
Tarbosaurus bataar
Asiens Antwort auf T. rex
Der zweitgrößte Tyrannosauride der Welt
In der Gobi-Wüste der Mongolei lebte vor etwa 72 bis 66 Millionen Jahren ein Raubsaurier, der dem berühmten T. rex zum Verwechseln ähnlich sah – und fast genauso groß war. Tarbosaurus bataar, die „schreckliche Echse", war mit 10 bis 12 Metern Länge und 4 bis 6 Tonnen Gewicht der zweitgrößte Tyrannosauride aller Zeiten.
Doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich faszinierende Unterschiede: Tarbosaurus hatte einen schmaleren Schädel, proportional noch kürzere Arme als T. rex und einen einzigartigen Kieferverriegelungsmechanismus, den er nur mit seinem kleineren Verwandten Alioramus teilte. Ob er wirklich eine eigene Gattung verdient oder nur ein asiatischer Tyrannosaurus war, wird unter Forschern seit Jahrzehnten diskutiert.
Tarbosaurus ist auch berühmt für einen Kriminalfall: 2012 wurde ein geschmuggeltes Skelett bei einer Auktion in New York für über eine Million Dollar versteigert – der Verkauf wurde aber nie abgeschlossen, das Skelett beschlagnahmt und an die Mongolei zurückgegeben.
Anatomie – Gebaut zum Jagen
Riesenschädel mit Schloss
Der Schädel erreichte bei den größten Exemplaren etwa 1,3 Meter Länge. Er war schmaler und höher als bei T. rex, mit weniger Platz für die Kiefermuskulatur. Dafür besaß Tarbosaurus einen einzigartigen Verriegelungsmechanismus im Unterkiefer: Ein Knochengrat am Angulare griff in das Dentale – wie ein Schloss, das den Kiefer beim Zubeißen fixierte. Dieses Merkmal teilte er nur mit Alioramus (Hurum & Sabath 2003).
Gebiss und Beißkraft
Tarbosaurus hatte 58 bis 64 Zähne – etwas mehr als T. rex (~50–56). Die vorderen waren D-förmig, die seitlichen oval und bis zu 8,5 cm lang. Studien zeigen eine Beißkraft von etwa 12.000 bis 24.000 Newton (Sakamoto 2022; Johnson-Ransom et al. 2024) – stark, aber deutlich weniger als T. rex mit 35.000–57.000 N. Tarbosaurus war also kein ganz so brutaler Knochenknacker wie sein amerikanischer Cousin.
Winzige Arme
Die Arme des Tarbosaurus waren proportional noch kürzer als beim T. rex – die kürzesten aller großen Tyrannosauriden! Der Oberarmknochen (Humerus) war nur 25,5 cm lang. Wie T. rex hatte er nur zwei funktionale Finger. Was die Mini-Arme noch nützten, ist unklar.
Kräftige Beine
Die Hinterbeine waren mächtig: Der Oberschenkelknochen (Femur) maß durchschnittlich 86 cm, das Schienbein (Tibia) rund 80 cm. Mit einer Hüfthöhe von etwa 3 Metern überragte Tarbosaurus jedes heutige Landtier. Der schwere Schwanz diente als Gegengewicht.

Größenvergleich
Leben und Verhalten
Jagd und Beute
Tarbosaurus war der unangefochtene Spitzenprädator der Nemegt-Formation. Er jagte Hadrosaurier wie Saurolophus, Sauropoden wie Nemegtosaurus und sogar gepanzerte Ankylosaurier wie Tarchia und Saichania.
Der einzigartige Kieferverriegelungsmechanismus deutet darauf hin, dass Tarbosaurus auf große, wehrhafte Beute spezialisiert war – der Kiefer wurde beim Zubeißen regelrecht festgestellt.
Apex-PrädatorVom Baby zum Giganten
2011 beschrieben Tsuihiji und Kollegen einen nur 29 cm langen Schädel eines 2 bis 3 Jahre alten Tarbosaurus (MPC-D 107/7). Er hatte einen viel schwächer gebauten Schädel als Erwachsene und dünnere Zähne.
