FMNH PR 2081 "Sue"
Sue (Katalognummer FMNH PR 2081) ist das am besten erhaltene und eines der groessten bekannten Tyrannosaurus rex-Exemplare. Mit einer Vollstaendigkeit von ueber 90% ermoeglichte dieses Fossil fundamentale Erkenntnisse zur Anatomie, Ontogenese und Pathologie dieser Spezies.
Entdeckung und Fundumstaende
Das Exemplar wurde am 12. August 1990 von der Fossiliensammlerin Sue Hendrickson in der Hell Creek Formation bei Faith, Ziebach County, South Dakota entdeckt. Die Fundstelle liegt stratigraphisch im oberen Maastrichtium, ca. 67 Ma vor heute.
Die Entdeckung erfolgte waehrend einer Expedition des Black Hills Institute of Geological Research unter Leitung von Peter Larson. Die Ausgrabung dauerte 17 Tage und erforderte die Bergung von ueber 250 Knochenfragmenten.
Rechtliche Kontroverse
Der Fund loeste einen komplexen Rechtsstreit aus:
- Das Land gehoerte formal Maurice Williams, einem Mitglied der Cheyenne River Sioux Tribe
- Williams hatte das Black Hills Institute fuer USD 5.000 Zugang gewaehrt
- Das FBI beschlagnahmte das Fossil 1992
- Nach mehrjaehrigen Gerichtsverfahren wurde Williams als rechtmaessiger Eigentuemer bestaetigt
Am 4. Oktober 1997 wurde das Exemplar bei Sotheby's fuer USD 8.362.500 versteigert - bis heute einer der hoechsten Preise fuer ein Fossil. Das Field Museum of Natural History erwarb Sue mit finanzieller Unterstuetzung von McDonald's Corporation, Walt Disney Parks and Resorts, der California State University und privaten Spendern.
Morphometrische Daten
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Gesamtlaenge | 12,3 m |
| Huefthoehe | 4,0 m |
| Schaedellaenge | 1,5 m |
| Geschaetztes Lebendgewicht | 8.400 - 9.500 kg |
| Femurlaenge | 1,32 m |
| Anzahl Zaehne | 58 (davon 12 im Praemaxillare) |
| Maximale Zahnlaenge | 30,5 cm (inkl. Wurzel) |
Pathologie
Pathologische Untersuchungen (Brochu 2003; Wolff et al. 2009) dokumentieren multiple Anomalien:
- Verheilte Rippenfrakturen (mindestens 3)
- Fibulaefraktur mit Kallusbildung
- Osteomyelitis im linken Fibulakopf
- Exostosen an mehreren Wirbeln
- Gicht (Uratablagerungen in den Gelenken, insb. Vorderextremitaeten)
- Trichomonas-aehnliche Laesionen am Unterkiefer (Wolff et al. 2009)
Die Knochenhistologie deutet auf ein Alter von ca. 28 Jahren zum Todeszeitpunkt hin.
Wissenschaftliche Bedeutung
Das Exemplar ermoeglichte zahlreiche Forschungsergebnisse:
-
CT-Scans des Schaedels offenbarten Details zur Gehirnstruktur und Sinnesorganen. Das Riechzentrum war stark ausgepraegt, was auf einen ausgezeichneten Geruchssinn hinweist.
-
Biomechanische Analysen zeigten, dass T. rex eine maximale Beißkraft von ca. 35.000-57.000 Newton ausueben konnte - die staerkste aller bekannten Landtiere.
-
Wachstumsstudien basierend auf Knochenhistologie zeigten, dass T. rex waehrend der Adoleszenz (14-18 Jahre) taeglich bis zu 2 kg Koerpermasse zulegen konnte.
Literatur
- Brochu, C.A. (2003). Osteology of Tyrannosaurus rex: Insights from a Nearly Complete Skeleton and High-Resolution Computed Tomographic Analysis of the Skull. Journal of Vertebrate Paleontology, 22(sup4), 1-138.
- Larson, P.L. & Carpenter, K. (Eds.) (2008). Tyrannosaurus rex, the Tyrant King. Indiana University Press.
- Wolff, E.D.S. et al. (2009). Common Avian Infection Plagued the Tyrant Dinosaurs. PLoS ONE, 4(9), e7288.
- Hutchinson, J.R. et al. (2011). A Computational Analysis of Limb and Body Dimensions in Tyrannosaurus rex. PLoS ONE, 6(10), e26037.
