Jurassic World (2015-2022) - Evolution eines Franchises
Spektakel, Retro-Chic und die Hartnäckigkeit eines überholten Dino-Bildes
Die Jurassic-World-Trilogie setzt dort an, wo Spielbergs Original aufhört: Der Park funktioniert, die Attraktion ist normal geworden. Die Filme bieten mehr Spektakel, größere Budgets und aggressiveres Creature-Design - halten sich aber gleichzeitig eisern an die ästhetischen Konventionen von 1993.
Trilogie-Übersicht
Jurassic World (2015, Colin Trevorrow): Der Park auf Isla Nublar ist etabliert, Indominus Rex wird ausgesetzt. Fallen Kingdom (2018, J.A. Bayona): Vulkanausbruch erzwingt Evakuierung, die Handlung verschiebt sich aufs Festland. Dominion (2022, Trevorrow): Open World - Dinos und Menschen teilen die Welt, allerdings werden prähistorische Riesenheuschrecken zur Hauptbedrohung.
Wissenschaftlicher Abgleich
Indominus und Indoraptor sind reine Fiktion - Chimären aus Theropoden-DNA, Kuttelfisch- und Baumfrosch-Eigenschaften. Wissenschaftlich nicht haltbar, aber als Franchise-Devise konsequent (in Jurassic Park war Frosch-DNA bereits ein Plotdevice).
Dromaeosauriden hatten relativ große Gehirne im Verhältnis zum Körper (hohe EQ-Werte), aber eine hundeähnliche Bindung an Menschen ist spekulativ.
Zum ersten Mal zeigt ein Jurassic-Film einen prominent befiederten Dromaeosauriden - ein Zugeständnis an die aktuelle Paläontologie. Die klassischen Raptoren bleiben aber aus Markenkonsistenz unverändert.
Warum die Reihe so aussieht, wie sie aussieht
Die Jurassic-Filme stehen vor einem Branding-Dilemma: Wissenschaftlich korrekte Darstellungen würden das ikonische Bild zerstören, auf das das Franchise aufbaut. Die Filmemacher haben sich entschieden, die alten Kreaturen-Designs beizubehalten und nur vereinzelt Konzessionen an neuere Erkenntnisse zu machen. Das macht die Reihe zum Schaufenster einer kulturell verankerten, aber wissenschaftlich veralteten Dino-Ästhetik.
- № 01Naish, D. (2016). Dinosaur Plausibility in Jurassic World. Scientific American Blog Network.
- № 02Witton, M.P. (2018). The Palaeoartist's Handbook. Crowood.