Das bedeutet: Junge und alte Tarbosaurier jagten unterschiedliche Beute! Dieses Phänomen heißt 'ontogenetische Nischentrennung' – die Jungtiere machten den Alten keine Konkurrenz beim Fressen.
NischentrennungEigene Gattung oder T. rex?
Seit seiner Entdeckung streiten Forscher: Ist Tarbosaurus eine eigene Gattung oder nur ein asiatischer Tyrannosaurus? Thomas Carr und Kollegen (2017, 2020) behandeln ihn als Tyrannosaurus bataar.
Dagegen zeigten Currie, Hurum & Sabath (2003) mit einer 77-Merkmal-Analyse: Tarbosaurus bildet mit Alioramus eine asiatische Klade, getrennt von T. rex. Schmalerer Schädel, Kieferverriegelung und kürzere Arme sprechen für eine eigene Gattung. Die meisten Forscher akzeptieren Tarbosaurus als eigenständig.
Große DebatteDer Dino-Schmuggel
2012 wurde ein nahezu vollständiges Tarbosaurus-Skelett bei Heritage Auctions in New York für 1.052.500 Dollar versteigert – der Verkauf wurde aber nie abgeschlossen. Die mongolische Regierung erhob Einspruch, das Skelett wurde beschlagnahmt.
Der Schmuggler Eric Prokopi hatte es illegal aus der Mongolei eingeführt. Er gestand, kooperierte mit der Polizei und half, über 18 weitere geschmuggelte Dinosaurier-Skelette sicherzustellen. Im Mai 2013 ging das Skelett zurück an die Mongolei. Prokopi erhielt 3 Monate Haft.
KriminalfallFundorte
Die Geschichte der Entdeckung
Eine Sowjetisch-Mongolische Expedition unter Leitung von Ivan Yefremov barg in der Gobi-Wüste einen großen Raubsaurier-Schädel mit Unterkiefer und Halswirbeln. Es war der erste Fund des Tarbosaurus – auch wenn er erst Jahre später seinen Namen bekam.
Der Paläontologe Evgeny Maleev beschrieb das Material. In einer Arbeit nannte er den Schädel „Tyrannosaurus bataar", in einer zweiten beschrieb er drei weitere Exemplare unter verschiedenen Namen. Damals dachte man noch, es seien mehrere verschiedene Dinosaurier.
Der russische Paläontologe Anatoly Rozhdestvensky erkannte, dass alle vier Exemplare verschiedene Wachstumsstadien ein und desselben Dinosauriers waren. Er gab ihm den bis heute gültigen Namen: Tarbosaurus bataar – „schreckliche Echse".
Hurum und Currie beschrieben erstmals den einzigartigen Verriegelungsmechanismus im Unterkiefer des Tarbosaurus – wie ein Schloss, das den Kiefer beim Zubeißen fixierte. Dieses Merkmal teilt Tarbosaurus nur mit Alioramus.
In zwei wichtigen Studien zeigten Hurum, Sabath und Currie: Tarbosaurus ist NICHT einfach ein asiatischer T. rex. Er hat einen schmaleren Schädel, eine einzigartige Kieferverriegelung und bildet mit Alioramus eine eigene asiatische Gruppe.
Tsuihiji und Kollegen beschrieben den nur 29 cm langen Schädel eines 2 bis 3 Jahre alten Tarbosaurus. Er hatte viel dünnere Zähne als erwachsene Tiere – ein Beweis, dass Jungtiere andere Beute jagten als Erwachsene.
Ein nahezu vollständiges Tarbosaurus-Skelett wurde bei einer Auktion in New York für über eine Million Dollar versteigert – der Verkauf wurde aber nie abgeschlossen. Das Skelett war illegal aus der Mongolei geschmuggelt worden. Der Schmuggler Eric Prokopi wurde verhaftet.
Tanabe und Kollegen datierten erstmals einen Tarbosaurus-Zahn mit der Uran-Blei-Methode. Ergebnis: Die Nemegt Formation ist mindestens 66,7 Millionen Jahre alt – das bestätigt ein Alter im Maastrichtium, der letzten Stufe der Kreidezeit.
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