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Mei long

Mei long

Der schlafende Drache aus der Kreidezeit

Ein Dinosaurier, der im Schlaf versteinerte

Stell dir vor, du schläfst ein — und wachst 125 Millionen Jahre später als Fossil wieder auf. Genau das ist Mei long passiert. Dieser winzige Raubsaurier aus China wurde in einer Pose gefunden, die jeder Vogelbesitzer kennt: den Kopf unter den Arm gesteckt, die Beine angezogen, den Schwanz um den Körper gewickelt. Exakt so schlafen Vögel heute noch.

Mei long war etwa so groß wie eine Ente und wog ungefähr so viel wie ein Meerschweinchen — rund 420 Gramm. Und sein Name ist etwas ganz Besonderes: "Mei" ist mit nur drei Buchstaben der kürzeste Gattungsname aller Dinosaurier. Zusammen mit dem Artnamen "long" bedeutet er "schlafender Drache".

Das Fossil wurde 2004 beschrieben und ist seitdem eines der berühmtesten Beispiele dafür, dass Dinosaurier und Vögel enger verwandt sind als man lange dachte.

Der schlafende Drache aus der Kreidezeit
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Körperlänge
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Gewicht
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Kürzester Dino-Name
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Gefundene Fossilien
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Anatomie – Gebaut zum Jagen

Die Schlafpose

Mei long wurde in einer perfekten Ruhestellung gefunden: Die Schnauze unter dem rechten Vorderarm verborgen, die Hinterbeine unter den Körper gezogen, der Schwanz einmal um den Rumpf gewickelt. Diese "Tuck-in"-Pose ist identisch mit dem Schlafverhalten moderner Vögel. Sogar ein zweites Exemplar wurde 2012 in der spiegelbildlichen Variante gefunden — die Pose war also typisch für die Art, nicht zufällig.

Große Augen und große Nase

Mei long hatte für seine Körpergröße auffallend große Augen — wie viele Troodontiden, seine Verwandtengruppe. Troodontiden gelten als die "klügsten" Dinosaurier: Ihr Gehirn war im Vergleich zum Körper größer als bei fast allen anderen Dinos. Außerdem besaß Mei long extrem große Nasenlöcher, was eines seiner Erkennungsmerkmale ist.

Sichelkralle und schlanke Beine

Am zweiten Zeh jedes Fußes saß eine gebogene Sichelkralle — ein Markenzeichen der Paraves, der Gruppe, zu der auch Velociraptor und die Vögel gehören. Seine langen, schlanken Hinterbeine machten ihn vermutlich zu einem flinken Läufer, auch wenn keine exakte Geschwindigkeit bekannt ist.

Federn (ohne Beweis!)

Am Fossil selbst sind keine Federabdrücke erhalten — das liegt am vulkanischen Tuff, der Weichteile schlecht konserviert. Aber: Nahe Verwandte wie Jianianhualong (2017 beschrieben) hatten nachweislich Federn mit asymmetrischen Fahnen. Forschende gehen deshalb davon aus, dass auch Mei long ein vogelartiges Federkleid besaß.

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Größenvergleich

Erwachsener Mensch
Ente
Mei long
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Leben und Verhalten

Ernährung

Mei long hatte etwa 24 eng stehende, kleine Zähne im Oberkiefer — ohne Zacken, glatt und spitz. Solche Zähne eignen sich gut für weiche Beute wie Insekten, kleine Eidechsen oder Würmer.

Ob Mei long auch Pflanzen fraß, ist unklar. Bei einigen Troodontiden wird Allesfresser-Verhalten vermutet, aber für Mei gibt es dafür keinen direkten Beweis.

Insektenjäger

Fortpflanzung

Wie alle Dinosaurier legte Mei long Eier. Direkte Funde von Eiern gibt es nicht, aber von verwandten Troodontiden kennt man Brutnester.

Das erwachsene Exemplar war nach der Knochenanalyse mindestens 2 Jahre alt und bereits ausgewachsen. Mei long wurde also ziemlich schnell erwachsen.

Schnell erwachsen

Lebensraum und Tod

Mei long lebte in den Lujiatun-Schichten der Yixian-Formation im Nordosten Chinas — einer Seenlandschaft mit Nadelwäldern und aktiven Vulkanen. Er teilte sich seinen Lebensraum mit Psittacosaurus und dem Raubsäugetier Repenomamus.

Die dreidimensionale Erhaltung in Schlafpose deutet auf plötzliche Verschüttung durch vulkanische Asche hin — ein regelrechter 'Pompeji-Effekt'. Neuere Forschung zeigt allerdings, dass es nicht ein einziges Ereignis war, sondern mehrere vulkanische Flutwellen.

Vulkan-Opfer

Intelligenz

Troodontiden hatten das größte Gehirn im Verhältnis zum Körper unter allen nicht-vogelartigen Dinosauriern. Ihr Enzephalisierungsquotient (eine Maßzahl für die relative Gehirngröße) lag bei etwa 5,8 — vergleichbar mit modernen Vögeln.

Die großen Augen deuten auf gutes Sehvermögen hin, möglicherweise sogar räumliches Sehen. Ideal für die Jagd auf flinke Insekten!

Klug
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Fundorte

Fundort
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Die Geschichte der Entdeckung

2004

Erstbeschreibung

Xu Xing und Mark Norell beschreiben Mei long in Nature — einen winzigen Dinosaurier, der in einer vogelartigen Schlafpose versteinert wurde.

2006

Lokalitäts-Dokumentation

He und Kollegen dokumentieren die genaue Lage der Lujiatun-Fundstelle in der Yixian-Formation — eine vulkanisch aktive Seenlandschaft mit Nadelwäldern.

2012

Zweites Exemplar

Ein zweites Mei-long-Exemplar wird beschrieben — in spiegelbildlicher Schlafpose! Knochenanalysen zeigen: Dieses Tier war erwachsen, aber kleiner als das erste Fossil.

2017

Gefiederte Verwandte

Jianianhualong tengi, ein naher Verwandter von Mei, wird mit asymmetrischen Federn beschrieben — der erste Troodontide mit direktem Federbeweis.

2021

Datierung korrigiert

Neue Datierungen zeigen: Die Yixian-Formation ist jünger als gedacht — etwa 125,5 Millionen Jahre alt, nicht 128–139 wie zuvor angenommen.

2022

Troodontiden-Phylogenie

Eine große Stammbaum-Analyse zeigt: Mei long gehört zusammen mit Sinovenator zu den ältesten und ursprünglichsten Troodontiden.

2024

Hypnovenator

In Japan wird ein weiterer schlafender Troodontide entdeckt: Hypnovenator. Die vogelartige Schlafpose war also bei Troodontiden weit verbreitet!

2025

Zahn-Studie

Eine neue Studie untersucht die Zähne vieler Troodontiden. Mei longs glatte, spitze Zähne zeigen: Er fraß hauptsächlich Insekten und kleine Tiere.

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