
Maiasaura
Die Gute-Mutter-Echse aus Montana
Die erste Dinosaurierin mit Mutterinstinkt
Stell dir vor: Tausende riesige Dinosaurier, die gemeinsam in einer gigantischen Herde durch die Landschaft ziehen, ihre Nester bauen und sich um ihre Babys kümmern. Genau das tat Maiasaura vor rund 77 Millionen Jahren in dem Gebiet, das heute Montana in den USA ist.
Maiasaura war der erste Dinosaurier, bei dem Forscher nachweisen konnten, dass er sich aktiv um seinen Nachwuchs gekümmert hat. Ihr Name bedeutet „Gute-Mutter-Echse" – und den hat sie sich verdient! 1978 entdeckte die Hobby-Fossiliensammlerin Marion Brandvold die ersten Überreste, darunter Nester mit Eiern und Babyknochen.
Maiasaura gehört zu den Hadrosauriern (Entenschnabeldinosauriern) und wurde etwa 9 Meter lang – ungefähr so lang wie zwei große Autos hintereinander. Mit einem Gewicht von rund 3 Tonnen war sie etwa so schwer wie ein großes Nashorn.
Anatomie – Gebaut zum Jagen
Entenschnabel
Maiasaura hatte einen breiten, flachen Schnabel ohne Zähne vorne. Im hinteren Teil des Mauls saßen aber Hunderte kleine Zähne in sogenannten Zahnbatterien, die beim Kauen ständig nachwuchsen. Damit konnte sie auch harte Pflanzen zermalmen.
Nasenkamm
Auf der Nase trug Maiasaura einen kleinen, festen Knochenkamm. Anders als bei manchen verwandten Hadrosauriern war dieser Kamm nicht hohl und konnte keine Töne erzeugen. Er diente vermutlich der Erkennung unter Artgenossen.
Körperbau
Mit 9 Metern Länge war Maiasaura ein mittelgroßer Hadrosaurier. Junge Tiere unter 4 Jahren liefen überwiegend auf zwei Beinen. Erst als Erwachsene wechselten sie zum Vierfüßergang – ein seltener Wandel im Tierreich, den Forscher als „ontogenetischen Fortbewegungswechsel" bezeichnen.
Wachstum
Maiasaura wuchs extrem schnell: Ihre Knochen legten pro Tag bis zu 86 Mikrometer zu. Mit nur 3 Jahren wog sie bereits 1.260 kg und war geschlechtsreif. Ihre volle Größe von rund 2.300 kg erreichte sie mit etwa 8 Jahren.

Größenvergleich
Leben und Verhalten
Nester und Brutpflege
Maiasaura baute Erdnester von etwa 2 Metern Durchmesser und legte 30 bis 40 straußeneigroße Eier hinein, spiralförmig angeordnet. Die Eier wurden vermutlich durch Pflanzenmaterial warmgehalten, ähnlich wie bei heutigen Großfußhühnern.
Die Babys waren beim Schlüpfen hilflos (fachsprachlich: altriziell) und konnten noch nicht selbstständig laufen. Sie blieben 40 bis 75 Tage im Nest, während die Eltern sie mit Futter versorgten. 14 Nester wurden an einer einzigen Stelle gefunden!
BrutpflegeÜberleben und Sterblichkeit
Das erste Lebensjahr war extrem gefährlich: Fast 90 % der Jungtiere überlebten es nicht. Zwischen 2 und 8 Jahren lag die jährliche Sterblichkeit bei nur 12,7 %. Doch nach Erreichen der Geschlechtsreife stieg sie wieder stark an auf 44,4 %.
Forscher konnten diese Zahlen berechnen, weil sie die Knochen von 50 verschiedenen Maiasaura-Oberschenkeln unter dem Mikroskop untersucht haben – die größte solche Studie bei einem ausgestorbenen Tier überhaupt.
SterblichkeitHerdenleben
Maiasaura lebte in riesigen Herden. Am berühmten Camposaur-Bonebed in Montana fanden Forscher die Überreste von bis zu 10.000 Tieren, die vermutlich bei einer Katastrophe wie einem Vulkanausbruch gleichzeitig umkamen.
Zwischen großen und kleinen Tieren gab es Größenunterschiede von rund 45 %, was auf einen Unterschied zwischen Männchen und Weibchen hindeuten könnte (Sexualdimorphismus).
SozialverhaltenLebensraum
Maiasaura lebte vor etwa 77 bis 75 Millionen Jahren in der späten Kreidezeit. Ihr Lebensraum lag im heutigen Montana (USA), in der Two Medicine Formation. Die Landschaft war damals subtropisch mit Flüssen und saisonalen Überschwemmungen.
2021 wurde auch der erste Fund in Kanada (Alberta) bestätigt. 2025 erklärte die IUGS die Fundstelle zum internationalen Geoerbe.
LebensraumFundorte
Die Geschichte der Entdeckung
Erstfund
Die Hobby-Fossiliensammlerin Marion Brandvold findet in Montana Knochenfragmente, die sich als Dinosaurier-Nester herausstellen.
Erstbeschreibung
Jack Horner und Robert Makela beschreiben Maiasaura peeblesorum in der Fachzeitschrift Nature – die „Gute-Mutter-Echse" von der Peebles Ranch.
Camposaur-Bonebed
Forscher entdecken ein riesiges Knochenlager mit Überresten von bis zu 10.000 Maiasaura – Beweis für gigantische Herden.
Staatsfossil & Weltraum
Maiasaura wird zum Staatsfossil von Montana erklärt. Im selben Jahr fliegt ein Maiasaura-Knochen mit dem Space Shuttle ins All!
Brutpflege-Hypothese
Horner und Weishampel zeigen, dass Maiasaura-Babys beim Schlüpfen hilflos waren und von ihren Eltern gefüttert werden mussten.
Histologie-Meilenstein
Forscher untersuchen 50 Maiasaura-Oberschenkel unter dem Mikroskop und entschlüsseln damit den gesamten Lebenszyklus – von der Geburt bis zum Tod.
Erstfund in Kanada
Zum ersten Mal wird ein Maiasaura-Fund außerhalb der USA bestätigt: in Alberta, Kanada. Das bekannte Verbreitungsgebiet wird damit erweitert.
Geoerbe & Altricial bestätigt
Die Fundstelle Egg Mountain wird zum internationalen Geoerbe erklärt. Außerdem bestätigt eine neue Studie endgültig, dass Maiasaura-Babys hilflos schlüpften.
Noch mehr Entenschnabel-Dinos
Maiasaura gehört zur Familie der Hadrosaurier. Entdecke ihre Verwandten wie Corythosaurus und Edmontosaurus!
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