Pterosauria - Anatomie und Evolution
Die ersten fliegenden Wirbeltiere
Die Pterosauria stellen die erste Gruppe von Wirbeltieren dar, die den aktiven, motorisierten Flug entwickelten – etwa 80 Millionen Jahre vor den Vögeln. Als Schwestergruppe der Dinosauromorpha innerhalb der Avemetatarsalia gehören sie zwar zu den Archosauria, sind aber keine Dinosaurier.
Systematik
Die Pterosauria werden traditionell in zwei Gruppen unterteilt: die basalen, langschwänzigen **Rhamphorhynchoidea** (paraphyletisch) und die abgeleiteten, kurzschwänzigen **Pterodactyloidea** (monophyletisch).
Anatomische Besonderheiten
Flugapparat
Die Flugmembran (Patagium) erstreckte sich vom stark verlängerten vierten Finger bis zum Körper und den Hinterbeinen. Zusätzlich existierte ein Propatagium vor dem Arm.
Skelettanpassungen
Pneumatisierte (hohle) Knochen reduzierten das Gewicht erheblich. Das Brustbein war vergrößert für die Ansatzfläche der Flugmuskulatur.
Pteroid
Ein einzigartiger Knochen am Handgelenk, der das Propatagium spannte und die Flugkontrolle verbesserte.
Arten
Pterodactylus antiquus
Pterodactyloidea: Pterodactylidae
Pterodactylus war der erste wissenschaftlich beschriebene Pterosaurier (Collini 1784, Cuvier 1809). Der Gattungsname bedeutet "Flügelfinger" und wird im Deutschen oft fälschlicherweise als Synonym für alle Flugsaurier verwendet. Mit seinem kurzen Schwanz und verlängerten Metacarpus repräsentiert er die Pterodactyloidea.
Pteranodon longiceps
Pterodactyloidea: Pteranodontidae
Pteranodon ist eine der am besten bekannten Pterosaurier-Gattungen mit über 1.000 bekannten Exemplaren. Charakteristisch ist der zahnlose Schnabel und der posteriore Schädelkamm, dessen Form stark zwischen den Geschlechtern variierte (Sexualdimorphismus).
Quetzalcoatlus northropi
Pterodactyloidea: Azhdarchidae
Quetzalcoatlus zählt zu den größten bekannten Flugtieren. Als Azhdarchide besaß er einen extrem langen Hals und einen zahnlosen Schnabel. Benannt nach der aztekischen Gottheit Quetzalcoatl.
Dimorphodon macronyx
Rhamphorhynchoidea: Dimorphodontidae
Dimorphodon ist ein basaler Pterosaurier mit einem proportional großen Schädel und heterodontaler Bezahnung (unterschiedliche Zahnformen). Die Erstbeschreibung erfolgte 1829 durch Mary Anning.
Rhamphorhynchus muensteri
Rhamphorhynchoidea: Rhamphorhynchidae
Rhamphorhynchus ist durch über 100 außergewöhnlich erhaltene Exemplare aus den Solnhofener Plattenkalken bekannt. Charakteristisch sind der lange Schwanz mit terminaler Vane und die nach vorne gerichteten Zähne.
Evolutionsgeschichte
Die ältesten bekannten Pterosaurier stammen aus der späten Trias (ca. 228 Ma). Sie erscheinen fossil bereits als vollständig flugfähige Formen, was die Rekonstruktion der Evolution des Pterosaurier-Flugs erschwert. Während des Jura diversifizierten sich die Rhamphorhynchoidea, bevor sie in der Kreide von den Pterodactyloidea abgelöst wurden. Die letzten Pterosaurier (Azhdarchidae) gehörten zu den größten Flugtieren aller Zeiten.
Aussterben
Die Pterosauria starben am Ende der Kreidezeit (66 Ma) im Zuge des Massenaussterbens an der K-Pg-Grenze aus. Interessanterweise war ihre Diversität bereits vor dem Einschlag rückläufig – nur wenige Familien (v.a. Azhdarchidae) überlebten bis zum Ende.