
Plateosaurus
Europas berühmtester Trias-Dinosaurier
Über 100 Skelette – und trotzdem voller Überraschungen
Plateosaurus ist einer der am besten bekannten Dinosaurier überhaupt – und einer der ältesten! Er lebte vor etwa 214 bis 204 Millionen Jahren in der Trias, als alle Kontinente noch zu einem einzigen Superkontinent namens Pangäa zusammenhingen. Seine Fossilien wurden überall in Europa gefunden: in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und sogar unter dem Meeresboden der Nordsee!
Mit über 100 Skeletten ist Plateosaurus der bestdokumentierte Dinosaurier der gesamten Trias-Periode. Er wurde schon 1837 benannt – fünf Jahre bevor das Wort „Dinosaurier" überhaupt erfunden wurde. Und doch sorgt er heute noch für Überraschungen: 2022 stellte sich heraus, dass ein Skelett, das 100 Jahre lang als Plateosaurus galt, in Wirklichkeit ein ganz anderer Dinosaurier war!
Plateosaurus war ein Pflanzenfresser, der auf zwei Beinen lief. Typische Exemplare waren etwa 5 bis 8 Meter lang und wogen rund 1.500 kg – so schwer wie ein Nashorn. Aber hier kommt das Verrückte: Manche Erwachsene waren nur 4,8 Meter lang, andere bis zu 10 Meter!
Anatomie – Gebaut zum Jagen
Blattförmige Zähne
Plateosaurus hatte rund 50 bis 64 kleine, blattförmige Zähne mit groben Zacken – perfekt zum Abzupfen und Zerreißen von Pflanzen, aber nicht zum Kauen. Im Kiefer wuchsen ständig neue Zähne nach: Ein CT-Scan zeigte 2017 versteckte Ersatzzähne in verschiedenen Wachstumsstadien.
Greifhände mit Daumenkralle
Plateosaurus hatte kurze, aber kräftige Arme mit fünf Fingern und einer besonders großen Daumenkralle. Wichtig: Die Hände konnten nicht flach auf den Boden gelegt werden – die Unterarmknochen erlaubten keine Drehung. Viele Museumsaufstellungen hatten das früher falsch und tauschten Speiche und Elle!
Ein Dino, viele Größen
Das Erstaunlichste an Plateosaurus ist seine enorme Größenvariation: Ausgewachsene Tiere konnten zwischen 4,8 und 10 Metern lang sein und zwischen 600 und 4.000 kg wiegen! Das lag nicht an verschiedenen Arten, sondern an der sogenannten Entwicklungsplastizität (Fachbegriff): Die Umwelt – Nahrung, Klima – bestimmte, wie groß ein Tier wurde.
Der Schwanz als Waffe
2025 berechneten Forscher, dass der lange, schwere Schwanz von Plateosaurus als Verteidigungswaffe dienen konnte. Die Schlagenergie betrug bis zu 174 Kilojoule – vergleichbar mit der Wucht von über 174 Boxerschlägen! Verheilte Verletzungen an Schwanzknochen bestätigen, dass der Schwanz tatsächlich eingesetzt wurde.

Größenvergleich
Leben und Verhalten
Pflanzenfresser
Plateosaurus fraß Farne, Cycadeen (Palmfarne) und frühe Nadelbäume. Sein breiter Bauch – gestützt durch spezielle Beckenknochen – hatte Platz für den langen Darm, den ein Pflanzenfresser braucht.
Keine Gastrolithen (Magensteine) wurden je bei Plateosaurus gefunden. Sein Verdauungssystem war anders aufgebaut als bei manchen anderen Pflanzenfressern, die Steine zum Zerkleinern der Nahrung schluckten.
ErnährungDie Schlammfalle
Warum findet man so viele Plateosaurus-Skelette an einem Ort? Forscher fanden heraus, dass die Tiere nicht in Herden starben, sondern einzeln über viele Jahre hinweg in Schlammlöchern versanken – wie Tiere in den berühmten La-Brea-Teergruben in Los Angeles.
Das erklärt auch, warum man fast nur Erwachsene findet: Jungtiere waren zu leicht, um im Schlamm stecken zu bleiben. Erst seit 2010 wurden in der Schweiz auch junge Plateosaurus-Knochen entdeckt.
TaphonomieEin Dino mit Infektion
2025 beschrieben Forscher ein besonders großes Plateosaurus-Skelett aus der Schweiz (7,7 m, etwa 23–25 Jahre alt) mit einer chronischen Knocheninfektion (Osteomyelitis) in der Schulter und im Oberarm.
Das Tier hatte die Infektion einen erheblichen Teil seines Lebens überstanden – der älteste bekannte Fall von Osteomyelitis bei einem Dinosaurier! Das zeigt, wie widerstandsfähig diese Tiere waren.
PaläopathologieLebensraum
Vor 214 bis 204 Millionen Jahren waren alle Kontinente zum Superkontinent Pangäa vereint. Plateosaurus lebte in einem semi-ariden (halb trockenen) Klima mit Monsunregen und Überschwemmungszeiten.
Sein tiefster Fund: 2.256 Meter unter dem Nordsee-Boden! Arbeiter auf der Snorre-Ölplattform in Norwegen bohrten 1997 durch den Knochen – der erste Dinosaurier Norwegens.
LebensraumFundorte
Die Geschichte der Entdeckung
Erstbeschreibung
Hermann von Meyer benennt Plateosaurus anhand von Wirbeln und Beinknochen aus Heroldsberg bei Nürnberg – fünf Jahre bevor das Wort „Dinosaurier" überhaupt erfunden wird.
Trossingen-Grabungen
In Trossingen beginnen die ersten großen Grabungen. Über die nächsten 20 Jahre werden hier Dutzende vollständige Skelette gefunden – eine der größten Dinosaurier-Fundstellen Europas!
Miring-Hypothese
Forscher Martin Sander erklärt, warum so viele Plateosaurus-Skelette an einem Ort liegen: Die Tiere versanken einzeln in Schlammlöchern – wie in einer natürlichen Falle!
Fund in der Nordsee
Auf einer norwegischen Bohrinsel bohren Arbeiter in 2.256 Metern Tiefe durch einen Knochen – es stellt sich heraus, dass es der tiefste Dinosaurierfund der Welt ist!
Entwicklungsplastizität
Eine bahnbrechende Studie zeigt: Die riesigen Größenunterschiede bei Plateosaurus liegen nicht an verschiedenen Arten – die Umwelt bestimmte, wie groß ein Tier wurde. Ausgewachsene konnten zwischen 4,8 und 10 Meter lang sein!
ICZN-Intervention
Die internationale Nomenklatur-Kommission ICZN greift ein: Der alte Holotyp war zu schlecht erhalten. Die Typusart wird offiziell zu P. trossingensis gewechselt – mit einem neuen Referenzexemplar.
Tuebingosaurus
Überraschung: Ein Skelett, das 100 Jahre lang als Plateosaurus galt, ist in Wirklichkeit ein ganz anderer Dinosaurier – Tuebingosaurus! Er lief auf vier Beinen statt auf zweien.
Schwanzwaffe & Osteomyelitis
Zwei spannende Studien: Forscher berechnen, dass der Schwanz von Plateosaurus als kraftvolle Verteidigungswaffe diente (174 kJ!). Außerdem wird das älteste Tier mit einer verheilten Knocheninfektion beschrieben – es wurde 23 bis 25 Jahre alt.