durch Artgenossen oder der Partnerwerbung.
Ungewöhnliche Hörner
Die meisten Centrosaurinen — die Gruppe, zu der Diabloceratops gehört — haben ein großes Nasenhorn und kleine oder gar keine Augenhörner. Bei Diabloceratops war es genau umgekehrt: Die Überaugenhörner waren rund 30 cm lang (nur der Knochenkern!), während das Nasenhorn klein und niedrig war. Dieses Muster erinnert eher an die Chasmosaurinen, zu denen Triceratops gehört.
Ein uraltes Merkmal im Schädel
Diabloceratops besaß eine besondere Öffnung im Schädel vor der Augenhöhle — eine sogenannte akzessorische antorbitale Fenestra. Diese Öffnung ist ein sehr ursprüngliches Merkmal, das bei weiter entwickelten Horndinosauriern verschwunden ist. Es zeigt, dass Diabloceratops eine Art Brücke zwischen den älteren und den jüngeren Ceratopsiden war.
Körperbau — nur geschätzt!
Da kein einziger Knochen vom Körper gefunden wurde, sind alle Angaben zum Körperbau Schätzungen: etwa 4,5 Meter Länge, rund 1.300 Kilogramm Gewicht und etwa 1,5 Meter Hüfthöhe. Diese Werte basieren auf Vergleichen mit ähnlich großen Ceratopsiden, deren Skelette vollständig bekannt sind.

Größenvergleich
Leben und Verhalten
Lebensraum
Diabloceratops lebte in einer feuchten, semi-tropischen Landschaft mit saisonalen Flüssen und Überschwemmungsebenen im heutigen südlichen Utah. Die Region lag auf etwa 37° nördlicher Breite.
Die Wahweap Formation, in der seine Fossilien gefunden wurden, zeigt ein Ökosystem mit ostfließenden Flüssen, Seen und rapider Sedimentation. Es war ein ganz anderer Lebensraum als die trockenen Wüsten, die man heute in Utah findet.
Obere KreideFortpflanzung
Direkte Hinweise auf Eier oder Nester von Diabloceratops gibt es nicht. Wie alle Ceratopsiden war er aber mit Sicherheit ein Eierleger.
Die auffälligen Hörner und Frill-Stacheln spielten wahrscheinlich eine Rolle bei der Partnerwahl — ähnlich wie Geweihe bei heutigen Hirschen.
EierlegerSozialverhalten
Viele Horndinosaurier lebten in großen Herden — das wissen wir von Massenknochenfunden (Bonebeds) anderer Arten. Für Diabloceratops gibt es solche Hinweise allerdings nicht.
Man hat bisher nur zwei einzelne Schädel gefunden. Ob Diabloceratops in Gruppen oder allein unterwegs war, bleibt unbekannt.
UnbekanntErnährung
Diabloceratops war ein reiner Pflanzenfresser. Sein papageienartiger Schnabel konnte Pflanzenstängel abschneiden, und die Zahnbatterien im hinteren Kiefer zerkleinerten zähe Fasern.
Er fraß wahrscheinlich niedrig wachsende Pflanzen wie Farne, Palmfarne (Cycadeen) und frühe Blütenpflanzen (Angiospermen).
PflanzenfresserFundorte
Die Geschichte der Entdeckung
Joshua A. Smith entdeckt den ersten Diabloceratops-Schädel in der Wahweap Formation in Utah. Damals weiß noch niemand, dass es sich um eine neue Art handelt.
Der Paläontologe Don DeBlieux findet einen zweiten, besser erhaltenen Schädel an der Last Chance Creek-Lokalität. Dieser Fund wird später zum Holotyp — dem offiziellen Referenzexemplar.
James Ian Kirkland und Donald DeBlieux beschreiben Diabloceratops eatoni offiziell als neue Gattung und Art. Der Name bedeutet „Teufelshorngesicht" — benannt nach den markanten Stacheln am Nackenschild.
In derselben Region Utahs wird ein weiterer ungewöhnlicher Horndinosaurier entdeckt: Nasutoceratops titusi. Auch er gehört zu den Centrosaurinen aus dem südlichen Laramidia.
Eric Lund und sein Team beschreiben Machairoceratops cronusi — noch einen ungewöhnlichen Horndinosaurier aus Utah. In ihrer Analyse wird Diabloceratops als Schwester von Albertaceratops rekonstruiert.
Michael Ryan und Kollegen ordnen die Centrosaurinen in drei Gruppen: Nasutoceratopsini, Centrosaurini und Pachyrhinosaurini. Wo genau Diabloceratops hingehört, bleibt dabei offen.
Dalman und Kollegen beschreiben Menefeeceratops sealeyi aus New Mexico — mit einem Alter von rund 82 Millionen Jahren ist er möglicherweise älter als Diabloceratops und damit der älteste bekannte Centrosaurine.
Beveridge und Kollegen ordnen die Gesteinsschichten der Wahweap Formation neu. Das Schichtpaket, in dem Diabloceratops gefunden wurde, bekommt den offiziellen Namen „Reynolds Point Member".
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