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Archaeopteryx

Archaeopteryx

Halb Dinosaurier, halb Vogel

Das berühmteste Übergangs-Fossil der Welt

1861 – nur zwei Jahre nachdem Charles Darwin sein berühmtes Buch über die Evolution veröffentlicht hatte – fanden Steinbrucharbeiter in Bayern ein unglaubliches Fossil: ein Tier mit Federn wie ein Vogel, aber Zähnen, Krallen und einem Knochenschwanz wie ein Dinosaurier. Es war der Archaeopteryx – der „Alte Flügel".

Archaeopteryx lebte vor rund 150 Millionen Jahren im Oberen Jura auf kleinen tropischen Inseln, umgeben von flachen Lagunen. Er war etwa so groß wie eine Elster (50 cm lang, 500 Gramm schwer) und hatte schwarze Federn. Er konnte tatsächlich aktiv fliegen – aber nur in kurzen Spurts, wie ein Fasan oder Rebhuhn.

Bis heute wurden 13 bis 14 Skelette gefunden – alle in Bayern, im berühmten Solnhofener Plattenkalk. Das schönste Exemplar, das Berliner Fossil, wird als „eines der schönsten Fossilien der Welt" bezeichnet.

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Körperlänge
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Gewicht
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Zähne
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Erdzeitalter
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Anatomie – Gebaut zum Jagen

Federn und Flügel

Archaeopteryx hatte echte, asymmetrische Schwungfedern – genau die Form, die für aktiven Flug nötig ist. Die Flügelspannweite lag bei 60–70 cm. Eine Analyse der Pigmente (Melanosomen) in der berühmten isolierten Feder zeigte: Die Federn waren mit 95% Wahrscheinlichkeit schwarz. Schwarze Federn sind durch die dicht gepackten Farbstoffe besonders stabil – perfekt für ein fliegendes Tier.

Zähne und Krallen

Im Maul steckten rund 48 kleine, spitze Zähne – die hat kein Vogel heute mehr. An den Flügeln saßen drei separate, bekrallte Finger, die unabhängig bewegt werden konnten. Diese Merkmale verbinden Archaeopteryx direkt mit den Raubdinosauriern. An den Füßen hatte er vier Zehen mit Krallen, darunter eine vergrößerte zweite Zehe – wie bei den Raptoren.

Ein Dinosaurier-Schwanz

Moderne Vögel haben ihren Schwanz zu einem kurzen Stummel (Pygostyl) verschmolzen. Archaeopteryx hatte dagegen einen langen Knochenschwanz aus 23 Wirbeln mit Federn in einer Doppelreihe. Dieser Schwanz diente wahrscheinlich als Stabilisator beim Fliegen – wie eine Fahne.

Vogelähnliches Gehirn

CT-Scans des Schädels zeigten ein überraschendes Ergebnis: Das Gehirn war viel größer als bei den meisten Dinosauriern und ähnelte dem von modernen Vögeln. Besonders die Sehzentren waren groß, und das Innenohr war für Gleichgewicht und Koordination gebaut – genau das, was ein fliegendes Tier braucht.

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Größenvergleich

Mensch
Elster
Archaeopteryx
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Leben und Verhalten

Konnte er wirklich fliegen?

Ja! 2018 untersuchten Forscher die Flügelknochen mit einem Synchrotron (einem riesigen Röntgengerät) und fanden: Die Knochen waren dünnwandig und stark durchblutet – genau wie bei heutigen Vögeln, die kurze Flatterflüge machen, zum Beispiel Fasane.

Archaeopteryx konnte also aktiv fliegen, aber anders als heutige Vögel. Sein Flügelschlag war weniger effizient, und seine Schulter konnte den Flügel nicht über den Rücken heben. Er war ein Kurzstrecken-Flatterer, kein Gleiter oder Langstreckenflieger.

Aktiver Flug

Was hat er gefressen?

Archaeopteryx jagte wahrscheinlich Insekten, kleine Eidechsen und vielleicht winzige Fische. Seine großen Augen deuten auf visuell orientierte Jagd hin – vielleicht bei Dämmerung.

Mit seinen Klauen konnte er an Bäumen und Felsen klettern. Wahrscheinlich lauerte er auf niedrigen Ästen und stürzte sich von dort auf Beute – wie ein kleiner Raubvogel.

Insektenjäger

Lebensraum

Archaeopteryx lebte auf kleinen, flachen Inseln im Solnhofener Archipel – einer Inselwelt im subtropischen Jurameer (Tethys). Die Inseln waren niedrig, mit Sträuchern bis maximal 3 Meter Höhe. Rundherum lagen flache, extrem salzige Lagunen.

Er teilte seinen Lebensraum mit dem kleinen Raubdinosaurier Compsognathus, zahlreichen Pterosauriern (fliegenden Reptilien), Insekten, Eidechsen, Fischen und Krebstieren.

Tropische Inseln

Berühmte Fossilien

Das Berliner Exemplar gilt als eines der schönsten Fossilien der Welt – mit Schädel, Zähnen und perfekten Federabdrücken. Es wurde in den 1870ern von einem Bauern für den Preis einer Kuh verkauft, wechselte mehrmals den Besitzer und landete schließlich für 20.000 Goldmark im Berliner Museum.

2025 wurde das Chicago-Exemplar in Nature beschrieben – das kleinste bekannte Archaeopteryx (taubengroß), dreidimensional erhalten, mit erstmals nachgewiesenen Tertiärfedern und Zehenpolstern.

Aus Bayern
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Fundorte

Fundort
5

Die Geschichte der Entdeckung

-152

Ältestes Exemplar

Das Schamhaupten-Exemplar – das älteste aller Archaeopteryxe – lebte vor rund 152 Millionen Jahren. Damals lag Bayern in den Tropen.

-150

Hauptvorkommen

Die meisten Archaeopteryxe lebten vor rund 150 Millionen Jahren auf tropischen Inseln im Jurameer, umgeben von Lagunen und Korallenriffen.

1860

Isolierte Feder

In einem Steinbruch in Bayern wurde eine einzelne fossile Feder gefunden – der erste Hinweis auf ein gefiedertes Tier aus der Dinosaurierzeit.

1861

Erstbeschreibung

Der Wissenschaftler Hermann von Meyer gab dem Tier seinen Namen: Archaeopteryx – der „Alte Flügel". Nur zwei Jahre zuvor hatte Darwin sein berühmtes Buch über die Evolution veröffentlicht.

1862

Londoner Exemplar

Das erste fast vollständige Skelett wurde für 700 Pfund Sterling an das Naturkundemuseum in London verkauft – ein Vermögen damals.

1880

Berliner Exemplar

Das berühmte Berliner Fossil wechselte mehrfach den Besitzer – vom Bauern über einen Gastwirt bis zu Werner von Siemens, der es für 20.000 Goldmark dem Berliner Museum überließ.

2018

Flug nachgewiesen

Forscher untersuchten die Flügelknochen mit einem riesigen Röntgengerät (Synchrotron) und bewiesen: Archaeopteryx konnte tatsächlich aktiv fliegen – wie ein Fasan.

2025

Chicago-Exemplar

Das kleinste bekannte Archaeopteryx-Fossil – nur so groß wie eine Taube – wurde in der Fachzeitschrift Nature beschrieben. Es zeigt erstmals besondere Federn zwischen Flügel und Körper.

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