
Baryonyx
Englands Fischfänger mit der schweren Klaue
Ein Raubsaurier, der am Flussufer jagte
Stell dir einen Dinosaurier vor, der wie eine riesige Mischung aus Krokodil und Grizzlybär am Flussufer steht und nach Fischen schnappt. Genau so könnte Baryonyx gelebt haben! Sein Name bedeutet „schwere Klaue" – und wenn du seine 31 cm lange Daumenkralle siehst, weißt du warum.
Baryonyx war etwa 9,5 Meter lang und wog rund 1,7 Tonnen – ungefähr so schwer wie ein kleines Auto. Er gehört zu den Spinosauridae, einer Familie von Raubsauriern mit krokodilartigen Schnauzen, die an ein Leben am Wasser angepasst waren.
Entdeckt wurde er 1983 in England – und er lieferte den ersten direkten Beweis dafür, dass manche Dinosaurier tatsächlich Fische fraßen.
Anatomie – Gebaut zum Jagen
Die Daumenkralle
Die namensgebende Klaue am Daumen war 31 cm lang – allein der Knochen! Mit der Hornschicht darüber war sie noch größer. Forscher vermuten, dass Baryonyx damit Fische aus dem Wasser spießte, ähnlich wie Grizzlybären mit ihren Tatzen Lachse fangen.
Krokodilschnauze
Sein Schädel war rund 91 cm lang, schmal und krokodilförmig. An der Spitze der Schnauze saß eine „Rosette" aus Zähnen – ein Merkmal, das auch Ghariale (indische Krokodile) haben. Die Form war perfekt, um Fische festzuhalten, denn die Schnauze knickte an der Spitze leicht nach unten ab.
Zahnreihen
Baryonyx besaß mindestens 96 konische Zähne, möglicherweise sogar 106 bis 108. Im Unterkiefer steckten doppelt so viele Zähne wie im Oberkiefer – sehr ungewöhnlich für einen Raubsaurier. Die Zähne waren leicht zurückgebogen und an den Kanten fein gezähnt.
Dichte Knochen
Eine Untersuchung von 2022 zeigte, dass die Knochen von Baryonyx auffallend dicht und kompakt sind – ähnlich wie bei Tieren, die tauchen können. Allerdings wurde diese Methode 2024 von anderen Forschern kritisiert, sodass die Frage noch offen ist.
Größenvergleich
Leben und Verhalten
Ernährung
Im Magen des Holotyps fanden Forscher Schuppen und Zähne des Fisches Scheenstia mantelli – der erste direkte Beweis, dass ein Dinosaurier Fisch fraß! Aber das war nicht alles: Auch Knochen eines jungen Iguanodon-Verwandten steckten im Mageninhalt.
Baryonyx war also kein reiner Fischfresser, sondern ein opportunistischer Jäger, der fraß, was er kriegen konnte. Biomechanische Untersuchungen zeigten, dass kleinere Tiere eher Fisch fraßen, während größere auch Landtiere jagten.
OpportunistLebensraum
Baryonyx lebte in einer Landschaft aus Flüssen, Seen und Lagunen. Das Klima war warm und zeitweise trocken, ähnlich wie im heutigen Mittelmeerraum. In den Gewässern tummelten sich Fische, Haie und Krokodile.
Sauerstoffisotopen-Analysen seiner Zähne zeigen, dass er viel Zeit im oder am Wasser verbrachte – ähnlich wie heutige Krokodile oder Flusspferde.
SemiaquatischEntdeckungsgeschichte
1983 fand der Hobbysammler William Walker eine riesige Klaue in einer Tongrube in Surrey, England. Er brachte sie ins Natural History Museum London, wo die Paläontologen Alan Charig und Angela Milner sofort erkannten, wie bedeutend der Fund war.
Im Februar wurde das zugehörige Skelett entdeckt. Von Mai bis Juni grub ein Museumsteam 2 Tonnen Gestein in 54 Blöcken aus – alles in nur 3 Wochen! Mit ~65% des Skeletts ist es der vollständigste Spinosauride der Welt.
1983, EnglandVerwandte
Baryonyx gehört zu den Spinosauridae – der gleichen Familie wie der berühmte Spinosaurus aus Nordafrika. Aber anders als Spinosaurus hatte Baryonyx kein großes Rückensegel.
2021 wurden auf der Isle of Wight gleich zwei neue Verwandte beschrieben: Ceratosuchops und Riparovenator. Auch in Spanien und Portugal fand man verwandte Arten. Europa war ein Hotspot der Spinosauriden-Vielfalt!
SpinosauridaeFundorte
Die Geschichte der Entdeckung
Entdeckung
Der Hobbysammler William Walker fand eine riesige Klaue in einer Tongrube in Surrey, England. Das Natural History Museum London erkannte sofort: Das ist etwas Besonderes! In nur 3 Wochen wurde das Skelett ausgegraben.
Erstbeschreibung
Alan Charig und Angela Milner beschrieben den neuen Dinosaurier als Baryonyx walkeri – „Walkers schwere Klaue". Ein Raubsaurier mit krokodilartiger Schnauze und einer riesigen Daumenkralle!
Mageninhalt beschrieben
Die detaillierte Beschreibung des Skeletts enthüllte eine Sensation: Im Magenbereich steckten Fischschuppen und -zähne! Zum ersten Mal wurde bewiesen, dass ein Dinosaurier Fische gefressen hatte.
Isotopen-Analyse
Forscher untersuchten die chemische Zusammensetzung von Spinosauriden-Zähnen. Ergebnis: Diese Dinosaurier verbrachten viel Zeit im oder am Wasser – ähnlich wie heutige Krokodile oder Flusspferde.
Schädelbiomechanik
Eine Computersimulation verglich den Schädel von Baryonyx mit dem von Spinosaurus und echten Krokodilen. Überraschung: Baryonyx war kein reiner Fischfresser, sondern ein Opportunist, der alles jagte, was er kriegen konnte.
Neue Verwandte
Auf der Isle of Wight in England wurden gleich zwei neue Verwandte von Baryonyx entdeckt: Ceratosuchops und Riparovenator. Europa war offenbar ein Zentrum der Spinosauriden-Evolution!
Knochendichte-Debatte
Eine Studie fand heraus, dass Baryonyx besonders dichte Knochen hatte – wie bei Tieren, die tauchen. Aber andere Forscher bezweifelten die Methode. Die Debatte ist noch nicht abgeschlossen.
Gehirn-CT-Scan
Erstmals wurden die Gehirnkästen von Baryonyx und einem Verwandten per CT gescannt. Überraschung: Trotz der speziellen Schädelform hatten sie ein ganz normales Raubsaurier-Gehirn!
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