
Corythosaurus
Der Entenschnabel-Dino mit eingebautem Nebelhorn
Ein wandelndes Musikinstrument
Stell dir einen Dinosaurier vor, der tiefe, dröhnende Rufe durch den Wald schicken konnte – wie ein lebendes Nebelhorn! Der Corythosaurus hatte auf seinem Kopf einen großen, hohlen Knochenkamm, der mit verschlungenen Nasengängen gefüllt war. Wenn Luft hindurchströmte, entstanden tiefe Resonanztöne.
Corythosaurus war 8 bis 9 Meter lang und wog etwa 3 Tonnen – ungefähr so schwer wie ein großes Nashorn. Er gehörte zu den Hadrosauriern (Entenschnabel-Dinosauriern) und war einer der häufigsten Dinosaurier in der heutigen Provinz Alberta in Kanada.
Das Besondere: Das allererste gefundene Skelett enthielt sogar noch den Mageninhalt – Nadeln, Samen und Früchte von Nadelbäumen. So wissen wir genau, was dieser Dino zum Frühstück hatte!
Anatomie – Gebaut zum Jagen
Helmkamm
Der namensgebende Kamm sah aus wie ein korinthischer Helm und enthielt ein kompliziertes System aus Nasengängen. Wenn Luft durch die Gänge strömte, konnten tiefe Töne unter 1.000 Hz entstehen – vergleichbar mit einem Nebelhorn. CT-Scans zeigten, dass die Ohren des Corythosaurus besonders gut auf genau solche tiefen Frequenzen eingestellt waren.
Entenschnabel und Zahnbatterien
Vorne hatte Corythosaurus einen breiten, zahnlosen Schnabel zum Abreißen von Pflanzen. Dahinter saßen hunderte kleine Zähne in sogenannten Zahnbatterien – übereinandergestapelte Zahnreihen, die sich ständig erneuerten. Die Zähne arbeiteten wie Scheren und schnitten harte Pflanzenfasern klein.
Schuppenhaut
Das erste Skelett wurde mit umfangreichen Hautabdrücken gefunden! Die Haut bestand aus verschiedenen Schuppentypen: kleine Mosaikschuppen am Körper, kegelförmige Schuppen am Bauch und größere domförmige Schuppen an den Beinen. An den Gelenken waren die Schuppen am kleinsten – für bessere Beweglichkeit.
Zwei oder vier Beine
Corythosaurus konnte sowohl auf zwei als auch auf vier Beinen laufen. Die Hinterbeine waren kräftiger und länger. Beim Fressen ging er wahrscheinlich auf alle Viere, beim schnellen Laufen richtete er sich auf die Hinterbeine auf. Seine drei mittleren Finger waren zusammengewachsen und bildeten eine Art Huf.

Größenvergleich
Leben und Verhalten
Kommunikation
Der hohle Kamm war ein Musikinstrument! Die verschlungenen Nasengänge funktionierten wie die Rohre einer Orgel. Verschiedene Kammern konnten bestimmte Frequenzen dämpfen oder verstärken – vielleicht hatte jede Art ihre eigene 'Stimme'.
CT-Scans des Innenohrs zeigten, dass Corythosaurus besonders gut tiefe Töne hören konnte. Sein Gehirn war relativ groß – ein Zeichen für komplexes Sozialverhalten, bei dem Kommunikation wichtig war.
Tiefe RufeErnährung
Im Magen des ersten Skeletts fanden Forscher Koniferennadeln, Samen, Zweige und Früchte – einer der seltensten direkten Beweise für die Ernährung eines Dinosauriers! Corythosaurus fraß Pflanzen bis zu 5 Metern Höhe, wenn er sich auf die Hinterbeine stellte.
In seiner Umgebung teilte er sich die Pflanzen mit anderen Pflanzenfressern: Ceratopsier fraßen niedrige Pflanzen (bis 1 m), Ankylosaurer noch niedriger. Corythosaurus war der Hochbrowser – wie eine Giraffe unter den Dinosauriern.
HochbrowserVersunken im Atlantik
1916 wurden zwei der besterhaltenen Corythosaurus-Skelette auf dem Schiff SS Mount Temple nach England geschickt. Doch am 6. Dezember 1916 versenkte der deutsche Hilfskreuzer SMS Möwe das Schiff im Nordatlantik. Die Fossilien liegen bis heute auf dem Meeresgrund!
Lange glaubte man, ein U-Boot sei schuld gewesen – aber der Forscher Darren Tanke fand 2008 heraus, dass es tatsächlich ein Hilfskreuzer war.
Fossilien auf dem MeeresgrundWachstum
Junge Corythosaurus sahen ganz anders aus als Erwachsene: Sie hatten noch keinen großen Kamm! Der Kamm begann erst zu wachsen, als die Tiere etwa halb so groß wie Erwachsene waren. Dann wuchs er überproportional schnell.
Früher dachte man, die Jungtiere wären eigene Dinosaurierarten (Tetragonosaurus, Procheneosaurus). 1975 zeigte der Forscher Peter Dodson, dass es nur Kinder von Corythosaurus und Lambeosaurus waren!
VerwechslungsgefahrFundorte
Die Geschichte der Entdeckung
Brown findet Holotyp
Der berühmte Fossiliensammler Barnum Brown findet am Red Deer River in Alberta ein fast vollständiges Skelett – mit Hautabdrücken und sogar dem letzten Mageninhalt!
Brown beschreibt neue Art
Brown gibt dem Dinosaurier den Namen Corythosaurus casuarius – „Helm-Echse", weil sein Kamm wie ein korinthischer Helm aussah. Der Artname erinnert an den Kasuar, einen Vogel mit ähnlichem Kopfschmuck.
Fossilien versenkt
Am 6. Dezember 1916 versenkt der deutsche Hilfskreuzer SMS Möwe das Schiff SS Mount Temple im Atlantik. An Bord: zwei der besten Corythosaurus-Skelette! Sie liegen bis heute auf dem Meeresgrund.
Dodson klärt Jungtier-Verwirrung
Der Forscher Peter Dodson zeigt: Die angeblichen Dinosaurierarten „Tetragonosaurus" und „Procheneosaurus" waren gar keine eigenen Arten – sondern Kinder von Corythosaurus und Lambeosaurus!
Kamm als Resonanzkammer
David Weishampel berechnet, dass der hohle Kamm tiefe Töne unter 1.000 Hz erzeugen konnte – wie ein Nebelhorn! Der Corythosaurus konnte damit weit durch den Wald rufen.
CT zeigt Gehirn und Ohren
CT-Scans enthüllen das Innere des Schädels: Das Innenohr war auf tiefe Töne spezialisiert, und das Gehirn war relativ groß – ein Zeichen für komplexes Sozialverhalten.
Montana-Funde und Biostratigraphie
Erstmals werden Corythosaurus-Fossilien in Montana (USA) bestätigt – er lebte also nicht nur in Kanada! Gleichzeitig zeigt eine neue Studie genau, wann welche Corythosaurus-Art in Alberta lebte.
Interne Kamm-Anatomie per CT
Neue CT-Scans zeigen erstmals die genaue innere Struktur des Helmkamms: verschlungene Nasengänge mit S-Kurven und extra Kammern, die wie Filter für bestimmte Töne wirkten.
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