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Polacanthus foxii

Polacanthus foxii

Der Stachelpanzer von der Isle of Wight

Ein Pfarrer, ein Dichter und ein stacheliger Dinosaurier

Anfang 1865 entdeckte der Pfarrer und Fossiliensammler William Fox an der Steilküste der Isle of Wight etwas Außergewöhnliches: die Überreste eines großen gepanzerten Dinosauriers, gespickt mit Stacheln und bedeckt von einem massiven Knochenschild. Fox wollte seinen Freund, den berühmten Dichter Alfred Tennyson, das Tier benennen lassen. Tennyson schlug „Euacanthus Vectianus" vor – doch der Name wurde verworfen. Stattdessen erhielt das Tier den Namen Polacanthus foxii: „Viel-Stachel, benannt nach Fox".

Polacanthus gehört zur Familie der Nodosauridae – den Panzerdinosauriern OHNE Schwanzkeule. Im Gegensatz zu bekannten Ankylosauriden wie Euoplocephalus oder Ankylosaurus verließ sich Polacanthus komplett auf seinen Körperpanzer und seine Stacheln als Schutz. Mit 16 Fundstellen, 142 wissenschaftlichen Einordnungen und einer Zeitspanne von fast 39 Millionen Jahren (Berriasium bis Albium) ist er einer der am längsten nachgewiesenen Panzerdinos Europas.

Das Besondere: Obwohl Polacanthus seit über 160 Jahren bekannt ist, existiert vom Holotyp kein Schädel – alles, was wir über seinen Kopf wissen, stammt von Verwandten.

Der Stachelpanzer von der Isle of Wight
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Taxonomische Meinungen (PBDB)
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Fundstellen (PBDB)
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Zeitspanne (Berriasium–Albium)
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Beckenschild (Holotyp)
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Anatomie – Gebaut zum Jagen

Stacheln und Panzerung

Polacanthus trug drei verschiedene Stacheltypen auf dem Körper: Große konische Stacheln (Typ A) an den Flanken, mittlere Rückenstacheln (Typ B) entlang der Wirbelsäule und kleine seitlich abgeflachte Knochenplatten (Typ C) am Schwanz. Am Vorderkörper standen die Stacheln in Reihen – der Paläontologe Nopcsa zählte 1905 fünf pro Reihe mit sieben erhaltenen, plus 22 kürzere Paare am Schwanz.

Sakropelvischer Schild

Das auffälligste Merkmal: Eine massive, flache Knochenplatte über dem Becken, 108 cm breit und 90 cm lang – fast so breit wie ein Einzelbett! Der Schild bestand aus vielen verwachsenen Knochenplatten (Osteodermen) und war mit Buckeln und Tuberkeln verziert. Überraschend: Er war NICHT mit dem darunterliegenden Skelett verbunden, sondern „schwebte" darüber.

Ohne Schwanzkeule

Wie alle Nodosauriden hatte Polacanthus KEINE Schwanzkeule – das ist der Hauptunterschied zu den Ankylosauriden (wie Ankylosaurus oder Euoplocephalus). Stattdessen saßen am Schwanzende flache ovale Dermalknochen, und verknöcherte Sehnen versteiften den letzten Schwanzabschnitt. 13 Schwanzwirbel sind erhalten.

Körperbau

Polacanthus wurde etwa 5 Meter lang. Beim Gewicht gehen die Schätzungen weit auseinander: Gregory Paul schätzte 2 Tonnen (2010), Thomas Holtz nur 227–454 kg (2012). Die kurzen Beine – die Tibia (Schienbein) ist 37 % kürzer als der Oberschenkelknochen – deuten auf einen langsamen, schwerfälligen Gang hin. Die Vorderbeine hatten einen vergrößerten Muskelansatz am Oberarmknochen.

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Größenvergleich

Mensch
Nashorn
Polacanthus
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Leben und Verhalten

Fortpflanzung

Polacanthus legte Eier, aber spezifische Ei- oder Nestfunde gibt es nicht.

Die Babys hatten vermutlich noch weiche Knochenplatten, die erst mit dem Wachstum verhärteten – ähnlich wie bei anderen Panzerdinosauriern.

Eierlegend

Lebenserwartung

Über die Lebensdauer von Polacanthus ist nichts bekannt – es gibt keine Knochenring-Analysen (Histologie), die Aufschluss geben könnten.

Vergleichbare Panzerdinosaurier lebten vermutlich mehrere Jahrzehnte, aber das ist eine Vermutung.

Unbekannt

Sozialverhalten

In der Paleobiology Database (PBDB) ist Polacanthus als „gregarious" (gesellig, herdenbildend) eingetragen – auf Gattungs- UND Artebene.

Ob Polacanthus tatsächlich in Gruppen lebte, ist aber nicht durch Bonebeds (Massenansammlungen) belegt. Der Eintrag könnte auf einem Standardwert für Ankylosauria basieren.

Möglicherweise gesellig

Lebensraum

Polacanthus lebte in der Unterkreide auf einer Insel, die Teil des heutigen England war. Sein Lebensraum war eine warme, von Flüssen durchzogene Überschwemmungsebene mit mediterranem Klima.

Die meisten Funde stammen von der Isle of Wight (Wessex und Vectis Formation). Aber auch in Spanien – bei Burgos, Soria und Castellón – wurden Polacanthus-Reste gefunden. Er lebte also auf beiden Seiten der heutigen Biskaya!

Warme Flusslandschaft
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Fundorte

Fundort
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Die Geschichte der Entdeckung

1865

1866

1905

1987

2020

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