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dinos.life

Marine Reptilien des Mesozoikums

Ichthyosauria, Sauropterygia und Mosasauridae

Das Mesozoikum sah die Radiation mehrerer unabhängiger Linien mariner Reptilien. Diese konvergent aquatisch adaptierten Gruppen dominierten die Meeresökosysteme über mehr als 180 Millionen Jahre, bevor sie am Ende der Kreidezeit (mit Ausnahme der bereits früher ausgestorbenen Ichthyosauria) dem Massenaussterben zum Opfer fielen.

Taxonomie

Systematik

Die marinen Reptilien des Mesozoikums umfassen mehrere nicht näher verwandte Gruppen, die unabhängig voneinander das Meer besiedelten. Die wichtigsten sind:

Arten

Arten

Plesiosaurus dolichodeirus

Sauropterygia: Plesiosauria: Plesiosauridae

Zeitraum: Sinemurium, 199-190 Ma
Typlokalität: Lyme Regis, Dorset, England
Holotyp: NHMUK PV R 1336
Länge: 3-5 m
Geschätzte Masse: 400-500 kg

Plesiosaurus dolichodeirus ist der Typus der Plesiosauria und wurde 1821 erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die Gattung zeichnet sich durch einen extrem langen Hals, einen kleinen Schädel und vier paddelartige Flossen aus.

Paläobiologie: Die Funktion des langen Halses ist umstritten. Aktuelle Hypothesen favorisieren eine Jagdstrategie mit schnellen lateralen Kopfbewegungen zur Erfassung flinker Beute. Viviparie (Lebendgeburt) ist für Plesiosauria nachgewiesen.

Mosasaurus hoffmannii

Squamata: Mosasauridae: Mosasaurinae

Zeitraum: Maastrichtium, 70-66 Ma
Typlokalität: Sint-Pietersberg, Maastricht, Niederlande
Länge: 12-17 m
Geschätzte Masse: 5.000-15.000 kg

Mosasaurus hoffmannii war einer der größten marinen Prädatoren der späten Kreidezeit. Der Erstfund 1764 in Maastricht war eines der ersten Fossilien, das als ausgestorbenes Reptil erkannt wurde und beeinflusste frühe Überlegungen zur Extinction.

Paläobiologie: Als Apex-Prädator ernährte sich Mosasaurus opportunistisch von Fischen, Ammoniten, Schildkröten und anderen Meeresreptilien. Die pterygoidale Bezahnung ermöglichte das Festhalten und Manipulieren großer Beute.

Ichthyosaurus communis

Ichthyosauria: Ichthyosauridae

Zeitraum: Sinemurium-Pliensbachium, 199-183 Ma
Typlokalität: Lyme Regis, Dorset, England
Länge: 2-4 m
Geschätzte Masse: 150-300 kg

Ichthyosaurus ist die namengebende Gattung der Ichthyosauria. Die konvergente Ähnlichkeit zu Delfinen und Thunfischen (Thunniform-Körperbau) macht sie zu einem Lehrbuchbeispiel für adaptive Konvergenz.

Paläobiologie: Ichthyosaurier waren vivipar – zahlreiche Fossilien zeigen Embryonen in utero oder während der Geburt. Die großen Augen deuten auf Jagd in der Dämmerung oder Tiefsee hin.

Liopleurodon ferox

Sauropterygia: Pliosauroidea: Pliosauridae

Zeitraum: Callovium-Kimmeridgium, 166-155 Ma
Typlokalität: Calvados, Frankreich
Länge: 6-7 m
Geschätzte Masse: 1.000-2.000 kg

Liopleurodon gehört zu den Pliosauriern – kurzhalsige Sauropterygier mit proportional großen Köpfen. Trotz populärer Übertreibungen (BBC's "Walking with Dinosaurs" zeigte 25 m) war die reale Größe mit 6-7 m dennoch beeindruckend.

Paläobiologie: Als Spitzenprädator des Jura-Ozeans jagte Liopleurodon andere marine Reptilien und große Fische. Die vier paddelartigen Flossen ermöglichten hohe Manövrierfähigkeit.

Aussterben

Das Aussterben der marinen Reptilien erfolgte nicht synchron. Ichthyosaurier verschwanden bereits im Cenomanium (ca. 94 Ma), etwa 28 Millionen Jahre vor dem K-Pg-Ereignis. Die Gründe sind unklar – möglicherweise spielten Konkurrenz durch Haie und Mosasaurier sowie Veränderungen der Meeresökosysteme eine Rolle. Plesiosauria und Mosasauridae starben mit dem Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren aus.