The Lost World (Arthur Conan Doyle, 1912)
Genre-Geburt des 'Lost-World-Sujets' und seine wissenschaftsgeschichtliche Einbettung
Arthur Conan Doyles "The Lost World" (dt. Die vergessene Welt) ist die literarisch prägende Gründungsschrift eines ganzen Genres. Erschienen 1912 zunächst als Fortsetzungsroman im Strand Magazine, dann als Buch. Der Roman verbindet Abenteuerliteratur, populäre Wissenschaft und britische Kolonialerzählung zu einer Form, die das 20. Jahrhundert hindurch wieder und wieder adaptiert wurde.
Plot
Edward Malone, ein junger Journalist, bekommt den Auftrag, Professor George Edward Challenger zu interviewen - einen kontroversen Wissenschaftler, der von einem südamerikanischen Plateau mit überlebenden prähistorischen Lebensformen berichtet. Die resultierende Expedition (Challenger, Malone, Professor Summerlee, Lord John Roxton) findet die Welt tatsächlich - inklusive Pterodaktylen, Iguanodons, Allosauren und einer humanoiden Spezies.
Doyle als Wissenschafts-Populisator
Doyle (1859-1930) war ausgebildeter Arzt und an wissenschaftlichen Strömungen seiner Zeit stark interessiert. "The Lost World" entstand, nachdem er Vorträge zur südamerikanischen Geographie gehört hatte - das fiktive Maple-White-Plateau ist inspiriert von realen Tepuis (Tafelbergen) wie dem Mount Roraima an der Grenze Venezuela/Brasilien/Guyana. Challenger wurde bewusst als Gegenentwurf zu Sherlock Holmes angelegt: impulsiv, laut, körperlich stark statt kühl-analytisch.
Einfluss auf Literatur, Film und Popkultur
Das "Lost-World-Sujet" wurde ein Dauerbrenner des 20. Jahrhunderts. Willis O'Briens Stop-Motion-Adaption 1925 prägte die visuelle Sprache für King Kong (1933, ebenfalls O'Brien). Crichtons zweiter Jurassic-Park-Roman heisst bewusst "The Lost World" (1995). Doyles Konzept eines geographisch isolierten "Überlebens-Habitats" taucht noch in zeitgenössischen Franchises auf - in Filmen wie "The Land That Time Forgot" (1975), in Videospielen wie "Carnivores" (1998) und in diversen Comics.
Palaeontologische Genauigkeit
Iguanodon lebte in der frühen Unterkreide (ca. 125 Mio. Jahre), Allosaurus im späten Jura (ca. 150 Mio. Jahre). Doyle vermischt ganze Epochen - dies war 1912 auch paläontologisch bereits bekannt, war aber der Dramaturgie geschuldet."
Doyle erweckt pterosaurische Arten oft anthropomorph - als bedrohliche, zielgerichtete Jäger. Wissenschaftlich wäre das 1912 wie heute Spekulation."
Die Idee, dass eine geografisch isolierte Population paläozoische Fauna bis heute bewahren könnte, ist biogeografisch nicht haltbar - die Artenbildung und Ökosystem-Koevolution über zehntausende Generationen würde die Fauna stark verändern."
- № 01Doyle, A.C. (1912). The Lost World. Hodder & Stoughton.
- № 02Booth, M. (1997). The Doctor, the Detective and Arthur Conan Doyle: A Biography. Hodder & Stoughton.
- № 03Glut, D.F. (2001). Dinosaurs: The Encyclopedia. Supplement 2. McFarland.