
Velociraptor
Der gefiederte Jäger aus der Wüste
Truthahngröße statt Menschengröße
Vergiss den Velociraptor aus Jurassic Park! Der echte Velociraptor war kein menschengroßer, schuppiger Superjäger. Er war so groß wie ein Truthahn, hatte Federn am ganzen Körper und lebte in der Wüste der Mongolei – nicht in Nordamerika.
Der „Velociraptor" im Film basiert in Wahrheit auf dem größeren Deinonychus aus Nordamerika. Romanautor Michael Crichton nutzte den Namen Velociraptor, weil er dramatischer klang – das bestätigte er persönlich dem Paläontologen John Ostrom.
Der echte Velociraptor war trotzdem faszinierend: Er hatte eine tödliche Sichelkralle an jedem Fuß, jagte wahrscheinlich nachts und konnte so schnell sprinten wie ein Hund. 1971 wurde das berühmteste Dinosaurier-Fossil der Welt gefunden: ein Velociraptor und ein Protoceratops, die im Todeskampf verschlungen von einer Sanddüne begraben wurden.
Anatomie – Gebaut zum Jagen
Die Sichelkralle
An der zweiten Zehe jedes Fußes saß eine große, gebogene Kralle – bis zu 6,5 cm langer Knochenkern, mit Hornüberzug sogar rund 8–9 cm. Beim normalen Laufen hielt der Velociraptor sie nach oben, um sie scharf zu halten. Die Kralle wurde nicht zum Aufschlitzen benutzt, wie oft behauptet, sondern zum Festklammern an der Beute – ähnlich wie Greifvögel ihre Krallen einsetzen.
Federn am ganzen Körper
2007 wurden an einem Velociraptor-Armknochen 6 Quill Knobs gefunden – Ansatzstellen für große Federn, wie sie auch Vögel haben. Die Abstände zeigen, dass der Velociraptor mindestens 14 große Schwungfedern am Arm trug. Er war wahrscheinlich am ganzen Körper befiedert. Seine Vorfahren konnten sogar fliegen – Velociraptor hatte das Fliegen verloren.
Ein Nachtjäger
Der große Knochenring im Auge (Skleralring) zeigt, dass Velociraptor wahrscheinlich nachts oder in der Dämmerung jagte – wie eine Eule. Seine Augen blickten nach vorn und ermöglichten räumliches Sehen. Zusammen mit einem guten Gehör und Geruchssinn war er bestens für die Jagd bei Dunkelheit ausgerüstet.
Truthahngröße mit 56 Zähnen
Nur 2 Meter lang, 50 cm hüfthoch und rund 15 kg schwer – so groß wie ein Truthahn. Aber in seinem schmalen, 23 cm langen Schädel steckten bis zu 56 scharfe, nach hinten gebogene Zähne mit Sägezähnung. Sein Biss war mit 304 Newton relativ schwach – weniger als ein Labrador – aber zusammen mit der Sichelkralle reichte das.
Größenvergleich
Leben und Verhalten
Jagen wie ein Greifvogel
Velociraptor jagte wahrscheinlich wie ein Habicht oder Adler: Er sprang auf die Beute, klammerte sich mit den Sichelkrallen fest, stabilisierte sich mit Flügelschlägen und tötete die Beute dann mit vielen kleinen Bissen. Dieses Modell heißt „Raptor Prey Restraint" (RPR).
Er fraß hauptsächlich kleine Tiere: Eidechsen, Säugetiere und vielleicht junge Dinosaurier. In einem Velociraptor-Magen fand man sogar einen Pterosaurier-Knochen – wahrscheinlich Aas.
Greifvogel-JägerDas berühmteste Fossil der Welt
Am 3. August 1971 fanden Forscher in der mongolischen Wüste das „Fighting Dinosaurs"-Fossil: ein Velociraptor und ein Protoceratops, verschlungen im Todeskampf. Die Sichelkralle des Raptors steckt im Halsbereich des Protoceratops. Dessen Schnabel umklammert den Arm des Raptors.
Wahrscheinlich wurden beide von einer kollabierten Sanddüne lebendig begraben. Das Fossil ist seit 1995 ein mongolischer Nationalschatz.
Fighting DinosaursRudeljäger? Wohl eher nicht.
Im Film jagen Velociraptoren in koordinierten Rudeln. In Wahrheit gibt es dafür keinen fossilen Beweis. Kein Fundort zeigt mehrere Velociraptoren, die gemeinsam jagten.
Wenn mehrere Raptoren zusammen an einem Kadaver fraßen, war das wahrscheinlich eher wie bei Komodowaranen: jeder für sich, nicht als organisiertes Team.
EinzelgängerLebensraum
Velociraptor lebte vor 75–71 Millionen Jahren in der Mongolei, in einer heißen Wüstenlandschaft mit Sanddünen – ähnlich der heutigen Gobi-Wüste. Wasser gab es nur selten.
Sein häufigstes Beutetier (und liebster Kadaver) war Protoceratops, ein kleiner Horndinosaurier. In der Nachbarschaft lebten auch Oviraptor und der verwandte Saurornithoides.
Wüste der MongoleiFundorte
Die Geschichte der Entdeckung
Velociraptor erscheint
Vor etwa 75 Millionen Jahren lebte der Velociraptor in einer heißen Wüstenlandschaft in der heutigen Mongolei. Er war truthahngroß, gefiedert und jagte nachts.
Ende der Velociraptor-Zeit
Vor etwa 71 Millionen Jahren verschwand der Velociraptor. Er starb also nicht beim großen Asteroiden-Einschlag vor 66 Millionen Jahren aus – er war schon 5 Millionen Jahre vorher weg!
Erstfund
1923 fand der Sammler Peter Kaisen an den „Flaming Cliffs" in der Mongolei einen zerdrückten Schädel und eine Kralle. Ein Jahr später gab Henry Fairfield Osborn dem Tier den Namen Velociraptor – „schneller Räuber".
Fighting Dinosaurs
Am 3. August 1971 machten Forscher in der mongolischen Wüste den sensationellsten Dinosaurierfund aller Zeiten: einen Velociraptor und einen Protoceratops, verschlungen im Todeskampf. Die Sichelkralle des Raptors steckt im Hals des Protoceratops!
Jurassic Park
1993 machte der Film Jurassic Park den Velociraptor weltberühmt – aber der „Raptor" im Film war eigentlich ein Deinonychus! Romanautor Michael Crichton bestätigte persönlich, dass er den Namen „Velociraptor" nur benutzte, weil er cooler klang.
Federbeweis
2007 fanden Forscher am Armknochen eines Velociraptors Ansatzstellen für große Federn – den direkten Beweis, dass er mindestens 14 Schwungfedern am Arm trug. Velociraptor war ein gefiederter Dinosaurier!
Nachtjäger bestätigt
2011 untersuchten Forscher den Knochenring im Auge des Velociraptors und verglichen ihn mit heutigen Tieren. Ergebnis: Die Augen ähneln denen nachtaktiver Vögel. Velociraptor jagte wahrscheinlich in der Dunkelheit – wie eine Eule.
Schädelbiomechanik
2024 zeigte eine Studie, dass der Schädel des Velociraptors ungewöhnlich belastbar war – trotz seiner relativ schwachen Beißkraft. Die Forscher vermuten, dass er häufig an bereits toten Tieren fraß und dabei Widerstand aushalten musste.
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