Inselzwergwuchs: Mechanismus und Bedeutung
Europasaurus ist der erste histologisch eindeutig belegte Fall von Inselzwergwuchs (insular dwarfism) bei Dinosauriern. Sander et al. (2006, Nature) wiesen das External Fundamental System (EFS) — eine Knochenschicht, die Skelettreife anzeigt — bei Individuen von nur 6,2 Metern Laenge nach. Zusaetzlich zeigten Lines of Arrested Growth (LAGs, saisonale Wachstumsstillstaende) rund 11 Zyklen bei den groessten Individuen.
Der Mechanismus ist Paedomorphose durch reduzierte Wachstumsrate, nicht Progenese. Europasaurus wuchs langsamer als seine grossen Verwandten und behielt juvenile Merkmale bei. Die Unterscheidung ist nicht nur semantisch: Progenese wuerde einen frueheren Wachstumsstopp bei normaler Rate bedeuten; Paedomorphose eine geringere Rate bei vergleichbarer Wachstumsdauer.
Die Inselgroesse wird auf unter 2.000 km² geschaetzt — zu klein fuer die Ernaehrung grosser Sauropoden, was den Selektionsdruck fuer Zwergwuchs erzeugte. Konvergent entwickelte sich Inselzwergwuchs unabhaengig bei dem Titanosaurier Magyarosaurus dacus (Oberkreide, Rumaenien; Stein et al. 2010, PNAS), der ebenfalls histologisch bestaetigt wurde.